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MobilfunkmastAnwohner in Nesselrath sind verärgert über Leichlingens Verwaltung

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Annabel und Gabi von Clanner stehen vor einem Zaun. Hinter dem soll ein Mobilfunkmast aufgebaut werden.

Annabel und Gabi von Clanner wollen sich nicht mit dem Mobilfunkmast abfinden.

In Nesselrath sind die Leute verärgert, weil ein Mobilfunkmast direkt gegenüber von ihren Häusern gebaut wird.

In Leichlingen-Nesselrath wächst der Widerstand gegen den im Bau befindlichen Funkmast für den Mobilfunkanbieter Vodafone. Die Anwohner sind verärgert über Vodafone und dessen Tochtergesellschaft Vantage Towers, die den mehr als 40 Meter hohen Stahlgerüstturm  direkt neben der Kreisstraße 1 durch den Ort errichtet. Vor allem aber sind sie entrüstet über den Umgang der Stadtverwaltung mit ihnen in dieser Angelegenheit.

Der Bau des Mobilfunkmastes habe im Mai, Juni mit Fundamentarbeiten ohne jede Information der Anwohner in dem Dorf an der Wupper begonnen, berichten Gabi und Annabel von Clanner, die ihren Protest gegen den Standort des Mastes in unmittelbarer Nähe zu ihren Wohnhäusern am Freitagvormittag öffentlich machen. Gemeinsam mit etwa zehn weiteren Nesselrathern stehen Mutter und Tochter von Clanner vor dem Stahlmast. Am Zaun rund um die Mobilfunkanlage hängt ein selbst gemaltes Schild: „Der Funkmast gehört hier nicht hin!“, steht in großen Lettern drauf.

Vodafone will über Mobilfunkmast nicht sprechen

Gabi von Clanner erzählt, dass zunächst alle Nesselrather annahmen, die Gärtnerei Zimmers Gartenland wolle auf ihrem Grund und Boden etwas bauen. Der Funkmast steht zwischen der K1 und den Gewächshäusern des Gärtners auf dessen Boden.

„Auch während der Bauarbeiten gab es keinerlei Informationen“, sagt Gabi von Clanner. „Dass hier direkt gegenüber von uns ein Mobilfunkmast gebaut wird, hat in Nesselrath niemand gewusst“, ist sie überzeugt. Ihre Tochter Annabel betont, die Nesselrather hätten im Prinzip überhaupt nichts gegen einen Mobilfunkmast, auch nicht im Ort. „In Nesselrath gibt's keinen Handyempfang. Wir brauchen hier Mobilfunk. Das ist uns in der Flut im Juli 2021 klar geworden. Es geht um den Standort“, so die junge Frau.

Man habe mit Vodafone und Vantage Towers versucht zu sprechen: ergebnislos. Im Gespräch mit Bürgermeister Frank Steffes, das die aufgebrachten Nesselrather dann suchten, sei dessen erste Reaktion auf ihre Kritik am Standort des Stahlmastes gewesen: „Sie können ja klagen.“ Im Übrigen hätten sie im Gespräch den Eindruck gewonnen, dass Steffes ihr Anliegen nicht sonderlich interessiert. „Erst als wir darauf kamen, dass an der Baustelle ein sachlich falsches Baustellenschild angebracht sei, wurde er hellhörig“, so Gabi von Clanner.

Baustellenschild für Mobilfunkmast ist sachlich falsch

Tatsächlich kündigt das Baustellenschild, das der Redaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“ in Kopie vorliegt, die „Errichtung eines Schleuderbetonmastes“ mit einer Höhe von 43,24 Metern an. Was an der K1 bereits in stattliche Höhe gewachsen, aber noch nicht in Betrieb genommen ist, ist aber eben ein Stahlgerüstmast. Im Nachgang zum Gespräch habe es dann aus der Stadtverwaltung geheißen, beim Ausfüllen des Baustellenschildes sei ein Fehler unterlaufen.

In der Stadtverwaltung Leichlingen verweist man darauf, dass der Antrag für die Errichtung des Mastes im Bauordnungsamt geprüft worden sei. Da habe es keinerlei Einwände gegeben, weil die vorgegebenen Abstände zur Straße und die Grenzwerte für Strahlungsintensität eingehalten seien. „Das Procedere bei diesen Masten ist ein ganz klassisches. Herrin des Verfahrens ist die Bundesnetzagentur. Den Antrag für den Standort stellt der Betreiber“, erklärte Mirjam Bosse, Leiterin des Fachbereichs Bauen und Wohnen in der Stadtverwaltung, dieser Zeitung.

Es sei nicht üblich, dass Anwohner über die Errichtung von Mobilfunkmasten informiert würden. Es gebe keine Verpflichtung, Nachbarn bei so einem Antrag mit ins Boot zu holen. „Wir haben das an der Stelle nicht für notwendig erachtet. Das hört sich nicht nett an. Ich weiß aber nicht, ob man einen Standort findet, der allen gerecht wird, wenn man das miteinander diskutiert“, so Bosse.

Das sieht man in Nesselrath naturgemäß anders. „Dass man uns im Genehmigungsverfahren nicht beteiligt hat, ist der Knackpunkt“, befindet Matthias von Clanner. „Ein Infoabend hätte gereicht. Ich hätte denen ein Stück von meinem Land geschenkt. Da hätten sie den Mast hinbauen können.“ Die Nesselrather wollen in jedem Fall weiter gegen den Funkmast vis à vis ihrer Wohnhäuser kämpfen. Annabel von Clanner: „Wir suchen weitere Mitstreiter.“

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