Studiobühne LeverkusenPlaneten spielen zum Comeback „Weltuntergang“

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Leverkusen Generalprobe Theater am Künstlerbunker Studiobühne "Weltuntergang"

Im Stück „Weltuntergang“ sorgen sich die Planeten um den Zustand der Erde.

Die Studiobühne feiert nach der Coronapause Comeback mit einem fast 90 Jahre alten Stück, das aktueller nicht sein könnte. Ein Probenbesuch.

Noch ein Monat bis zum Weltuntergang! Ein Schreck durchfährt das Publikum im Opladener Künstlerbunker, als sich mit einem kräftigen Nebelstoß Weltschmerz auf der Studiobühne breit macht. Schemenhaft erscheint die grell im Scheinwerferlicht scheinende Sonne, um sie herum kreisen Planeten auf Bürostühlen. Obwohl „Weltuntergang“ von Jura Soyfer 1936 uraufgeführt wurde, ist es auf beeindruckende Art und Weise auch heute hochaktuell.

Das menschliche Unvermögen, mit Katastrophen umzugehen, war damals schon Thema. Regisseur Simon Kappes musste nur kleine Ergänzungen vornehmen, um das Werk auf die heutige Zeit mit Pandemie, Umweltzerstörung, Klimakatastrophe und Krieg zu projizieren, dabei ging er mit der Prämisse vor: „Was hätte Soyfer uns heute zu sagen?“ Wo im Original Bezüge zur damaligen Zeitgeschichte Österreichs gezogen werden, arbeitet Kappes nun mit Zitaten von AfD-Politikerinnen und Politikern, bei denen es einem kalt den Rücken herunterläuft.

„Das Benehmen der Erde ist seit zehntausend Erdjahren merkwürdig“, berät sich die Sonne gespielt von Petra Bierwirth mit ihrem Sonnensystem, bittet um Ruhe im Kosmos und lädt den Erdmond zum Verhör ein. Sie erläutert: „Die Erde weicht von der Vollkommenheit der Schöpfung ab – kurz: Sie stört die Sphärenharmonie.“

Radikalkur mit Wumms für die Erde

Michael Göttsche, der den Erdmond spielt, liefert die Erklärung: „Die Erde ist krank: Sie hat Menschen.“ Ein lautes „Bääää“ erhallt von Venus, Mars und Saturn durch das Sonnensystem. Die Himmelskörper beschließen so eine „Radikalkur“ für die Erde und entsenden den Kometen Konrad, verkörpert von Barbara Heisinger auf einem Tretroller: „Das wird einen Wumms geben.“

Werden die Menschen diesem mit einem „Doppel-Wumms“ entgegnen? Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht über das bevorstehende Ende über die immer schnelllebigere Medienlandschaft… Und wie reagieren die Menschen? Fesche Damen fragen sich: „Welchen Designer wird man denn zum Weltuntergang tragen?“ Zwei Diplomaten beraten sich an einem sehr langen Tisch – so wie der, der zuletzt in Moskau  zu sehen war. „Was wollen wir unternehmen?“, fragt die eine Seite. „Nichts, das ist immer das sicherste“, entgegnet die Andere. Die Entscheidung wird – natürlich – vertagt. Halten sich Kometen an Völkerrecht?

Straßenmusiker stimmen „AnnenMayKantereit“ an. Während der ein oder andere wohl denkt: „Genau so wird die Menschheit wirklich zugrunde gehen.“ Sind andere wohl optimistischer, so Kappes: „Denn heute ist es ja noch nicht so weit und wir haben die Zukunft in der Hand, bei all der Scheiße, die passiert. Die Zukunft der Erde könne schließlich ja auch herrlich sein. „Oder braucht es den Zusammenprall gar nicht, weil die Menschen sich ohnehin vorher selbst ausrotten werden“, fragt sich die Sonne zwischenzeitlich.

Was hilft angesichts des Untergangs?

Ein Comeback nach der dreijährigen Pause für das Studiobühne-Theater im Künstlerbunker, welches passender nicht sein könnte. Wenn in einem Monat Weltuntergang ist: Wie wollen wir bis dahin leben? Wollen wir ein Raumschiff entwickeln, in dem sich die Reichen und Schönen in Sicherheit bringen, Todesschreie und Flammenmeer nur aus sicherer Entfernung wahrnehmen? Was muss gerettet werden? Kulturgut, Wissen oder doch Aktien? Oder helfen nur noch Drogen?

„Also ich glaube ja überhaupt nicht an das alles“, sagt ein Wachmann, gespielt von Stephan Schindler. „Genau deshalb geht die Welt unter“, setzt Michael Göttsche in der Rolle von Professor Guck entgegen, „die Menschen weinen, sie singen, sie bringen sich um, ja sie sind dumm.“ Fünf Minuten vor dem vorhergesagten Kometeneinschlag gibt es sogar noch eine Sondersendung in der „New York Tribune“: „Gute Nacht allerseits“, wünscht Hans Schmitz in der Rolle des amerikanischen Milliardärs Mr. Rockford – angelehnt an Elon Musk, „und einen angenehmen Weltuntergang Ihnen!“

Karten für die Vorstellungen am 2., 15. und 16. April, 14., 19., 20., 21., 27., 28. und 30. Mai und am 2. und 4. Juni in der Karlstarße 9 gibt es telefonisch unter 02171 946002. www.studiobuehne-leverkusen.de

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