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Schule in LeverkusenDankbarkeit auf beiden Seiten

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Hilal, Maike, Jan und Corinna (v. l.) haben sich für eine Ehrung ihrer Lehrerin Tatjana Trampenau (vorne) stark gemacht. (Bild: Krieger)

Steinbüchel – Lange müssen Hilal, Maike, Jan und Corinna nicht überlegen. „Sie hat uns zu einer Gemeinschaft gemacht“, sagen sie ohne zu Zögern über ihre ehemalige Klassenlehrerin. „Vom ersten Tag an hat sie dafür gesorgt, dass sich niemand ausgeschlossen fühlt.“

Tatjana Trampenau (47) hat geschafft, was sich wohl jeder Lehrer wünscht: Sie hat ihre Schüler zu ihren Fans gemacht. Sechs Jahre lang hat sie die ehemalige Klasse 10 d an der Montanus-Realschule in Steinbüchel auf ihrem Weg begleitet, fast alle der 28 Schüler haben in diesem Jahr ihren Abschluss geschafft. Und eben aus diesem Grund wollten die einstigen Zöglinge ihrer Lehrerin zum Abschied etwas besonderes schenken. Gemeinsam mit Freunden aus anderen Klassen haben sie Tatjana Trampenau beim Deutschen Lehrerpreis 2014 in der Kategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus“ angemeldet. Sie haben gewonnen.

Als eine von insgesamt 15 Pädagogen aus ganz Deutschland wird Tatjana Trampenau heute vom Deutschen Philologenverband und der Vodafone Stiftung Deutschland in Berlin geehrt. Die Französisch- und Religionslehrerin, die außerdem Vertrauens- und SV-Lehrerin ist, hat davon nichts geahnt. Ihre Schüler haben sie heimlich angemeldet. Dieses eine Mal haben sie dicht gehalten, alle zusammen.

Tatjana Trampenau ist darüber immer noch verwundert. Aber auch gerührt. Vor allem, weil mit Hilal (16) auch Jugendliche aus ihrer Jahrbuch-AG mitgemacht haben. „Diese Schüler haben mir so viel geschenkt“, sagt sie und meint alle, die sie in den vergangenen Jahren begleitet hat. Zu sehen, wie sich die Jugendlichen über die Jahre entwickelten, sei einfach toll. Und letztlich genau das, was ihren Job ausmache.

Der Job ist eine Berufung

Dabei wollte die Realschullehrerin ursprünglich eigentlich Gymnasial- und Gesamtschullehrerin werden. Als sie 1994 ihr Studium in Bonn beendete, habe es aber keine freien Stellen gegeben. Und so landete sie vor 18 Jahren an der Montanus-Realschule. Heute will die gebürtige Iserlohnerin dort nicht mehr weg. Eine neue Klasse zu übernehmen sei zwar immer auch ein Kampf – und jede Menge Arbeit. Tatjana Trampenau lacht, wenn sie das erzählt. Dennoch gebe es keine Mühen, die sie lieber auf sich nehme. „Mein Job ist nicht einfach nur mein Beruf“, sagt sie. Es ist offensichtlich: Er ist ihre Berufung.

Davon zeugt auch, was ihre Schüler beim Deutschen Lehrerpreis angegeben haben. In den Schulpausen haben sie gemeinsam Zitate gesammelt, bis Mitte Juni dieses Jahres mussten sie die Gründe für eine Auszeichnung einsenden. „Als Klassenlehrerin hat sie sich schon immer um unser Wohlbefinden gekümmert, vor allem, was unsere Zukunft angeht. Ihr Tatendrang für uns ist überwältigend.“ Ihre Lieblingslehrerin habe einen Preis verdient, weil sie überaus motiviert sei, den Unterricht abwechslungsreich gestalte und sich intensiv für Schüler und Schule engagiere.

Seit 2013 ist die Montanus-Realschule offiziell eine „Schule ohne Rassismus“ – dass sie dieses Siegel tragen darf, ist vor allem Trampenaus Verdienst. „Die Schule hat ihr viel zu verdanken“, sagt Konrektorin Petra ter Horst über ihre Kollegin. „Wir sind hier ein tolles Team“, sagt Tatjana Trampenau dazu.

„Immer sehr geduldig“

Die 16-jährige Hilal war sich sicher, dass ihre Lehrerin einen Preis gewinnt. „Frau Trampenau war immer sehr geduldig mit uns“, erinnert sich Corinna (17). „Wir haben bei ihr so viel gelernt“, ergänzt Jan (17), der mittlerweile auf das Landrat-Lucas-Gymnasium in Opladen geht und Abitur machen will. Er darf seine ehemalige Lehrerin zur Preisverleihung in Berlin begleiten. In Gedanken hat Tatjana Trampenau sie aber alle dabei. „Die werden mir fehlen“, sagt sie über ihre Ehemaligen.

Den Kontakt wollen beide Seiten unbedingt halten. „Wir wissen, dass wir mit unseren Problemen auch jetzt noch zu Frau Trampenau kommen können“, sagt die 17-jährige Maike. Das sei ein gutes Gefühl. Vor ihrem Abschluss war die Klasse 10 d mit ihrer Lehrerin auf dem Ijsselmeer segeln. „Summertime“ hieß ihr Schiff damals. Und genau dort, auf diesem Boot, wollen sie sich alle in neun Jahren wiedertreffen.