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Reduzierte ÖffnungszeitenWieso den Schwimmbädern in Leverkusen das Personal ausgeht

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Das leere Freibad des „Calevornia“.

Das Freibad im „Calevornia“ ist nur noch halbtags geöffnet.

Die Bäder in Leverkusen und Leichlingen mussten ihren Betrieb einschränken.

Dieter Scholz wird ganz deutlich: „Es muss nur einer krank werden und schon hat man Probleme.“ Scholz ist stellvertretender Betriebsleiter beim Sportpark Leverkusen und Abteilungsleiter Bäderbetriebe. Vergangene Woche musste der Sportpark, der in Leverkusen das „Calevornia“ und das Freibad Wiembachtal betreibt, mitteilen, dass das Freibad am „Calevornia“ voraussichtlich bis zum Ende der Sommerferien nur noch halbtags geöffnet hat. Der Grund: zu wenig Personal. Ähnlich sieht es im Leichlinger Blütenbad aus.

Wenn man Scholz und Nelly Schreiner, Betriebsleiterin des Sportparks, fragt, wieso den Bädern das Personal ausgeht, gibt es zwei Erklärungsansätze. Zum einen ist das der allgegenwärtige Fachkräftemangel. Besonders in Corona ist ganz vielen Branchen der Nachwuchs abhandengekommen, obwohl sich niemand so richtig erklären kann, wohin. Sicher ist: Es gibt immer weniger Fachkräfte, die Bevölkerung wird älter, die Babyboomer-Jahrgänge gehen in Rente – der demografische Wandel. 

Leverkusen: Früher kamen Sportstudenten

Der zweite Erklärungsansatz betrifft die Anforderungen an das Personal in einem Bäderbetrieb. „Früher hatten wir häufig Studenten als Aushilfskräfte, von der Sporthochschule, die hier in den Semesterferien gearbeitet haben“, sagt Nelly Schreiner. Doch auch das habe seit Corona stark nachgelassen.

Dazu kann nicht jeder in einem Schwimmbad arbeiten. Da gibt es zum Beispiel die Rettungsschwimmer, die meist sogenannte Abrufkräfte sind und vier Schichten im Monat arbeiten. Früher waren das eben häufig Studenten. Um Rettungsschwimmer zu sein, muss man das DLRG-Abzeichen in Silber haben, das nicht älter als zwei Jahre sein darf. Außerdem müssen Rettungsschwimmer Erste Hilfe leisten können, der entsprechende Nachweis darf ebenfalls nicht älter als zwei Jahre sein.

Personalprobleme gibt es im Moment ja überall im Dienstleistungsgewerbe
Dieter Scholz, Sportpark Leverkusen

Die Sommersaison, wenn die Freibäder offen sind, sei die „Spitze eines Bäderbetriebs“ im Jahresverlauf, sagt Dieter Scholz. Ein Saisongeschäft. Das Problem des fehlenden Personals beziehe sich allerdings auf den Bäderbetrieb im Allgemeinen, das ganze Jahr über. „Und Personalprobleme gibt es im Moment ja überall im Dienstleistungsgewerbe“, sagt Scholz.

Pro Schicht muss immer ein Fachangestellter für Bäder anwesend sein, egal, ob gleichzeitig ein oder zehn Rettungsschwimmer anwesend seien, so Scholz. Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäder, wenn man Meister für Bäderbetriebe werden will, kommen noch ein paar Semester Studium darauf. „Ich kann ohne Fachangestellten kein Bad betreiben“, sagt Scholz.

Zwei neue Azubis in Leverkusen

Zum 1. August fangen im Sportpark zwei neue Azubis an, „darüber sind wir wirklich froh“, sagt Nelly Schreiner. Der Sportpark zahlt nach Tarif und hofft, dass die angelernten Kräfte nach der Ausbildung als Teil- oder Vollzeitkraft einsteigen. Drei Festangestellte seien durch eigene Ausbildung in den vergangenen Jahren dazugekommen. Leider sei es zuletzt aber auch vorgekommen, dass ausgelernte Fachangestellte eher als Abrufkraft arbeiten wollten.

Mit den Angestellten des Sportparks plant Dieter Scholz dann den Bäderbetrieb. 70 Menschen sind derzeit angestellt, dazu gehören aber auch Kräfte für die Kasse oder den Service. Auch da habe man Schwierigkeiten, Personal zu finden. Vor Corona habe man dazu etwa 40 Abrufkräfte gehabt, so Nelly Schreiner. „Jetzt sind es noch 19.“ Der Sportpark behilft sich mit einem externen Anbieter für Aufsichten und Rettungsschwimmerdienste.

„Wir werben auf allen Portalen“, sagt Nelly Schreiner. Man sei auf Jobspeedatings unterwegs, gehe auf Schulen, auf die Sporthochschule zu, die Lage sei aber gerade nicht einfach.