Jugendzentrum LeverkusenIm Bunker haben schon viele lokale Musikgrößen geprobt

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Karim Reck im T-Raum – der Keimzelle musikalischer Ambitionen im Bunker.

Leverkusen – Eingemauert in dicke Steinwände, versteckt in einem Labyrinth aus Gängen und Türen hinter einer kleinen Bühne ist er: Der T-Raum. Betreten kann man ihn nur hintereinander, es riecht dort etwas muffelig, Tageslicht gibt es nicht, jetzt im Sommer ist es angenehm kühl. „Im Winter sitzt man hier aber mit einer dicken Jacke“, erzählt Karim Reck. „Aber das ist alles egal, solange man hier so richtig Krach machen kann.“

Der T-Raum, das ist die Keimzelle musikalischer Ambitionen im Jugendzentrum Bunker. 1990 wurde das schmale Hinterzimmer in Form eines T (daher der Name) von Besuchern des Jugendzentrums eigenhändig zum Proberaum umgebaut. „Wir haben im oberen Stock auch noch schickere Proberäume, aber hier muss man sich auch ein bisschen hocharbeiten“, sagt Reiner Hilken, der seit 27 Jahren den Bunker leitet. „Aber den Raum kennt zum Beispiel Arthur Horváth gut und auch Pit Hupperten war hier schon drin.“

Jetzt steht ein Schlagzeug und ein Keyboard darin und es gibt Anschlüsse für E-Gitarren, wie Karim Reck sie spielt. Im Alter von neun Jahren kam der heute 18-Jährige zum ersten Mal in das Jugendzentrum und war direkt begeistert von den Älteren, die dort unter der Anleitung von Hilken Gitarre spielen übten. „Ich wollte das auch unbedingt lernen und habe mir schon nach einem halben Jahr eine Gitarre gekauft, so ein Billigteil aus dem Musikstore.“

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Zuwanderer bringen ganz neue Rhythmen

Heute gehört Karim selbst zu den Älteren, unterrichtet Gitarrengriffe oder begleitet Mädchengruppen beim wöchentlichen Songcontest „Voice of Lev“ am Donnerstag. „Das ist für viele eine ernste Angelegenheit, da bereiten sie sich die ganze Woche drauf vor“, sagt Hilken schmunzelnd.

Das Jugendzentrum Bunker

Der Bunker in der Dr.-August-Blank-Straße 6 in Wiesdorf bietet viel Platz zum Spielen für Kinder ab sechs Jahren. Im offenen Bereich im Bunker gibt es Billard, Kicker und Tischtennis, verschiedene Gesellschaftsspiele und eine Playstation. Draußen wird Fußball, Hockey, Softball und Basketball gespielt. Im Musikbereich gibt es Unterricht für Schlagzeug, Gitarre und Keyboard/Klavier sowie Jamsessions und Konzerte.

Geöffnet ist der Bunker Montags bis Donnerstags von 14:30 bis 21 Uhr, Freitags auch länger. Sonntags gibt es Fußball-, Kinder- und Musikgruppen. In den Ferien verschiedene Aktionstage. Das ganze Programm im Internet.

www.bunker-lev.de

Karim macht im nächsten Jahr Abitur, natürlich könne er heute nicht mehr so viel Zeit wie früher im Jugendzentrum verbringen, aber ganz darauf verzichten möchte er nicht: „Es macht einfach Spaß, mit anderen einen guten Sound zu machen, Musik verbindet.“ Zuletzt kamen auch häufiger Zuwanderer zu den Musiksessions. „Die bringen oft noch mal ganz neue Rhythmen mit, das ist toll“, sagt Hilken. Und nicht nur das: In der Küche wird nun häufiger mal afrikanisch gekocht, über dem Klavier hängt ein Zettel, der albanische Worte lehrt.

Michael Görgens ist weniger für Musik, dafür mehr für den Sport zu haben. Der 16-Jährige kommt jeden Tag in den Bunker. „Sonntags stehen wir schon um neun Uhr vor der Tür“, berichtet er. Da erlaubt Hilken nämlich eine Stunde Playstation spielen, bevor das eigentliche Programm los geht. Ansonsten muss die Freizeit hier analog gestaltet werden: Die dicken Wände des Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieg lassen kein Handysignal durch, WLAN gibt es nicht.

Basketballkorb von den Bayer Giants

Von den Bayer Giants hat das Jugendzentrum einen ausrangierten Basketballkorb bekommen, der steht jetzt im leicht verwilderten Garten auf der Rückseite des Bunkers. Michi, wie ihn hier alle nennen, wirft gerne Körbe, doch dabei soll es nicht bleiben: Er möchte einen Bayer-Giants-Fanclub gründen, extra für Kinder und Jugendliche. Die Zweitliga-Basketballer haben schon ihre Unterstützung zugesagt und so hofft Michi, einige Spiele in der Ostermann-Arena sehen zu können – natürlich mit selbstgestalteten Bannern des Fanclubs.

Ein paar Tage muss das Projekt noch warten, denn erst einmal fährt Michi nach Spanien. Den Urlaub hat das Jugendzentrum organisiert, es sind seine ersten Ferien im Ausland, als eines von acht Geschwistern hatte er bislang nicht die Möglichkeit dazu. „Das wird so geil“, sagt der 16-Jährige und strahlt über das ganze Gesicht. Dann muss er zurück vor den Eingang, hier spielen gerade jüngere Kinder Minigolf und Michi hat versprochen, ihre Zählkarte auszufüllen. Der Jüngste hier ist Süleyman. „Der hat sich reingeschmuggelt“, erzählt Hilken, der jeden der Besucher mit Namen kennt. Der Bunker steht allen ab sechs Jahren offen. Als Süleymann das erste Mal kam, hat er behauptet, er sei schon sechs – einige Monate später berichtete er stolz, dass er Geburtstag hat: den sechsten.

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