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Ehrenamtlicher EinsatzLeichlinger Bürgerbus-Fahrer nimmt nach 20 Jahren Abschied

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Bürgerbus-Fahrer Toni Fasanella (mit Schal) wird am Busbahnhof von einem Kollegen geherzt.

Bürgerbus-Fahrer Toni Fasanella (mit Schal) wird am Busbahnhof von einem Kollegen geherzt.

Seine Kolleginnen und Kollegen haben den Bürgerbus-Fahrer Toni Fasanella am Busbahnhof überrascht und geehrt.

Ein vertrautes Gesicht verabschiedete sich nach zwei Jahrzehnten vom Steuer des Bürgerbusses: Vincenzo „Toni“ Fasanella beendete nach 20 Jahren seinen ehrenamtlichen Einsatz beim Bürgerbus Blütenstadt Leichlingen. Am Busbahnhof wurde der 66-Jährige von Vorstand und Mitstreitern mit einer Überraschung empfangen – ein Moment, der selbst den erfahrenen Fahrer sichtlich bewegte.

Als Fasanella mit dem Kleinbus am Bussteig einfuhr, warteten dort bereits zahlreiche Kolleginnen und Kollegen. Sie winkten ihm zu, applaudierten und bereiteten ihm einen herzlichen Empfang. Der Geehrte reagierte überrascht, stieg mit einem breiten Lächeln aus und nahm seine Mitstreiter der Reihe nach in den Arm. „Danke für alles“, sagte er in die Runde und wirkte dabei zugleich stolz und gerührt.

Mehr als 10.000 Einsätze

Fasanella galt im Verein als echtes „Urgestein“. In den vergangenen 20 Jahren absolvierte er nach eigenen Angaben 10.030 Einsätze und legte mehr als 94.000 Kilometer zurück. An seinen ersten Bus konnte er sich noch genau erinnern – das Fahrzeug trug das Kennzeichen 194. „Das vergisst man nicht“, sagte er schmunzelnd.

Bürgerbus-Fahrer Toni Fasanella (mit Schal) im Kreis seiner Kolleginnen und Kollegen am Leichlinger Busbahnhof

Bürgerbus-Fahrer Toni Fasanella (mit Schal) im Kreis seiner Kolleginnen und Kollegen am Leichlinger Busbahnhof

Sein Weg zum Bürgerbus kam eher zufällig zustande. Ein ehemaliger Arbeitskollege hatte ihn nach dessen Ausscheiden bei Bayer angesprochen, ob er sich eine Tätigkeit als Fahrer vorstellen könne. Fasanella sagte zu – und blieb. „Der Verein hat mir viel gegeben“, blickte er zurück. Als gebürtiger Leichlinger habe er durch die Fahrten seine Heimatstadt noch einmal ganz neu kennengelernt.

Der Bürgerbus Blütenstadt Leichlingen wurde am 13. November 2000 als Verein gegründet, der Fahrbetrieb begann am 20. November 2002. Heute zählt der Verein 42 Mitglieder, von denen 25 aktiv im Fahrdienst eingesetzt sind. Bis zum Jahr 2025 wurden rund 221.000 Fahrgäste befördert und etwa 904.000 Kilometer zurückgelegt.

Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es war mir eine Ehre, die Leichlinger von A nach B zu bringen
Vincenzo Fasanella fuhr 20 Jahre lang den Bürgerbus Leichlingen

Eine Besonderheit des Vereins: Auch der Vorstand greift regelmäßig selbst zum Lenkrad. Vorsitzender und Geschäftsführer Werner Spitzer sowie seine Vorstandskollegen engagieren sich nicht nur organisatorisch, sondern übernehmen ebenfalls Fahrten. Die Fahrerinnen und Fahrer arbeiten ehrenamtlich, dürfen den Bus jedoch auch privat kostenfrei nutzen und zahlen keinen Mitgliedsbeitrag.

Viele der Aktiven stoßen erst im Rentenalter zum Bürgerbus, wenn sie mehr Zeit haben. „Gesundheit und Lebensumstände spielen da eine große Rolle“, hieß es aus dem Kreis der Fahrer. Umso mehr werde langjähriges Engagement wie das von Fasanella geschätzt.

Mit seinem Abschied verliert der Bürgerbus einen prägenden Fahrer – und gewinnt zugleich ein Beispiel dafür, wie ehrenamtlicher Einsatz über viele Jahre hinweg eine Gemeinschaft stärken kann.

Zum Abschluss fand Fasanella persönliche Worte: Er gehe „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Es sei ihm eine Ehre gewesen, „die Leichlinger von A nach B zu bringen“.


Neuer Bus minimierte Rücklagen

Der Verein Bürgerbus Blütenstadt Leichlingen zog auf seiner jüngsten Jahreshauptversammlung im Bürgerhaus Am Hammer Bilanz für 2025: Auch in turbulenten Zeiten habe der Bürgerbus Kurs gehalten, wie der Vorsitzende Werner Spitzer resümierte. 7346 Fahrgäste waren im vergangenen Jahr mit dem Bürgerbus unterwegs, davon 1501 Schwerbehinderte. Spitzers Dank galt den 42 Vereinsmitgliedern, von denen derzeit 25 als Fahrerinnen und Fahrer der Linie 256 an sechs Tagen pro Woche im Einsatz sind. Zudem hob er die Anschaffung des neuen, knapp 100.000 Euro teuren Mercedes Sprinter im vergangenen Sommer hervor. Dieser löste das Vorgängerfahrzeug nach sieben Jahren und fast 300.000 gefahrenen Kilometern ab. Inzwischen hat der neue Bus im Linienbetrieb bereits mehr als 20.000 Kilometer gesammelt.

Kassenwartin Birgit Dobrodt stellte die Einnahmen und Ausgaben vor, die jeweils bei rund 25.000 Euro lagen. Da für den neuen Bus neben einem Zuschuss aus Landesmitteln noch 38.000 Euro Eigenanteil anfielen, seien die Rücklagen des BBL nun allerdings weitgehend erschöpft. Dobrodt gab ihr Amt nach elf Jahren an Karola Hamdorf ab, übernimmt dafür deren Amt als Beisitzerin, zu der sie einstimmig gewählt wurde. Weitere Infos zum Bürgerbus finden sich auf der Website des Vereins. (dre)

www.buergerbus-leichlingen.de