Leverkusen – Als Bayer im Dezember 1891 die Leverkus'sche Fabrik erwirbt, gehen 70 000 Goldmark für den Erwerb der drei Arbeiterhäuser drauf.
Vier Jahre später beginnt die Firma mit dem Bau weiterer Wohnungen für ihre Arbeiter. Zwischen Schießberg- und Hauptstraße entstehen 40 Arbeiterhäuser mit 160 Wohnungen und fünf Häuser für Aufseher mit zehn Wohnungen.
Die rohen Ziegelbauten werden entlang rechtwinklig angelegter Straßen errichtet; die Wohnungen haben zwei bis sechs Zimmer und einen Garten.
Ebenfalls schon vor der Jahrhundertwende wird die Beamtenkolonie an der Bahnlinie gebaut. Beim Bau der Kolonie II ab 1900 ist man um ein angenehmeres Erscheinungsbild bemüht. Die Straßen werden geschwungen angelegt, haben Gasbeleuchtung und Bürgersteige, es gab auch Plätze.
Die Häuser selbst haben verputzte Fassaden und Fachwerk. 1916 ist alles fertig, 1250 Wohnungen sind entstanden, die über beträchtlichen Komfort verfügen: etwa einen Wasseranschluss in der Küche.
Die Grundstücke mit einem Ziergarten vorn und einem Nutzgarten hinten sind gut gedacht.
Aber es ist gar nicht so einfach, die Bewohner davon profitieren zu lassen: In der Arbeiterschaft aus Elberfeld herrscht „eine große Unkenntnis der ländlichen Verhältnisse“, notiert Albert Mandel im Jahr 1913: „Hier bedurfte es anfangs großer Anstrengungen, um den Arbeitern den Nutzen der Gärten, welchen sie bei den steigenden Preisen für Kartoffeln, Gemüse usw. daraus ziehen könnten, klar zu machen.“ Schließlich wird ein Lehrgarten für Jungs eingerichtet.
Die Kolonie III schließlich entsteht zwischen 1913 und 1925. Für ihre Gestaltung hatte Bayer einen Bebauungswettbewerb mit Preisen von insgesamt 14 000 Mark ausgelobt.
Gewonnen hatten ihn schließlich die Architekten Schnatz und Munck aus Essen. Nach ihren Plänen entstehen weitere 1000 Wohnungen.
