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Umbau des Bahnhofsgebäudes im BurscheidAn der Balkantrasse soll ein Biergarten entstehen

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Investor Mohamed Charara erlebte beim alten Bahnhof Überraschungen. Sogar eine Fledermausexpertin schaute vorbei.

Burscheid – „Was passiert denn hier? Wann wird eröffnet?“ Solche Fragen der Radfahrer und Spaziergänger auf der Balkantrasse hört Mohamed Charara täglich. Der Investor des alten Bahngebäudes hinter der Montanusstraße wird genau beobachtet. Bäume hat er gerodet und eine Menge Schutt herausgetragen. Dass es soviel Arbeit würde, habe er sich nicht träumen lassen. Die Banken spielten nicht mit, so dass er das Projekt komplett aus eigenen Mitteln finanzieren muss. Seit Juni sind vier Mitarbeiter beschäftigt. Anderthalb Monate dauerte allein die Entrümpelung.

Deutsch-mediterrane Speisekarte

Bleche waren vor den Fenstern eine verschlossene Tür – trotzdem drangen immer wieder Unbefugte ein. 8,5 Tonnen Asbest wurde laut Charara gelagert. Es war feucht. Auch äußerlich war der alte Bahnhof an der heutigen Radtrasse zuletzt kein Schmuckstück mehr. Doch mittlerweile ist zu erkennen, dass das Denkmal wieder neues Leben erhält. Geschreinerte Fenster mit Sprossen zieren die Fassade, die Gefache sind restauriert und schadhafte Balken ausgetauscht worden. Bis Mitte Februar schätzt Charara, dass er mit dem Gebäude fertig wird. „Ich wollte eigentlich im Oktober schon fertig sein. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es so viele Hindernisse gibt.“

Sogar eine Fledermaussachverständige sei auf der Baustelle gewesen, habe nachts im Baum gesessen. Anders als ursprünglich geplant will er das Gebäude nicht selbst als Eiscafé und Restaurant betreiben, sonder verpachten. Am liebsten an eine Brauerei. Es soll einen Biergarten direkt an der Trasse geben. Und für das Restaurant schwebt dem IT-Unternehmer aus der Industriestraße eine deutsch-mediterrane Speisekarte vor. Auch ein kleines „Museum“ will er in den Eingangsbereich integrieren. Zumindest eine Vitrine mit alten Fundstücken aus dem Bahnhof und gerahmte Zeitungen. Fündig wurde er auf dem Dachboden. „Da war gefühlt hundert Jahre niemand mehr.“ Alte Fahrkarten fand er, Petroleumlampen. Emailleschilder, ja sogar Krankenhefte der einstigen Angestellten der Reichsbahn. Den Dachboden wird es nicht mehr geben, da alles nach oben hin offen bleibt. Die Gefache will Charara von innen nicht verputzen, so dass die alten Ziegelsteine sichtbar sind.

Atmosphäre ist schon gemütlich

Schon jetzt ist die Atmosphäre mit zwei Öfen gemütlich – obwohl die Baustelle noch nicht fertig ist. Es muss noch das Dach gedeckt werden und unter der Asphaltdecke des Balkantrassenwegs werden demnächst die Versorgungsleitungen „durchgeschossen“. Die Heizkörper für die Gasheizung sind teilweise schon angebracht. Innen gibt es Gästetoiletten. Außerdem werden Toiletten im Außenbereich für den Biergarten gebaut. Dort soll zudem ein Blockhaus mit Zapfanlage aufgebaut werden. 200 000 Euro habe er als Schmerzgrenze für die Sanierung des Bahnhofsgebäudes kalkuliert, sagt Charara. Die sei bald erreicht. Und dann komme noch das neue Dach hinzu und der neue Estrichboden. Von der Bahn hat er das Gebäude für 17 000 Euro erworben. Zur Umweltwoche im April sollen das Restaurant und das Eiscafé in Betrieb gehen. Und schon bald will er mit den Arbeiten für den Biergarten beginnen.