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DiskussionsreiheMehr Leverkusener Kitas gibt es nur mit weniger Gedöns

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Claudia Wiese, Melanie Went, Monika Ballin-Meyer-Ahrens und Stefan Hebbel stehen an Stehtischen im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich.

Diskussionsreihe im Schloss Morsbroich: Claudia Wiese (v.l.), Melanie Went, Monika Ballin-Meyer-Ahrens und Stefan Hebbel

Seit sieben Jahren findet die Diskussionsreihe „Frauen gestalten ihre Stadt“ statt. Im Schloss Morsbroich ging es nun um fehlende Kita-Plätze und bezahlbaren Wohnraum.

Woran liegt es, dass Leverkusen nicht vorankommt mit den Kitaplätzen? Monika Ballin-Meyer-Ahrens hat eine klare Antwort: „Wir lassen uns zu oft einschüchtern von diesem rechtlichen Rahmenbedingungs-Gedöns.“ 100 Bewerberinnen und Bewerber gab es für die gegenüber der traditionellen, schulischen Ausbildung finanziell attraktivere praxisintegrierte Ausbildung zum Erzieher – nur 14 Plätze stehen zur Verfügung, mehr finanziert das Bundesprogramm nicht.

86 Erzieher-Bewerber abgelehnt

„Dann hätten wir sie halt selbst bezahlen müssen. Wenn wir so viele unbesetzte Stellen haben und Personal einstellen wollen, würden wir die ja auch bezahlen“, sagt die FDP-Politikerin. Andere Kommunen würden das auch machen, rechtliches Rahmenbedingungs-Gedöns hin oder her. Hier wurden 86 Menschen, die den dringend in der Stadt benötigten Beruf erlernen wollten, abgewiesen.

Und dann kennt Ballin-Meyer-Ahrens noch einen privaten Investor, der in Leverkusen ein Gebäude kaufen und zur Kita umbauen wollte. „Das macht er mittlerweile in Köln, weil er hier wochenlang keine Rückmeldung bekommen hat.“

Auf Betreuung angewiesen

Fehlende Kita-Plätze sind eines der zentralen Themen der Diskussionsreihe „Frauen gestalten ihre Stadt“, die seit sieben Jahren in loser Reihenfolge stattfindet. Ein klassisches Frauenthema, sagt Melanie Went (SPD): „Als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern muss ich mich darauf verlassen können, dass die Betreuung funktioniert.“ Im Spiegelsaal diskutierten sie gemeinsam mit Claudia Wiese (Grüne) und Stefan Hebbel (CDU) und rund 40 Interessierten im Publikum darüber, was es braucht, um eine Stadt lebenswert zu machen.

Sie können sich nicht vorstellen, welche unverschämten Fragen man sich von Vermietern gefallen lassen muss
Melanie Went

Dazu zählt für Went auch bezahlbarer Wohnraum: „Und sie können sich nicht vorstellen, welche unverschämten Fragen man sich von Vermietern gefallen lassen muss.“ Weil es zu wenig Wohnraum gibt und Vermieter es sich leisten können, unverschämte Fragen zu stellen. Im nächsten Jahr fallen 1600 Wohnungen in der Stadt aus der Sozialbindung, was Mieterhöhungen ermöglicht, sagt Moderatorin Luisa Skrabic. Und nun? Grüne Flächen zupflastern will kaum noch jemand, auf vorhandene Flächen aufbauen finden die Nachbarn doof. Flexibler werden, fordert Claudia Wiese. Weg vom klassischen Modell: Ich gründe eine Familie, baue ein Haus und wohne da ein Leben lang.

Mehr Flexibilität gewünscht

Ideen gibt es in der Runde für beide Problemfelder viele: Generationswohnen, flexibler Wohnraum, der sich an den Bedarf anpassen lässt, Wohnungstausch, überbauter Supermarkt, umgewidmete Ladenlokale und Garagenhöfe. Und für die Kitas mehr Offenheit für Investoren und neue Konzepte wie Waldkindergärten. Was braucht man dafür? „Eine gewisse Diskussionshärte“, sagt Stefan Hebbel. Also: Dinge auch mal gegen Widerstände durchsetzen. Und weniger Gedöns.

„Und würden wir endlich den Tunnel kriegen, dann hätten wir so viele Quadratmeter freie Fläche!“, sagt ein Mann aus dem Publikum. Auf diese Diskussion will die Runde sich dann aber nicht mehr einlassen.