Die Stadt hat die Planung für das Kitajahr 2026/27 vorgelegt.
Kita-PlanungZahl der Kinder in Leverkusen geht zurück – weniger Betreuungsbedarf

Die neue Kita am Hemmelrather Hof.
Copyright: Ralf Krieger
Der Betreuungsnotstand von Kita-Kindern in Leverkusen entspannt sich ein wenig. Während in den vergangenen Jahren immer rund 1000 Betreuungsplätze fehlten, ist in der aktuellen Jahresplanung für das im August beginnende Kita-Jahr 2026/27 nur noch ein Minus von 735 Plätzen verzeichnet.
Welche Betreuungsplätze fehlen?
Eindeutig die für unter Dreijährige (u3-Plätze). Zur Berechnung wird angenommen, dass die Eltern für 60 Prozent aller unter Dreijährigen in der Stadt einen Betreuungsplatz wünschen. Das wären 2263 Kinder, dem stehen 1139 Betreuungsplätze für diese Altersgruppe zur Verfügung – ein rechnerisches Minus von 770 Plätzen. 354 Plätze in Kindertagespflege sind dabei schon mit eingerechnet. Für die über Dreijährigen, bei denen von einer 100-Prozent-Quote ausgegangen wird, stehen in diesem Jahr erstmals sogar 35 ü3-Plätze zu viel zur Verfügung.
Woher kommt diese Wendung?
Tatsächlich hat sich die konkrete Anzahl an Betreuungsplätzen kaum verändert, sechs Plätze mehr stehen in der aktuellen Planung im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings hat sich das Alterskontingent verschoben: 72 zusätzlichen ü3-Plätzen steht ein Minus von 67 u3-Plätzen gegenüber. Vor allem verringert sich aber der rechnerische Fehlbetrag, weil die Zahl an Kinder in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen ist.
Woher kommen diese Zahlen?
Die historischen und aktuellen Zahlen kommen von der Statistikstelle der Stadt. Demnach ist die Zahl der Kinder unter sechs Jahren seit dem Jahr 2022 stetig gesunken: von 9700 auf 9002 im Jahr 2025 (jeweils zum Stichtag 31. Juli). Am stärksten ist der Rückgang in der Altersklasse null bis drei: rund 500 der insgesamt 700 Kinder fallen in diese Altersklasse. Das wirkt sich auf die angestrebte Betreuungsquote aus. Alleine im Vergleich zum aktuellen Betreuungsjahr braucht die Stadt rechnerisch rund 170 u3-Plätze und 200 ü3-Plätze weniger.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die Stadt rechnet die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung auf Basis von Daten des Statistischen Landesamtes IT NRW aus. Darin erwartet sie einen weiteren deutlichen Rückgang an Kindern im Kita-Alter. Schon in diesem Jahr soll die Zahl der u3-Kinder unter 4000 fallen, bis ins Jahr 2029 auf rund 3600. Erstmals hat die Stadt auf Basis dieser Daten auch schon eine vorausschauende Betreuungsplatzbedarfsplanung für das Jahr 2027/28 aufgestellt. Darin wird ein Überhang von 460 ü3-Plätzen prognostiziert, bei einem weiterhin bestehenden Minus von 720 Plätzen für kleine Kinder.
Welche Schlüsse muss die Stadt draus ziehen?
Ganz klar muss der Fokus darauf liegen, mehr Plätze für unter Dreijährige zu schaffen und nach Möglichkeit ü3-Plätze in u3-Plätze umzuwandeln. Das ist ein durchaus komplexer Prozess: Zum einen gibt es Einrichtungen, die nur für über Dreijährige zugelassen sind. Außerdem gibt es durch das Kinderbildungsgesetz NRW (Kibiz) Auflagen in Bezug auf Gruppengröße und -zusammensetzung sowie den Personalschlüssel. Das heißt, es können nicht einfach ü3-Plätze an kleinere Kinder vergeben werden.
Heißt das, es braucht keine Kita-Neubauten mehr?
Das kann man so nicht sagen, schließlich übersteigt der Bedarf an u3-Plätzen immer noch deutlich das Angebot. Außerdem argumentiert die Stadt bei geplanten Neubauten auch immer mit dem Argument, dass einige in die Jahre gekommene Gebäude „abgängig“ sind – also eigentlich schon jetzt oder zumindest in naher Zukunft geschlossen werden müssten. Das kann man sich aber nicht leisten, solange es keine Alternativen gibt. Daher sind Neubauten weiterhin notwendig, um eine Betreuungssicherheit herzustellen.
Die Stadt hat auch wieder eine Elternbefragung zum Betreuungsbedarf durchgeführt. Gibt es dazu Ergebnisse?
Erste Erkenntnisse sind in der Bedarfsplanung genannt. Die Eltern von 7194 anspruchsberechtigten Kindern wurden angeschrieben 1892 Eltern haben geantwortet, das entspricht 26 Prozent. Knapp zwei Drittel der Teilnehmenden sind Familien, deren Kind bereits eine Kindertagesbetreuung in Anspruch nimmt. Etwas mehr als ein Drittel der Teilnehmenden beziehen sich auf einen gewünschten Betreuungsplatz. 73 Prozent der Eltern, die bereits einen Betreuungsplatz haben, sind mit den vertraglich vereinbarten Betreuungsumfang zufrieden. Allerdings geben auch 30 Prozent aller Eltern, die einen 45-Stunden-Platz haben, an, dass sie diesen Umfang eigentlich nicht benötigen. „Somit ist für die Folgejahre der Blick auf die Verteilung von 35-StundenPlätzen und 45-Stunden-Plätzen zu richten, da es Ziel sein sollte, das Angebot mit diesen Betreuungsumfängen an die Bedarfe der Eltern anzupassen“, schließt der Fachbereich Kinder und Jugend daraus. In der aktuellen Planung sind wie im Vorjahr 67 Prozent Vollzeitplätze, 18 Prozent sind 35- Stunden-Plätze und 15 Plätze gibt es für Vormittagsbetreuung. Für die folgenden Kindergartenjahre soll das Elternportal „Kita-Planer“ mit einem zusätzlichen Modul versehen werden, mit dem eine kontinuierliche Bedarfsabfrage bei den Eltern durchgeführt werden kann.
Die Betreuungsplatzplanung wird im Kinder- und Jugendhilfeausschuss am 22. Januar ab 17 Uhr im Verwaltungsgebäude Goetheplatz öffentlich beraten. Nach dem Beschluss können die Kitaleitungen ihre Plätze vergeben und Eltern informieren.

