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FriedhöfeRat Bergneustadt diskutiert die Einführung von Wiesengräbern in Belmicke und Wiedenest

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Rasenfeld auf dem Friedhof Bergneustadt;17266

Ein paar unscheinbare Steinplatten, mehr ist von dem Wiesengrabfeld auf dem Bergneustädter Hauptfriedhof nicht zu sehen. Genau das macht diese Grabform aber pflegeleicht. Einfassung und Graberde braucht es nicht.

Aus der Bürgerschaft lag die Anregung vor, Wiesengräber auch auf dem Friedhof in Belmicke zuzulassen. Die Verwaltung packte Wiedenest dazu.

Gräber mit wenig Aufwand für die Hinterbliebenen liegen im Trend, da bildet Bergneustadt keine Ausnahme. Die pflegeleichteste Variante im Stadtgebiet sind aktuell die sogenannten Wiesengräber auf dem Hauptfriedhof: Sarg oder Urne werden in die Erde gelassen, das Grab mit einer Steinplatte markiert.

Im Winter macht diese Form überhaupt keine Arbeit, im Sommer mäht der Bauhof den Rasen. Das war es – weder braucht es Einfassungen, noch Graberde, Blümchen oder Bäumchen. Aus der Bürgerschaft lag dem Stadtrat nun eine Anregung vor, diese Wiesengräber auch auf dem Friedhof in Belmicke zuzulassen. Die Verwaltung packte noch den Wiedenester Friedhof dazu.

Das Vorspiel

Die Bürgeranregung stand schon im Hauptausschuss auf der Tagesordnung, wurde dort aber von SPD und CDU abgesetzt. Begründung: Die Friedhofssatzung lasse Wiesengräber in Wiedenest und auf der Belmicke doch bereits zu. Auch im Stadtrat waren die Sozialdemokraten schon drauf und dran, das Thema von der Tagesordnung zu fegen – bis Bürgermeister Matthias Thul anmerkte, dass die Auffassung der SPD-Stadtverordneten falsch sei.

Die Satzung schreibe nämlich – zugegeben etwas sperrig, wie Thul einräumte – vor, dass die Verwaltung erst einmal Plätze für Wiesengräber ausweisen müsse. Und dies sei in Belmicke und Wiedenest eben noch nicht geschehen, Wiesengräber dort also bisher nicht erlaubt. Damit blieb das Thema auf dem Programm und die Diskussion begann.

Das Problem mit den Kosten

In der Sache war sich der Rat schnell einig, Wiesengräber ab dem kommenden Jahr auf allen drei städtischen Friedhöfen anbieten zu wollen. Auch der Bürgermeister betonte, dass die Nachfrage da sei und er die Wiesenbestattung für eine Grabart der Zukunft halte. Knackpunkt war aber die Gebührenberechnung, die das Rathaus vorlegte, und die es in sich hatte.

Bislang kostet ein Wiesengrab in Bergneustadt zwischen 1345 und 3150 Euro, abhängig davon, ob man sich für Sarg oder Urne, Wahl- oder Reihengrab entscheidet. Künftig würden mindestens 2415 und bis zu 6758 Euro fällig – das entspricht Steigerungen zwischen 60 und fast 140 Prozent. Wohlgemerkt träfen diese Gebühren nicht nur die Belmicker und Wiedenester, sie fielen auch für diejenigen an, die ab dem kommenden Jahr ein Wiesengrab auf dem Hauptfriedhof wählen.

So rechnet die Verwaltung

Dem Rat legte die Friedhofsverwaltung eine detaillierte Berechnung des künftigen Mehraufwands für den Baubetriebshof vor. Zum Beispiel: Bislang wird der normale Rasen in Wiedenest und Belmicke monatlich gemäht. Bei Wiesengräbern müsse der Rasen aber intensiver gepflegt werden, findet die Verwaltung und hat 14-tägliche Mäharbeiten angesetzt, genau so passiert es auf dem Bergneustädter Wiesengrab schon.

Für Belmicke und auch Wiedenest kalkuliert die Verwaltung deshalb mit je sieben zusätzlichen Mahden pro Saison. Dabei legte Bürgermeister Thul auf zweierlei Wert: Erstens habe man der Berechnung „nicht irgendwelche Fantasiebeträge“, sondern die gesetzlichen Stundensätze zu Grunde gelegt. Und zweitens sei das zentrale Problem, dass man den Zusatzaufwand durch (noch) wenige Wiesengräber teilen müsse. Um die Kosten auf möglichst viele Schultern zu verteilen, habe die Verwaltung ja bereits den Friedhof Wiedenest miteinbezogen. Erfahrungen, etwa aus Gummersbach, zeigten: Je mehr Gräber, desto billiger die Pflege und damit die Gebühr.

Das sagt die Politik

Aus einigen Partien kam heftige Kritik an den Steigerungen. „Das Sterben in Bergneustadt ist zu teuer“, kritisierte UWG-Fraktionschef Jens-Holger Pütz und prophezeite, solche Erhöhungen seien der Bürgerschaft „schlicht nicht zumutbar“. Sein Parteifreund Sven Oliver Rüsche nannte die Berechnung „wahnsinnig“ und schlug vor, „Menschen, die ohnehin Geld von der Stadt bekommen“ zum Mähen einzuteilen. Wolfgang Lenz (AfD) wiederum zweifelte die Berechnung insgesamt an: „Diese Vorlage kann nicht Auskunft geben über die Kostensteigerung.“

Detlef Kämmerer (SPD ) und Mehmet Pektas (FWGB) machten dagegen klar, aus ihrer Sicht stimme die Berechnung, das Dilemma sei eben die noch überschaubare Zahl von Wiesengräbern. Pektas schlug vor, die Entwicklung abzuwarten und die jährliche Neukalkulation der Gebühren zu beobachten.

Entscheidung vertagt

Auf Kämmerers Vorschlag hin wurde die Schaffung von zusätzlichen Wiesengräbern in eine Arbeitsgruppe verwiesen, die die Gebührenberechnung noch einmal genau untersuchen will. UWG und Teile der AfD stimmten dagegen. Sie hätten das Thema gerne im Stadtrat ablehnend entschieden und dabei auf eine aus ihrer Sicht „falsche Kalkulation“ durch die Stadt verwiesen.