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Sankt Martin in BurscheidDie Freude am Lichterzug mit Flüchtlingskindern geteilt

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Katja Pudzich (ganz links) und Petra Barbosa (rechts mit oranger Weste) bastelten mit den Flüchtlingen die Laternen, mit denen es zum Umzug ging.

Burscheid – „Ich geh’ mit meiner Laterne...“, hieß es am Freitagabend für die Grundschüler der Montanusschule. Und weil Sankt Martin ein Fest des Teilens ist, waren auch Flüchtlinge aus der Hans-Hörsch-Halle eingeladen. Katja Pudzich und Petra Barbosa hatten die Aktion angestoßen und bastelten vor dem Zug Laternen mit ihnen – kleine Marsmännchen. „Wir haben mit den Kindern gerechnet, aber es haben auch von den Erwachsenen und jungen Männern, welche mitgebastelt“, erzählte Pudzich, die Mutter einer Zweitklässlerin. Das sei toll gewesen. Das Material habe sie bezahlt und die Laternenstäbe habe ein Burscheider großzügig gespendet.

Rund 30 Flüchtlinge jeden Alters gingen nach dem Basteln mit ihren Laternen los, zwischen den Grundschülern und in Gedenken an einen Heiligen, den sie bis vor kurzem überhaupt nicht kannten. Aber sie wirkten glücklich. Zwischendurch blieben sie immer wieder stehen, um Fotos auch mit Pudzich zu machen – die ersten Erinnerungen an Deutschland.

Die Geschichte des Festes hatte ihnen Lehrerin Andrea Maus erklärt. „Ich gebe einmal die Woche Deutsch-Kurse in der Hans-Hörsch-Halle und habe auf englisch versucht, die Martins-Geschichte zu erklären“, erzählte sie. Dafür habe sie auch Bildkarten benutzt. Das habe nicht immer gut geklappt, aber sie sei sich sicher, dass die Flüchtlinge den Kern der Sache verstanden hätten. „Als ich »Und die Gänse schnatterten so laut im Stall, dass sie ihn verrieten« übersetzten musste, war das mit Händen und Füßen“, sagte Maus lachend. Ein junger Mann übersetzte schließlich von englisch zu arabisch.

Erklären, nicht missionieren

„Mir war es wichtig, dass die Flüchtlingskinder verstehen, wieso wir das machen, und dass sie sich nicht missioniert fühlen.“ In ihrer zweiten Klasse seien sowohl Christen als auch Moslems und die gingen auch alle zusammen beim Martinszug mit. Die Kinder seien unheimlich interessiert. Manche hätten gemischte Gefühle auch etwas Angst, aber die meisten wollten helfen und boten sogar an, zu übersetzten. „Wenn man sich mit dem Unbekannten beschäftigt, dann verliert man auch die Angst.“

Huseen Naser und Ahed Ankelani waren auch beim Umzug dabei. Sie kommen beide aus Syrien und wohnen in der Hans-Hörsch-Halle. „Ich habe gerade ein Video von dem Umzug gemacht und es nach Hause zu meiner Familie geschickt“, erzählte der junge Mann auf englisch. Die Sprachlehrerin habe ihnen gesagt, sie sollen den Verwandten erklären, was heute gefeiert werde. Das habe er getan.

Auch die anderen Flüchtlinge aus der Erstaufnahmestelle in der ehemaligen Kita Rasselbande, direkt neben der Montanus-Grundschule, standen während des Zuges am Gehweg und schauten sich die bunten Lichter an. Am Martinsfeuer auf dem Schulhof angekommen, bekamen die Flüchtlinge einen großen Weckmann überreicht. Der wurde geteilt, wie Sankt Martin es gewollt hätte.