LeichlingenSeelische Probleme nehmen zu
Leichlingen – Ängste und Aggressivität bei Kindern, Hilflosigkeit und Überforderung bei Eltern, Mobbing, Suchterfahrungen, familiäre Konflikte, Probleme in der Schule und im Sozialverhalten – Phänomene, die Alltag sind in der katholischen Erziehungsberatungsstelle Leichlingen. Und die dem Büro in der Kirchstraße konstant hohen Andrang bescheren. Vier Prozent mehr als im Vorjahr war es 2019. Das geht aus dem jetzt vorgelegten Jahresbericht der Einrichtung hervor, an die sich Kinder, Jugendliche und Eltern wenden können. Ihre neue Leiterin ist die Diplom-Psychologin Erika Haaf, Nachfolgerin von Anja Antoine.
382 Familien betreut
Insgesamt 382 Familien wurden im Berichtsjahr betreut. 86 Prozent von ihnen stammen aus Leichlingen, denn die Ortsansässigen werden von der Stelle bevorzugt beraten. Nur in begründeten Ausnahmefällen können auch andere versorgt werden, das waren im vergangenen Jahr zum Beispiel 20 Fälle aus Burscheid und elf aus Leverkusen.
282 Neuanmeldungen wurden neu aufgenommen, weil übers Jahr auch 254 Fälle abgeschlossen werden konnten. Das kann mitunter länger dauern. Nur ein Drittel der Beratungen führt bereits nach drei Monaten zu einem Ergebnis.
Die Mehrheit benötigt kontinuierliche Beratung und Hilfestellung über einen Zeitraum von bis zu neun Monaten, zehn Prozent auch bis zu zwei Jahren und länger. „Ein großer Teil der Ratsuchenden erlebt schon bei einer einmaligen Anregung oder einer Kurzintervention von bis zu fünf Gesprächen eine hinreichende Ressourcen-Aktivierung, um die Problemlage eigenständig zu klären“, heißt es im Bericht. Aber nicht selten sind auch 30 Kontakte und mehr nötig.
Hinter der Statistik verbergen sich im Alter von bis zu neun Jahren mehr Jungen, danach mehr Mädchen. Insgesamt waren es 2019 132 männliche und 121 weibliche Kinder und Jugendliche von unter drei Jahren bis 27, die betreut wurden.
Der häufigste Anlass (21 Prozent der Fälle) waren Entwicklungsauffälligkeiten und seelische Probleme wie Ängste, Zwänge und Depressionen. Gefolgt (zu jeweils 14 Prozent) von problematischem Sozialverhalten (Rückzug/Isolation, Geschwister-Rivalität, gesteigerte Aggressivität) und eingeschränkter Erziehungskompetenz von Eltern. Eine Gefährdung des Kindeswohls lag in sechs Einzelfällen vor (1,6 Prozent), sexualisierte Gewalt wurde im Berichtsjahr in der Leichlinger Stelle nicht aktenkundig.
Die breite und lange währende Vernetzung mit anderen sozialen Einrichtungen, Schulen, Kitas, Ämtern, Arbeitskreisen und Vereinen in der Stadt gilt als Erfolgsrezept für die katholische Erziehungsberatung im Ort, die von Erzbistum, Landschaftsverband und Stadt finanziert wird.
Die Psychologen und Sozialarbeiter bieten regelmäßig Sprechstunden in den Grundschulen und Offenen Ganztagsbetreuungen an, haben eine Gruppe für Eltern nach einer Trennung geleitet, kooperieren mit Familienzentren und dem Kinder- und Jugenddorf. Zunehmende Resonanz erfahren die Chat-Beratungen – die Online-Anfragen haben sich 2019 verdoppelt.
