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Arzt und Schwester arbeiten für InterplastFreiwillige aus Waldbröl kämpfen in Tansania gegen die Folgen der Genitalverstümmelung

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Waldbröl/Aachen – Als junger Arzt wird er tagtäglich mit dem Leid und Elend junger Mädchen und Frauen konfrontiert, mit der Grausamkeit und unbeschreiblichen Brutalität, die den Kindern vornehmlich in Entwicklungsländern mutmaßlich aus traditionellen rituellen Motiven widerfährt. Im Luisenhospital in Aachen gehört der Waldbröler Dr. Wolfram Demmer seit vorigem Herbst mit zu dem international angesehenen Team, das sich auf die Wiederherstellung verstümmelter weiblicher Genitalien spezialisiert hat.

Obwohl in den meisten Ländern der Welt verboten und von der Völkergemeinschaft geächtet, ist die Genitalverstümmelung vor allem in ostafrikanischen Ländern noch weit verbreitet, und die Fälle, mit denen Demmer und seine Kollegen der Plastischen Chirurgie des Luisenhospitals konfrontiert werden, sind da nur die Spitze des Eisbergs.

Dass es den erst 34-Jährigen, der aus einer Waldbröler Medizinerfamilie stammt, selbst auch immer wieder zu Einsätzen in Entwicklungsländern ruft, ist dabei allerdings dem Zufall geschuldet. Vor wenigen Jahren, damals Arzt im Praktikum in Essen, erfuhr er von Interplast, das als Verein ehrenamtlicher Chirurgen von Bad Honnef aus über die dortige katholische Pfarrgemeinde eine Patenschaft zu einem Klosterkrankenhaus im tansanischen Puma unterhält, dass auch Ärzte „für länger“ in Tansania gesucht werden. Jung und ungebunden sagte er sofort „Ja“, war so zwischen Januar und Juli 2014 für ein halbes Jahr Gastarzt in dem Krankenhaus.

Das sei für tansanische Verhältnisse relativ komfortabel ausgestattet, berichtet Demmer, schicke doch das sich aus Spenden finanzierte Interplast regelmäßig auch Container mit medizinischem Material nach Puma. Kürzlich war Demmer erneut mit einem OP-Team vor Ort, diesmal allerdings „nur“ für zwei Wochen. Mit dabei („Wir kannten uns vorher nicht.“) auch eine weitere gebürtige Waldbrölerin: Laura Mertens (31), Leitende OP-Schwester an der Unfallchirurgie der Uniklinik in Bonn und ebenfalls regelmäßig Ehrenamtlerin bei Interplast.