Abo

European Darts Tour 2018Darts gewinnt immer mehr Fans in Leverkusen – Verein vor Ort

Lesezeit 4 Minuten
Darts Leverkusen

Auf einem Bein, die Hüfte schräg nach vorn: Das ist dir richtige Technik beim Dartwurf. 

Leverkusen – „Es sollten so wenig Muskelgruppen wie möglich im Einsatz sein.“ So einen Tipp wie den von Markus Müller bekommt man selten bei einer Sportart. Aber hier gilt eben: 80 Prozent findet im Kopf statt, 20 Prozent sind Technik. Die Rede ist von einer Sportart, die in den letzten Jahren viel an Popularität gewonnen hat. Dazu könnte auch beigetragen haben, dass die großen Wettkämpfe mehr einer Fete gleichen als allem anderen.

Genau, es geht um Dart. Jenen Sport, der sich immer weiter aus den Ecken britischer Kneipen hinein ins deutsche Fernsehen spielt. In Leverkusen werden zwar keine 9-Darter geworfen – so die niedrigste Anzahl an Dartwürfen, mit der eine Runde, also ein Leg, beendet werden kann. Aber Enthusiasten, die nahe drankommen, findet man trotzdem. Denn jeden Freitag um 19 Uhr trifft sich der Erste Dart-Club Leverkusen in der Gaststätte Rodeo. Dort hängen drei Scheiben im Keller, die Spots sind auf sie gerichtet, hier misst man sich.

Ideale Wurfstellung

Davor stehen ein paar Tische in dunklerer Atmosphäre, auf ihnen wird höchstens das Bier abgestellt – ganz so, wie man es bei Spielern des Kneipensports erwarten könnte. Markus Müller ist der Vorsitzende und weiß, welche Tipps Anfänger brauchen: Entgegen der Erwartung vieler sollte für die ideale Wurfstellung das Bein der selben Seite vorne stehen, mit dessen Arm auch geworfen wird. Den Körper im 90-Grad-Winkel zur Scheibe drehen, den Oberarm möglichst ruhig halten und „ganz leicht aus dem Handgelenk“ werfen. „Das wichtigste ist ein ruhiger und entspannter Stand. Sobald man verkrampft, ist es vorbei“, erklärt Müller.

Der Dart-Club gründete sich 1981, kurz darauf kam Uwe Seidel dazu. „Ich wollte eigentlich mein Alltagsenglisch aufbessern“, erinnert er sich, ging in einen britischen Pub in Köln, sah die Scheibe in einer Ecke hängen – und konnte die Pfeile nicht mehr aus der Hand geben. Thomas Walsh ist der einzige waschechte Engländer im Club. Wie so viele andere begann auch er eines Abends in einer Kneipe auf die Scheibe zu zielen. Seine Geschichte begann in Dortmund im Ruhrgebiet, von wo aus sich der Sport ursprünglich über das Land ausbreitete. Denn während der Besatzungszeit lag hier die Dart-Hochburg Deutschlands. Und noch immer finden sich rund ums Rheinland die meisten Teams und Ligen – organisiert im Nordrhein-Westfälischen Dartverband.

Start für die Europa-Tour

Aber nicht in Dortmund, sondern in Leverkusen ist der nächste wichtige Termin auf dem Dart-Kalender. Am 23. März beginnt hier die European Darts Tour 2018. Das zeigt, wie auch immer mehr Deutsche sich für den Sport interessieren. „Der Hype kommt über das Fernsehen“, beobachtet Vereinschef Markus Müller.

„Am Anfang habe ich schon vor dem Frühstück gespielt“, erzählt Michael Erdmann, einer der ältesten Mitglieder des Clubs. Mit drei Pfeilen im Gepäck kam er von einer Reise aus Kanada wieder, kaufte seine erste Scheibe und durchlöcherte erst einmal seine Wand. Das gab Ärger mit der Gattin, doch heute ist Brigitte Erdmann selbst eine der vier Frauen, die für die beiden Teams des Leverkusener Clubs antreten.

Beim Dart werfen Frauen häufig mit schwereren Pfeilen: Damit muss man weniger Kraft aufbringen, um an Geschwindigkeit zu gewinnen. Dementsprechend nähert sich die Flugkurve schwerer Pfeile eher einer ballistischen an, während leichte Pfeile nahezu gerade auf die Scheibe abgefeuert werden. Die ideale Spielweise gibt es in diesem Sport nicht.

Aus Flights, Schafts, Barrels und Spitzen setzen sich die Dartpfeile zusammen. Von denen hat Daniel Bioneck einen ganzen Koffer voll – als Adventskalender von seiner Freundin zusammengestellt. Mit drei seiner Freunde beschloss er die heimischen Dartturniere in das Rodeo zu verlegen und für Nachwuchs einer jüngeren Generation im Dart-Club Leverkusen zu sorgen. Wer einmal drei Pfeile in die Hand gedrückt bekommt, dem sind neue Bekanntschaften und der Spaß an einem etwas anderen, doch nicht minder spannenden Sport sicher.

KStA abonnieren