InsolvenzBei Bäro in Leichlingen bangen 160 Menschen um ihren Job

Lesezeit 3 Minuten
Die Bäro-Geschäftsführung mit J. Manuel und Sandra von Möller

Die Bäro-Spitze: das Geschäftsführer-Ehepaar J. Manuel und Sandra von Möller.

Der weltweit tätige Spezialist für Beleuchtung im Handel und Desinfektion mit Licht kann seit einer Woche keine Rechnungen mehr bezahlen.

Ende Oktober war Bäro noch Sponsor für die Weihnachtsbeleuchtung in Leichlingen und dem Höhendorf Witzhelden. Jetzt ist das Unternehmen – ein weltweit tätiger Spezialist für Beleuchtungssysteme im Handel mit zuletzt 160 Beschäftigten und rund 49 Millionen Euro Umsatz – zahlungsunfähig. Die Wuppertaler Insolvenzspezialistin Marion Rodine hat bereits seit einer knappen Woche das Sagen in Wolfstall, einer Ortschaft am Rande Witzheldens im Leichlinger Höhengebiet. Über die Gründe wurde zunächst nichts bekannt: Weder die Insolvenzverwalterin noch die Geschäftsführerin Sandra von Möller reagierten am Dienstag auf Anfragen. 

Die Firma war 1967 unter dem Namen Bähren & Rosenkranz, kurz Bäro, gegründet worden. Schon damals ging es um Beleuchtung. Später wurde das Geschäft deutlich ausgebaut. Bäro etablierte sich als Spezialist für die effektvolle Licht-Inszenierung von Verkaufstheken in Supermärkten, Tankstellen, Kaufhäusern und Ausstellungsräumen. Und das auf der ganzen Welt. Aber auch in Leichlingen hat Bäro Kunden: etwa den Edeka-Betreiber Bonus.

Zunächst Licht, dann Luft

1996 erweiterte Bäro sein Spektrum um den Bereich Luftsäuberung. Das sind Techniken zur Reinigung und Entkeimung von Luft und Oberflächen mittels ultraviolettem Licht. In der Corona-Pandemie war das ein besonders vielversprechendes Geschäftsfeld, geleitet wird es von Sandra von Möller. Offenbar konnte Bäro dieses Momentum zuletzt nicht mehr nutzen.

Dabei zählte das Unternehmen noch 2021 nach Ansicht einer Jury zu den 100 innovativsten Mittelständlern in Deutschland. Nach eigener Darstellung setzt Bäro nicht nur bei der Entwicklung, sondern auch bei der Produktion „bewusst auf Deutschland“, der Vertrieb laufe dann über eigene Tochtergesellschaften und Partner weltweit. 

Die Ära von Möller begann vor gut 20 Jahren

2009 übernahm das Ehepaar J. Manuel und Sandra von Möller die Leichlinger Firma. Die promovierte Juristin von Möller wagte damit den Schritt von der Theorie in die unternehmerische Praxis. Davor hatte die gebürtige Freiburgerin, die während ihres Referendariats ins Rheinland gekommen war, 14 Jahre als Rechtsanwältin und Fachanwältin für Steuerrecht bei der Prüfungsgesellschaft KPMG, in der Wirtschaftskanzlei Linklaters und der internationalen Steuerabteilung der Deutschen Post gearbeitet.

Sandra von Möller wirkte indes nicht nur als Unternehmerin, sondern exponierte sich in der Kölner Industrie- und Handelskammer. In der vor drei Jahren plötzlich zu Ende gegangenen Ära Werner Görg hatte sie es bis zur Vizepräsidentin gebracht. Heute ist die Unternehmerin, die in Köln wohnt, noch Mitglied der IHK-Vollversammlung, außerdem Wirtschaftsbotschafterin der Stadt Köln.  

Auch politisch engagiert sich die 53-Jährige. Von 2009 bis 2013 saß sie für die CDU im Kölner Stadtrat, wegen beruflicher Überlastung gab sie das Mandat vorzeitig auf. Vor der jüngsten Bundestagswahl trat von Möller, die in Marienburg wohnt, im Kölner Südwesten für ihre Partei an. Den Wahlkreis hatte zuvor Heribert Hirte mehrmals gewonnen; doch am 26. September 2021 war die CDU mit ihrer Kandidatin von Möller chancenlos: Mit 25 Prozent der Stimmen unterlag sie gegen Sven Lehmann von den Grünen. Eine historische Schlappe, nach der sich von Möller schnell neu orientierte: Im Dezember 2021 wurde sie an die Spitze des Wirtschaftsrats der Kölner CDU gewählt.

Dazu kam schon früh soziales Engagement, das im Februar 2017 mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt wurde. 2003 hatte von Möller den Verein „Kid-Smiling“ gegründet, der Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen oder mit Flucht- und Migrationshintergrund fördert. Schwerpunkt ist ein Fußball-Projekt. Daneben macht sich Sandra von Möller dafür stark, dass Frauen Beruf und Erziehung besser miteinander vereinbaren können. Sie selbst hat drei Kinder. 

Nachtmodus
KStA abonnieren