Sightseeing organisiertUkrainische Kinder auf Entdeckungstour in Leverkusen

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Und auch ein Besuch im Wildpark durfte nicht fehlen.

Leverkusen – Es ist nun ihre neue Heimat, vielleicht vorübergehend, möglicherweise für immer: Am Wochenende haben ukrainische Kinder und Erwachsene an zwei Stadttouren durch Leverkusen teilgenommen – organisiert wurde alles ehrenamtlich.

Es ist kurz vor 16 Uhr an der städtischen Musikschule in der Friedrich-Ebert-Straße in Wiesdorf. Die unterschiedlichsten Leute sind dort zusammenkommen. Ellen Lorentz, Vorsitzende des Vereins Gästeführerinnen und Gästeführer Leverkusen und Bergisches Land hat alles im Griff. Sie und ihre Mitstreiterinnen wollten nach Ausbruch des Krieges helfen. Geld war schnell gesammelt, die Stadtführerinnen verzichteten auf ihre Bezahlung. Aber was tun? Sie entschieden sich für die Stadtführung mit App, programmiert in deutsch und ukrainisch von Roland Hartmann in Rekordzeit.

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Nächster Halt: Musikschule

Vielleicht ist es die Uhrzeit, vielleicht das Wetter: Nur fünf Kinder und vier Mütter nehmen schließlich am Rundgang teil. Auch zwei Dolmetscher sind dabei, Vater und Sohn, ebenfalls aus der Ukraine. Sie kamen bereits 2013 an. Anton Getmanchuk ist inzwischen fast 19 Jahre alt und studiert. Er dolmetscht am Freitag für die russisch sprechenden Gästen. Sein Vater Oleg Getmanchuk übernimmt die ukrainische Übersetzung.

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Highlight der Samstagstour: Das Stadion!

In Wiesdorf wird den Geflüchteten gezeigt, wo sie Anschluss finden können und was Leverkusen für sie bereithält. Mit einem herzlichen „Pryvit“ begrüßt Musikschulleiter Jürgen Ohrem die ukrainischen Gäste. Die Schule hat einen Fonds eingerichtet, vorerst ist der Musikunterricht für die Geflüchteten gratis, Instrumente können ausgeliehen werden.

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Zur nächsten Station, der evangelischen Kirche, ist es nicht weit, Pfarrer Detlev Prößdorf wartet bereits. Das Café Welt hält Angebote wie Sprachkurse für Menschen bereit. Doch nicht nur die Musikschule und die Kirche beteiligen sich, um das zukünftige Leben der Ukrainerinnen und Ukrainer zu stemmen. Auch die Wupsi hat etwas im Angebot: Die Geflüchteten fahren gratis, was sie sofort mobil macht.

Die erste Station, die auch das Interesse der Kinder zu wecken vermag, ist die Rathaus-Galerie mit ihren Geschäften und der Bibliothek. Hier stehen unzählige Bücher in verschiedenen Sprachen zu Verfügung, aber auch gratis WLAN. Im Neulandpark am großen Spielplatz endet die Tour.

Rundfahrt durch die Stadt

Wieder steht eine Gruppe in Leverkusen und wartet, diesmal am Samstag am Busbahnhof. Es sind im Ganzen 60 Teilnehmende. Der Verein „Wir für Leverkusen – ein starkes Stück Rheinland“ mit dem Vorsitzenden Udo Reudenbach hat eingeladen. Auch hier das Ziel: Den neuen Mitbürgerinnen und Mitbürgern die Stadt nähezubringen. Ursprünglich hatten sich bei 80 Plätzen knapp 150 Menschen angemeldet. Etwa zehn Tage benötigten die Organisatoren, um die Aktion auf die Beine zu stellen, nachdem der Lions-Club an sie herangetreten war. In Rekordzeit wurden die BayArena, der Wildpark Reuschenberg und die Wupsi für den Plan gewonnen. Eine Krankheitswelle bei allen Beteiligten hätte die Aktion dann beinahe zum Kippen gebracht. Aber schließlich startete man mit reduzierter Teilnehmerzahl und reduziertem Personal.

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Die neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger wollen die Stadt kennenlernen. Das Interesse vor allem am Samstag war groß.

Aufgeteilt auf zwei Busse, die je von zwei Dolmetschern begleitet werden, rollen sie vom Hof, durch die Straßen Leverkusens. Zwei der Teilnehmerinnen waren bereits am Freitag dabei, Mutter und Tochter, seit zwei Wochen in Leverkusen. So langsam wird die Stadt vertrauter. Es gefällt ihnen. Sie haben Spaß. In Bus Nummer Eins dolmetscht das ukrainische Ehepaar Andriy Zhurba und Svitlana Melnychuk, die bereits seit langer Zeit in Leverkusen leben und die Stadt sehr gut kennen.

Der erste große Halt ist die BayArena. Die Faszination des Stadions zieht alle in ihren Bann. Kinder wie Erwachsene beobachten, fotografieren, laufen aufgeregt hin und her. Die Kinder tauen auf und auch die Eltern zeigen eine rege Begeisterung.

Beeindruckt von den Ausblicken im Stadion

Der Ausblick von den Tribünen beeindruckt die Teilnehmenden und der Rasen, der von so vielen Füßen beansprucht wird, erfährt die tiefe Ehrfurcht der Kinder. Sie streicheln ihn mit aller Vorsicht, als der Guide sie dazu einlädt. Mit Begeisterung stürmen die jungen Besucher den Trainersitz. Einmal dort sitzen, wo die Großen agieren – Fußball verbindet schließlich über Sprach- und Nationengrenzen hinweg.

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Gleich zwei Führungen gab es am Freitag und Samstag durch Leverkusen.

Im Tierpark Reuschenberg warten bereits Lunchpakete auf die Kinder. Neben dem eigenen Essen finden die Kinder auch eine Schachtel Tierfutter, sehr zur Freude der Schafe und Ziegen im Park. Zwei Tage voller privatem Engagement mit dem gleichen Ziel, Menschen in Not ein wenig glücklich zu machen.

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