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Gleichstellung in LeichlingenIn der Verwaltung gibt es mehr Chefinnen als Chefs

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Nadja Kischka-Wellhäußer Leichlingen

Nadja Kischka-Wellhäußer, hier im Juni 2021, ist die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Leichlingen.

Leichlingen – Wer mit der Leichlinger Stadtverwaltung zu tun hat, wird eher eine Frau am Telefon oder vor sich am Schreibtisch haben als einen Mann. Jedenfalls nach der statistischen Wahrscheinlichkeit. Denn im Rathaus und den anderen städtischen Dienststellen sind zwei von drei Mitarbeitenden weiblich.

Der Frauenanteil liegt quer durch alle Ämter bei 67 Prozent. Das geht aus dem neuen Bericht der städtischen Gleichstellungsbeauftragten Nadja Kischka-Wellhäußer hervor, den sie dem Stadtrat vorgelegt hat.

„Leichlingen steht ganz gut da“

Der Gleichstellungsplan muss alle fünf Jahre erstellt werden, um eine paritätische Personalbesetzung anzustreben. Für Kischka-Wellhäuser, die seit Mai 2021 im Amt ist, ist es der erste Bericht.

Sie hat die Beschäftigten-Struktur dafür mit Akribie durchleuchtet und das Personal anonymisiert nach Berufsgruppen, Laufbahnen, Alter, Karrierestufen und Tätigkeitsbereichen aufgeschlüsselt. Mit dem Ergebnis ist sie zufrieden, denn „Leichlingen steht in Sachen Gleichstellung ganz gut da, hat sich seit den letzten sechs bis acht Jahren in Sachen Geschlechterparität in sämtlichen Bereichen gut entwickelt“, so ihr Fazit.

Von den 266 Mitarbeitenden sind 177 Frauen und 89 Männer. Unter 30 Verbeamteten sind 22 Frauen und acht Männer – hier herrscht also sogar eine Frauenquote von 73 Prozent. Im Angestelltenverhältnis stehen 155 Frauen 81 Männern gegenüber – mit 66 Prozent haben die Frauen auch hier die Mehrheit. Das wird auch so bleiben, denn unter den derzeit acht Auszubildenden der Stadtverwaltung sind fünf weiblich.

An der Rathausspitze ist noch Luft nach oben

Ganz oben an der Rathausspitze (und mithin in der höchsten Besoldungsgruppe) wäre für Frauen zwar noch Luft nach oben: Der Verwaltungschef und die derzeit drei Fachbereichsleiter sind alle Männer.

Die vierte, momentan unbesetzte oberste Führungsposition, die Fachbereichsleitung Bauen und Wohnen, ist in Leichlingen schon länger ein Erbhof der Frauen. Nur dass sich für die abgewanderte letzte Stelleninhaberin Andrea Murauer seit langem keine Nachfolgerin findet. Trotz der männlichen Spitze kann sich der Frauenanteil aber auch auf der Führungsebene gut sehen lassen, freut sich die Beauftragte. Von 16 Amtsleitungen sind derzeit neun Frauen (2014 waren es nur vier). Und von sieben Abteilungsleitungen sind vier weiblich besetzt.

68 Prozent arbeiten in Vollzeit

„Leichlingen ist eine der wenigen Kommunen im Rheinisch-Bergischen Kreis mit Geschlechterparität auf Führungsstellen und nimmt so eine Vorbildrolle ein“, bilanziert Kischka-Wellhäußer, „keine andere Kommune hat so viele Amtsleiterinnen, zumal in eher nicht als traditionell weiblich besetzten Ämtern wie Bauordnung und Stadtplanung.“ Darauf ist Bürgermeister Frank Steffes stolz, zumal die Einstellungen wegen der Qualifikation der Kolleginnen erfolgt seien: „Ich habe noch nie eine Frau wegen der Quote eingestellt, sondern immer weil sie besser qualifiziert waren.“

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Weitere Daten des Berichtes: 68 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Vollzeit (Frauen wie Männer nahezu paritätisch), 32 in Teilzeitmodellen (die zu 92 Prozent klassisch deutlich weiblich dominiert sind). Stichwort Kinderbetreuung: Von 19 Mitarbeitenden in Elternzeit waren bei der Datenerhebung 15 Frauen. Die wenigen Väter, die eine Erziehungspause einlegten, nahmen nur zwei Monate, einer sechs Monate. Kischka-Wellhäußer liest aus den Zahlen aber durchaus einen Trend hin zu „pro aktiver Vaterschaft“ ab, was aus ihrer Sucht „eine sehr zu begrüßende Tendenz wäre“.