Die Stadt hat das Lehrerkollegium und Eltern über den Fund von Schwermetallen in einem nicht mehr genutzten Kunstraum informiert.
Am StadtparkGesundheitsschädliche Stoffe in Leverkusener Realschule gefunden

An der Realschule am Stadtpark finden aktuell Bauarbeiten statt. Ob die gefundenen Verunreinigungen damit in Verbindung stehen, ist unklar.
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In zwei Räumen der Realschule am Stadtpark ist eine auffällig hohe Konzentration von Halb- und Schwermetallen nachgewiesen worden. Bislang ist nicht klar, ob dadurch eine Gesundheitsgefährdung für Lehrpersonal oder Schülerinnen und Schüler entstanden sein könnte. Schon bevor weitere Testergebnisse vorliegen, wolle die Stadt mit größtmöglicher Transparenz vorgehen und hat daher am Montag das Kollegium sowie Eltern informiert und am Dienstag zu einem Pressegespräch geladen.
Was ist passiert?
Im November hat die Schulleitung einen Kunstraum mit angeschlossenem Nebenraum gesperrt. Der Grund dafür wird bei dem Pressetermin erst auf Nachfrage und auch nicht von den Stadtverantwortlichen selbst genannt, die an den stellvertretenden Schulleiter verweisen. „Eine Lehrkraft kam mit Ergebnissen vom Arzt auf uns zu und äußerte den Verdacht, dass die Ergebnisse mit dem Raum in Verbindung stehen könnten“, sagt Andreas Roske. Daraufhin habe die Schulleitung beschlossen, den Raum nicht mehr zu nutzen und das auch an die Stadt gemeldet. Vier Monate lang blieb der Raum verschlossen, bis hohe Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr ihn wieder auf den Plan riefen: Er wird zur Einrichtung einer weiteren Klasse gebraucht. Daraufhin beauftragte die Stadt im Frühjahr eine Fachfirma damit, Staubproben in dem Raum zu entnehmen.
Was sind die Ergebnisse?
Im untersuchten Staub wurden die Metalle Antimon, Blei, Kupfer, Zink, Arsen und Zinn nachgewiesen. „Diese Metalle kommen natürlich vor und heften sich an Staub an“, erklärt Mirja Stevens, Leiterin des medizinischen Dienstes der Stadt. „Aber hier ist die nachgewiesene Konzentration zu hoch.“ Unklar ist die Ursache. In einem angrenzenden, verschlossenen Raum befindet sich ein Keramikbrennofen, der allerdings seit rund 15 Jahren außer Betrieb ist. Zur Glasur von Keramiken wurden früher schwermetallhaltige Pulver verwendet, daher wird hier ein Zusammenhang vermutet. Allerdings wurde der jetzt betroffene Raum vor fünf bis sechs Jahren komplett saniert, sagt Gregor Steiniger, Leiter Gebäudewirtschaft. Also lange nachdem der Brennofen außer Betrieb genommen wurde. Eine Theorie ist, dass es durch Bauarbeiten in der Nähe zu Erschütterungen gekommen sei, durch die Schwermetallpartikel aus dem alten Ofen in den abgeschlossenen Raum gekommen sein könnten und sich dort über die Monate der Schließung, in denen der Raum auch nicht geputzt wurde, angesammelt haben.

Gesundheitsdezernent Alexander Lünenbach (3. v. l.) diskutiert mit Verantwortlichen von Stadt und Schule die Untersuchungsergebnisse.
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Wie hoch ist die Gesundheitsgefährdung?
„Wir gehen davon aus, dass wir keine Gesundheitsgefahr finden“, sagt Ärztin Stevens. Aus den aktuell vorliegenden Messwerten könne diese nicht abgeleitet werden. Einer chronischen Belastung mit den gefundenen Stoffen sei durch die Umwelt jede und jeder ausgesetzt. Dennoch sind Antimon und Arsen bei höherer oder chronischer Exposition als krebserregend eingestuft, Blei kann sich bei hoher Konzentration im Körper auf die Nierenfunktion oder das Blutbild auswirken, Zink und Kupfer zu Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen führen.
Wie geht es weiter?
Die Stadt hat einer Stichprobe von Schülerinnen und Schülern eine medizinische Untersuchung angeboten. Das sei freiwillig und rein vorsorglich, versichert Gesundheitsdezernent Alexander Lünenbach. „Es geht natürlich zum einen darum, möglicherweise besorgte Eltern und Kinder zu beruhigen, andererseits erhoffen wir uns auch, durch die Ergebnisse vielleicht in der Ursachenforschung weiterzukommen“, sagt Stevens. Sollten erhöhte Werte festgestellt werden, könnten auch medizinische Maßnahmen erfolgen, davon geht Stevens aber nicht aus.
In dem betroffenen Raum werden in der kommenden Woche weitere Proben entnommen und ausgewertet. Wenn die Quelle für die Verunreinigung gefunden ist, soll diese beseitigt und der Raum erneut gereinigt werden. Zur Nutzung freigegeben werde er natürlich erst, wenn sämtliche Messungen unbedenklich seien, versichert Lünenbach. Außerdem soll an weiteren Schulen, an denen solche Öfen einmal waren oder noch sind, Proben genommen werden. Gearbeitet werde mit den Öfen generell nicht mehr, seit Ende der 2010er-Jahre eine entsprechende Information vom Land gekommen sei, sagt Steiniger.
Wie haben die Betroffenen reagiert?
Sowohl das Lehrerkollegium als auch die eingeladenen Eltern hätten besonnen und ruhig reagiert, berichten die Verantwortlichen. Bislang sei auch die Nachfrage nach den angebotenen Untersuchungen sehr gering, sagt Stevens. Die Stadt werde weitere Ergebnisse veröffentlichen, sobald diese vorliegen.
Die Realschule am Stadtpark ist seit Jahren eines der aufwendigsten Schulbauprojekte Leverkusens. Der Gebäudekomplex in Wiesdorf ist stark sanierungsbedürftig, teilweise wurde Asbest im Putz nachgewiesen, die Klassenräume sind zu klein für modernen Unterricht. 2020 fasste der Rat den Grundsatzbeschluss: Sanierung und Erweiterung von fünf auf sechs Züge, in vier Bauabschnitten. Für den ersten Abschnitt – Sporthalle und naturwissenschaftlicher Trakt – entschied man sich gegen eine Sanierung und für Abriss mit Neubau. Im Herbst 2024 begannen die Arbeiten, der Neubau sei aktuell im Zeitplan und soll bis Sommer 2027 fertig sein. Die Bauabschnitte II bis IV sind geplant und weit oben in der Prioritätenliste der Stadt. Einen Zeitplan dafür kann Steiniger aber nicht nennen: „Dafür wäre ein Haushalt hilfreich“, sagt er. (nip)