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Internationaler WorkshopZwischenkriegszeit im Rheinland soll besser erforscht werden

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Rund um die Villa Römer wird am kommenden Sonntag, 13. September, das Geschichtsfest gefeiert. 

  1. Ein internationaler Workshop geht der Stadtentwicklung zwischen den Weltkriegen auf die Spur
  2. Wilhelm Fähler stellte in Leverkusen Weichen für moderne Architektur, das Ergebnis war ein internationaler Stil

Leverkusen – Die Europafahne flatterte am Freitag auf dem mit Türmchen verspielten Dach der Villa Römer, dem Haus der Stadtgeschichte. Das war einst Fabrikantenvilla und ist heute für alle Leverkusener da.

Kulturgeschichte mit den Partnerstädten

Die Zeiten ändern sich und das wiederum ist Tenor des Workshops, welchen der Opladener Geschichtsverein (OGV) in Zusammenarbeit mit den Partnerstädten und dem Jülicher Geschichtsverein unter dem Titel „Stadträume – kulturgeschichtliche Annäherungen an die Zwischenkriegszeit im Rheinland und Europa“ an diesem Wochenende durchführt.

Erinnerungsnetzwerk

2023 soll die erste Etappe abgeschlossen sein - genau hundert Jahre nach dem Krisenjahr 1923, das nun verstärkt beleuchtet wird. Aufgrund ausgesetzter Reparationszahlungen besetzten französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet. Die Reichsregierung rief den passiven Widerstand aus. In vielen Regionen, so auch im Rheinland, wurde es unruhig. Im Workshop geht man dem nach.

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Verschiedene Landesministerien, Bürgerstiftung Leverkusen und der Verein Baukultur Nordrhein-Westfalen fördern das Projekt, das nicht zwischen zwei Buchdeckeln auf 500 Seiten in den Regalen enden soll, sondern wie der Kölner Geschichtsprofessor Wolfgang Hasberg erläuterte, idealerweise in einem „Erinnerungsnetzwerk“ münde. Die Teilnehmer der verschiedenen Workshops wollen einen Filmbaukasten erstellen, Ausstellungen organisieren und bürgernah über die Zwischenkriegszeit forschen, in der es nicht nur im Bausektor Impulse gab. Leverkusen ist damals noch gar nicht Stadt gewesen.

Wohnhaus mit 40 Quadratmetern

Und trotzdem wurden zum Beispiel durch den Architekten Wilhelm Fähler Weichen für die moderne Architektur gestellt, die auch soziale Kriterien erfüllte, wie die 1920 gebaute Kleinstsiedlung Heidehöhe. Die Arbeiterhäuschen mit 40 Quadratmetern Wohnfläche waren für ihre Zeit ungemein fortschrittlich, Bezüge hat Fählers Formsprache zur niederländischen Architektur, die damals in ihrer Künstler- und Baumeisterclique „De Stijl“ - die Formgebung – ähnliche Wege einschlug wie hierzulande das Bauhaus.

Bauboom damals und heute

Der europäische, gar internationale Aspekt der Stadtentwicklung soll beleuchtet werden und wie Oberbürgermeister Uwe Richrath feststellen konnte, hat die Zwischenkriegszeit in Sache Bauboom viel Gemeinsamkeiten mit der Gegenwart.

Unwirtlichkeit der Städte

Ziel sollte es seiner Ansicht nach sein, die Unwirtlichkeit der Großmetropolen mit Kultur und sozialen Komponenten etwas entgegen zu setzen. „In den großen Metropolen geht vielen der Bezug zur Stadt verloren“, sagte Richrath, der Schirmherr des Geschichtsprojektes ist. Bauten wie Fählers CD-Gymnasium, heute die Realschule, sind derzeit in der Sanierung. Aber der OB erinnerte auch, dass einige Bauten abgerissen wurden. Wie Gebäude das Bewusstsein der Bevölkerung prägen, soll laut Hasberg auch Thema sein und ehrgeizig ist der Ansatz „Stadtgeschichte von unten“ zu schreiben.

Vorbereitung auf Leverkusens hundertsten Geburtstag

Der OGV und seine Partner haben Erfahrung in Projekten der Erinnerungskultur. Entstanden ist daraus das neue Projekt „Stadtgeschichte mit Zukunft“. Wenn Leverkusen in zehn Jahren hundertsten Geburtstag feiert, sollen die Bürger idealerweise mehr über die Wurzeln erfahren, als derzeit, sagt OGV-Vorsitzender Michael Gutbier.