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Zwischen Farbe, Form und GefühlAusstellung in der Leverkusener Christuskirche eröffnet

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„Die Unschärfe zwischen den Realitäten“ ist der Titel der Aussttelung.

„Die Unschärfe zwischen den Realitäten“ ist der Titel der Ausstellung.

Die Ausstellung ist noch bis 22. März 2026 in der Christuskirche Wiesdorf zu sehen.

Schon beim Betreten der Christuskirche in Wiesdorf richtete sich der Blick nicht wie sonst auf den Altar, sondern auf Skulpturen, Gemälde und Drucke, die den Raum sichtbar veränderten. Mit der Ausstellung „Die Unschärfe zwischen den Realitäten“ ist die Kirche am Sonntagvormittag zu einem Ort zeitgenössischer Kunst geworden.

Die Ausstellung, die im Rahmen eines Gottesdienstes eröffnet wurde, vereint Werke von Aileen-Christin Mack, Ruben Tönnis, Peter C. Lange, Moritz Adam Schmitt und Jan Grebe. Sie alle näherten sich auf sehr unterschiedliche Weise der Frage, wie Realität wahrgenommen, interpretiert und künstlerisch verarbeitet wird. Inhaltlich nimmt die Schau Bezug auf die Unschärferelation des Physikers Werner Heisenberg, der bereits 1958 formulierte: „In der modernen Physik haben wir gelernt, dass wir die Natur nicht beobachten können, ohne sie zu beeinflussen.“

Diese Idee übertrugen die Künstlerinnen und Künstler auf ihr eigenes Schaffen. Die Beobachtung der Welt sei nie neutral, sondern stets gefärbt durch Erfahrungen, Emotionen und Perspektiven, hieß es im begleitenden Ausstellungstext. Entstanden seien keine objektiven Abbilder, sondern bewusste Verzerrungen – verschwommene Spiegelbilder, die nach außen und zugleich nach innen blickten.

Fünf Positionen, fünf Blickwinkel

Aileen-Christin Macks Arbeiten prägen den Raum durch ihre skulpturale Präsenz. Ihre Werke, vorwiegend aus Holzresten gefertigt, setzten sich mit Raum, Materialität und Komposition auseinander. Sie erforsche die Spannung zwischen Struktur und Freiheit, zwischen dem Organischen und dem Konstruierten.

Ruben Tönnis zeigt Malerei und Zeichnungen, häufig kombiniert mit Texten. Wiederkehrende Motive wie Sphären, Linien oder florale Elemente tauchen in unterschiedlichen Techniken auf. Während seine Zeichnungen flüchtige Momente festhalten, wirken die Gemälde zugleich kraftvoll und sensibel.

Experiment und Kontrast

Peter C. Langes Arbeiten fallen durch seine Materialvielfalt auf. Linol- und Holzschnitte, Collagen, Zeichnungen und Texte stehen gleichberechtigt nebeneinander. Der Kölner Künstler erklärte, Kunst sei für ihn „ein Fenster in mein Inneres, ein Spiegel meiner Seele“. Er hält Gefühle fest und tritt in einen Dialog mit den Betrachtenden.

Peter C. habe bewusst nie bei einer Technik verharrt. „Neue Techniken kennen lernen, damit experimentieren, Medien miteinander verschmelzen – genau das begeistert mich immer wieder aufs Neue.“ Besonders im Groben von Linol- und Holzschnitt fühle er sich zu Hause, dort möge er das Spiel mit starken Kontrasten und Flächen.

Bunt mit ernster Botschaft

Einen starken farblichen Kontrast setzen die Arbeiten von Moritz Adam Schmitt. Seine Gemälde wirken auf den ersten Blick verspielt und fröhlich, erzählen bei genauerem Hinsehen jedoch von persönlichen Erfahrungen, Ängsten und gesellschaftlichen Themen. Schmitt berichtet, er habe 2023 bewusst den Bildschirm gegen Pinsel und Leinwand getauscht. Was als Ausgleich zum digitalen Arbeitsalltag begonnen habe, sei schnell zum Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens geworden.

Die bunte Bildsprache solle neugierig machen, erklärte Schmitt, zugleich aber auch zur Auseinandersetzung anregen. Ziel seiner Kunst sei es, Themen wie Umwelt, Klima oder soziale Ungerechtigkeit sichtbar zu machen – mal mahnend, mal bestärkend.

Auch die Besucherinnen und Besucher nahmen die Ausstellung sehr unterschiedlich wahr. Sabine Böttgen sagte, „es ist was Neues, Kunst zu präsentieren. Die Kirche passt wirklich für diese Gemälde“. Außerdem findet sie, dass die Verbindung aus sakralem Raum und moderner Kunst sie überrascht hat, da die Werke hier besonders intensiver wirken.

Die Ausstellung ist noch bis 22. März 2026 in der Christuskirche Wiesdorf zu sehen. Geöffnet ist sie mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 11 bis 15 Uhr.