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Senioren-Union BurscheidGas und Strom sind teuer im Sibirien des Bergischen Landes

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Zwei Männer in einem Saal schauen konzentriert auf ein Papier.

Beim Abend zu Energie-Fragen bei der Senioren Union Burscheid schaute Referent Frank Burghardt auch mal auf die Stromrechnung.

Kostenexplosionen auf der Stromrechnung, Gaspreis-Wirrwarr: Wer blickt da noch durch? Die Burscheider Senioren-Union ließ sich die Lage von einem Profi erklären.

Senioren frieren schnell, Burscheid wird nicht ohne Grund „das bergische Sibirien“ genannt. Die Gas- und Strompreise sind hoch, deshalb lag der aktuelle Vortrag in Sachen Energie bei der Burscheider Senioren-Union in der Gaststätte Korfu jetzt nahe. Gehalten hat ihn Frank Burghardt, Dienstleistungsmanager der Rhein-Energie, die wiederum Mehrheitseigner am für Burscheid zuständigen Energieversorger Belkaw ist.

Die Menschen des Wirtschaftswunders waren stets warme Häuser und günstige Energiepreise gewohnt. Die Energieversorger dagegen sind stets gute Gewinne gewohnt. „Wird es nochmal billiger?“, so die Frage eines CDU-Mitglieds beim Infoabend in Burscheid. Burghardts Prognose lautete: „Das Kostenniveau wird hoch bleiben.“ Um dem etwas entgegenzuhalten und, was noch viel wichtiger ist, um einer Gas-Mangellage vorzubeugen, hilft derzeit nur Sparen. Burghardt kündigte eine konzertierte Informationskampagne der Städte Lindlar, Leichlingen, Bergisch Gladbach, Kürten, Odenthal und Burscheid mit der Belkaw und der Verbraucherzentrale zum Thema Energiesparen an.

Noch viel zu wenig gespart

Denn die Kunden hätten bisher noch nicht viel gespart. Im Gegenteil: Bereinige man die Verbrauchsstatistiken um die Einflüsse des warmen Wetters im Herbst, geben die Zahlen bisher keinen Spareffekt her. Das belegte Burghardt anhand von Statistiken. Die Bundesnetzagentur peilt an, dass die Bürger 20 Prozent weniger Gas verbrauchen sollen, davon ist man noch weit entfernt.  Aber die Energieversorger können nicht mehr unbegrenzt Gas liefern.

Auch in der Runde der CDU-Senioren ging es nicht ums Sparen, sondern ums Geld und Verträge. Warm angezogen waren aber alle. Seinen Vortrag in der griechischen Gaststätte in Burscheid hatte der Energiemanager mit einer grundsätzlichen Betrachtung des Energiemarkts eingeleitet. Über die Hälfte des Gases sei aus Russland gekommen - vor dem Krieg. Mit diesem Verlust müsse letztlich auch die Belkaw umgehen. Jetzt seien die Speicher zwar voll, aber die Vorräte reichten nur zehn Wochen.

Senioren sitzen um einen Tisch und verfolgen einen Lichtbildvortrag von Referent Frank Burghardt.

Referent Frank Burghardt im Kreise der Senioren-Union Burscheid.

Burghardt konnte das alles gut erklären. Die Beschaffungskosten für die Belkaw hätten sich um 300 Prozent erhöht, sagte er. Die Abschläge eines Standard-Kunden seien beim Gas auf 337 Prozent des Vor-Kriegs-Niveaus hochgeschnellt. Der Energiefachmann stieß trotz dieser Aufschläge auf Verständnis. Nicht ganz schlüssig erklären konnte er, weshalb der Zählerpreis um 44 Prozent und der Grundpreis um 17 Prozent angehoben wird. Es werde jetzt viel am Netz gearbeitet und Zähler würden digital. Dafür könne die Belkaw aber nichts, lernten die CDU-Senioren. Diese Preise lege die Rheinische Netzgesellschaft fest, eine hundertprozentige Tochter der Rhein-Energie, die Belkaw reiche sie nur an die Kunden durch. Aber: Die Stromrechnung zu verstehen, daran sind schon manche gescheitert, nicht nur CDU-Mitglieder.