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Leverkusener DigitalwerkstattHier lernen Kinder, mit Farbstiften zu programmieren

3 min
Vater und Tochter lassen den Ozobot fahren

Johanna und ihr Vater Matthias beim Familien-Workshop der Digitalwerkstatt Leverkusen bei Covestro

Im Mai 2022 war die Leverkusener Digitalwerkstatt gestartet, jetzt geht das Programm zu Ende.

Johanna schlägt die Hände vor das Gesicht. Der Ozobot folgt ihrer gerade gezeichneten Linie nicht und dreht einfach wieder um. Der Grund: Ein kleiner Strich ging etwas aus dem Hauptweg hinaus, das hat den kleinen Roboter auf Rädern verwirrt. Hier muss nachgearbeitet werden. Während die Sechsjährige das macht, ruft ihr Vater Matthias begeistert: „Schau mal, jetzt hat er die Rakete gemacht.“ Die Rakete, das ist die Farbkombination blau-grün-rot. Fährt Ozobot über ein so bemaltes Feld, gibt er Vollgas.  

Sieben Grundschulkinder in Begleitung von jeweils einem Erwachsenen haben sich am Donnerstagmorgen im „idea.lab“ des Werkstoffherstellers Covestro zum vorerst letzten Familien-Workshop getroffen. Grundschulkinder können hier erste Erfahrungen mit dem Programmieren machen, können experimentieren und spielerisch lernen.   

Familien-Workshop der Digitalwerkstatt Leverkusen bei Covestro

Familien-Workshop der Digitalwerkstatt Leverkusen bei Covestro

Die Familien-Workshops sind eine von drei Säulen der vor knapp einem Jahr gestarteten Leverkusener Digitalwerkstatt – einem vom kommunalen Bildungsbüro betreuten und über eine Spende von Covestro finanzierten Projekt. Neben den Workshops gab es Angebote für Schulklassen im Medienstudio, hier wurden beispielsweise Stop-Motion-Filme produziert oder kleine Animationen programmiert. In einer dritten Säule wurden Lehrkräfte im Unterrichten mit Tablets fortgebildet. Insgesamt profitierten mehr als 1000 Kinder aus 43 Klassen und 50 Lehrkräfte von 13 Leverkusener Grundschulen von dem Programm, resümiert Carolin Maus, Leiterin des Fachbereichs Schulen zufrieden. 

Die Klassen, die uns besucht haben, kamen zu einem großen Teil aus Schulen mit einem hohen Schulsozialindex
Carolin Maus, Leiterin Fachbereich Schule

„Wir wollten mit der Digitalwerkstatt etwas Nachhaltiges entwickeln, das nicht auf eine bestimmte Schule zugeschnitten ist, sondern für die gesamte Bildungslandschaft offen steht“, sagt Maus. Das Stichwort: Bildungsgerechtigkeit. Denn in den Familien-Workshops sitzen natürlich vor allem Kinder aus bildungsnahen Haushalten, deren Eltern die Zeit, Möglichkeit und Motivation haben, sie dort anzumelden. „Die Schulklassen, die uns besucht haben, kamen zu einem großen Teil aus Schulen mit einem hohen Schulsozialindex“, sagt Maus. „So erreichen wir alle Kinder und bieten jedem die Chance, die Angebote kennenzulernen und sich auch weiter zu engagieren.“ 

Spaß an außerschulischen Lernorten

Neben den Angeboten in den Räumen des Opladener Medienstudios und bei Covestro wurden weitere außerschulische Lernorte aufgesucht, etwa die Probierwerkstatt oder der Freudenthaler Sensenhammer. „Da merkt man bei den Kindern direkt, dass sie das viel cooler finden, als in der Schule zu lernen“, sagt Miriam Buß, stellvertretende Abteilungsleiterin des kommunalen Bildungsbüros. Der Spaß am Lernen mit digitalen Medien und vor allem das Fördern der Kreativität steht für sie im Vordergrund des Programms. „Wir wollen den Kindern klarmachen, dass auch das Digitale ein Mittel ist, um kreativ zu werden, um eigene Ideen zu verwirklichen und zeigen, wie das geht.“ 

Ein Aufgabenblatt zur Programmierung des Ozobot

Ein Aufgabenblatt zur Programmierung des Ozobot

Daran hat natürlich auch Covestro Interesse. „Mit der digitalen Bildung kann man nicht früh genug anfangen, von uns aus auch gerne schon im Kindergarten“, sagt Ute Müller-Eisen, Leitung NRW-Politik bei Covestro. Vor allem viele Mädchen machen die besten Schulabschlüsse, stehen dem Digitalen aber oft skeptisch gegenüber. Das sehe man schon bei den Workshops.

„Die Jungen stürzen sich auf die Roboter, die Mädchen sind erst zurückhaltender und sagen: Ich weiß nicht, ob ich das kann“, berichtet Buß. Am Ende seien es dann aber oft die Mädchen, die mit leuchtenden Augen aus dem Projekt gehen und unbedingt noch mehr machen wollen. Arbeitskräfte von morgen, die das Leverkusener Unternehmen sich wünscht.

Die Fördersumme ist jetzt allerdings aufgebraucht. „Wir haben bereits ein neues Konzept bei Covestro eingereicht“, verrät Maus, doch Müller-Eisen gibt sich bei aller Begeisterung für das auslaufende Projekt noch bedeckt: „Wir werden in unserem Spendenteam besprechen, was passt und was geht.“ Die Stadt hofft derweil, auch andere Unternehmen zu finden, die sich an der digitalen Weiterbildung der Jugend beteiligen wollen.


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