Bei den Linken gibt es Zweifel am neuen Königsberger Platz.
Rheindorf-NordRiesiges Wohnprojekt in Leverkusen wirft Fragen auf

Die Vogelperspektive auf das Gebiet am Königsberger Platz, wie er in fünf bis sieben Jahren aussehen soll.
Copyright: WGL
Genau ein Dutzend Fragen hat Gregor Nick, der für die Linke in der Bezirksvertretung I sitzt, zum Großprojekt der Wohnungsgesellschaft Leverkusen am Königsberger Platz in Rheindorf. Längst nicht alle werden erschöpfend beantwortet, nicht von der Stadtverwaltung, nicht von der WGL. Zum Teil geht das nicht, weil gerade erst ein Bebauungsplan aufgestellt wird für den Neubau von 320 Wohnungen in der Mitte von Rheindorf-Nord.
Aus Sicht des Linken werden mehr Wohnungen die Verkehrsprobleme in dem Sprengel deutlich verschärfen. Bereits jetzt gebe es Probleme an der Kreuzung der Solinger mit der Elbestraße: Im Berufsverkehr stauten sich die Autos an der Ampel. Nick geht davon aus, dass mehr Wohnungen sowie ein geplantes Parkhaus die Situation weiter verschärfen. Auch die vorliegenden Aussagen von Spezialisten beruhigen ihn nicht, sondern er bleibt misstrauisch: „Welche Möglichkeiten bestehen, das Verkehrsgutachten durch eine unabhängige und neutrale Fachstelle erneut überprüfen zu lassen?“
Die Aussagen der Verkehrsexperten würden im Rathaus und von weiteren Fachbehörden geprüft, heißt es von der Stadtverwaltung. Beim Bauherrn WGL gibt man sich indes von der Qualität des Gutachtens überzeugt. Schließlich beruhe es „auf tatsächlichen Verkehrszählungen und Berechnungen nach den anerkannten Regeln und Methoden“.
Entspannt das Projekt den Wohnungsmarkt?
Dass das Projekt überhaupt den Markt für günstige Wohnungen in der Stadt entlastet, bezweifelt Nick. 140 Wohnungen würden abgebrochen, 320 neu gebaut. Von diesen 320 soll die Hälfte für Haushalte mit Wohnberechtigungsschein (WBS) bereitstehen. Drei Viertel für besonders bedürftige Mieter mit Anrecht auf den WBS A, ein Viertel für Mieter mit WBS B. Das wären 120 für finanzschwache Mieter. Aus Sicht des Linken „entsteht faktisch kein relevanter Zuwachs an bezahlbarem Wohnraum, sondern lediglich ein Austausch des Bestandes“.
Bei der WGL sieht man das anders: Die 40 neuen Wohnungen für Mieter mit dem Schein B müssten in die Kalkulation einfließen. Zu den Mieten heißt es auf Basis der heutigen Kosten: 7,25 Euro kalt beim Wohnberechtigungsschein A und 8,40 Euro beim Schein B. Was die 160 freifinanzierten Wohnungen kosten werden, werde später kalkuliert. Aber: „Sie werden im oberen Spektrum des aktuellen Mietpreises in Leverkusen liegen.“

Im Februar gab es in der Kirche zum Heiligen Kreuz Beifall, aber auch scharfe Kritik an den Bauplänen für den Königsberger Platz.
Copyright: Thomas Käding
Wie sich das Großprojekt am Königsberger Platz auf den Mietspiegel in Leverkusen auswirken wird, muss sich dann noch zeigen. Nick befürchtet, dass sich das Niveau weiter nach oben bewegt – mit erheblichen Konsequenzen für alle Mieter in der Stadt.
Mehr Kulanz für die Mieter
Ein weiterer Punkt betrifft die Mieter der Sternhäuser. Die Gebäude sollen abgebrochen werden, was mindestens einige der Bewohner enorm stresst, wie sich bei der jüngsten Vorstellung des Projekts im Februar zeigte. Gregor Nick kann sich vorstellen, dass man etwas Druck aus der Sache nimmt, indem man einerseits die Umzugsmodalitäten großzügiger handhabt und andererseits Garantien ausspricht, dass ihre Miete nicht übermäßig steigt und sie auch in ihr vertrautes Umfeld zurückkehren können. Der Politiker fragt, ob die Betroffenen das erste WGL-Angebot auf eine Ersatzwohnung annehmen müssen und ob es möglich ist, bei der Übernahme der Umzugskosten kulanter zu sein.
Auf all diese Fragen gibt es keine Antworten von der städtischen Wohnungsgesellschaft: Solche Fragen beträfen „das interne Rechtsverhältnis zwischen der WGL und den Mietparteien“ – dazu gebe es keine Auskünfte.
Ein großes Thema für den Politiker sind auch die Baumfällungen. 146 Bäume stehen den neuen Gebäuden im Weg. „Viele davon sind von erheblicher Größe und in dieser Form kaum zu ersetzen“, so Nicks Einschätzung. Im jetzigen Konzept sehe er nur 58 Ersatzpflanzungen. Er fragt, ob das „in Qualität und Quantität im Einklang mit dem Klimaschutz und entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen“ steht. Aus dem Rathaus heißt es dazu, dass zum weiteren Planverfahren auch eine Umweltprüfung gehört. Planer und Behörden würden sich darüber austauschen. Die WGL spricht in diesem Zusammenhang von „engen Abstimmungen“.
