Die Gutachter haben ihren Halbjahresbericht für den Immobilienmarkt in Oberberg vorgelegt: Die Preise für Bauland und Einfamilienhäuser sinken.
Baulandpreise brechen einWendepunkt an Oberbergs Immobilienmarkt

Die Nachfrage nach Einfamilienhäusern ist stark gesunken.
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Viele Monate wurde spekuliert, wann die stetige Preissteigerung auf dem oberbergischen Immobilienmarkt ein Ende finden würde. Nun ist es amtlich: Zwischen Morsbach und Radevormwald befinden sich die Erlöse für Bauland und Gebäude im Sinkflug und das mitunter drastisch. Das geht aus dem Bericht zum Immobilienmarkt für das erste Halbjahr 2023 hervor, den der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Oberbergischen Kreis (GA) in dieser Woche vorgelegt hat.
Dem GA wurden zwischen Neujahr und Ende Juni 1276 Notarverträge mit einem Volumen von 206 Millionen Euro bekannt — das ist fast ein Drittel weniger bei den Vertragszahlen und ein Minus von 41 Prozent beim Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Energetische Sanierung der Gebäude zahlt sich auch in Oberberg aus
Die durchschnittliche Bauplatzgröße von 620 Quadratmetern wechselte im oberbergischen Norden (Wipperfürth, Lindlar, Hückeswagen und Rade) für 120 000 Euro den Besitzer, im übrigen Kreisgebiet für 85 000 Euro. Damit fielen die Preise für Bauland im Schnitt um sieben Prozent.
Noch deutlich härter traf es den, der seit Jahresbeginn ein Ein- oder Zweifamilienhaus verkauft hat. Hier brachen die Preise um 15 Prozent ein, den stärksten Preisverfall verbuchte hier die Kreismitte (minus 16 Prozent für Marienheide, Gummersbach, Engelskirchen und Wiehl), während Immobilien im Norden wertstabiler blieben (minus zwei Prozent). GA-Vorsitzender Sven Heitz spricht gleichwohl von einem Wendepunkt der Preissteigerung.
Die politische Diskussion der vergangenen Monate hat einen wahnsinnig großen Einfluss auf den Gebäudewert.
Der Gummersbacher betont jedoch auch, dass der Erlös inzwischen ganz wesentlich vom energetischen Zustand der Häuser abhänge. „Die politische Diskussion der vergangenen Monate hat einen wahnsinnig großen Einfluss auf den Gebäudewert.“ Längst sei es keine Seltenheit mehr, dass sich mit einem Haus aus den Sechzigerjahren, das um die Jahrtausendwende eine Wärmeverglasung und eine Dachdämmung erhalten hat, mehr Geld verdienen lasse, als mit deutlich jüngeren vier Wänden ohne energetische Verbesserungen. Zudem seien unsanierte Objekte inzwischen sehr lange auf dem Markt.
Bei den Eigentumswohnungen steigen die Preise im Oberbergischen Kreis
Völlig im Kontrast dazu steht die Preisentwicklung bei den Eigentumswohnungen. So zahlten Käufer im ersten Halbjahr im Schnitt 3900 Euro für den Quadratmeter in einer oberbergischen Neubaueigentumswohnung, das waren genau fünf Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2022. Aber auch gebrauchte Eigentumswohnungen sind teurer geworden: Für die Baujahresgruppe 1996 bis 2013 um zwei Prozent, für die Gruppe 1975 bis 1995 um fünf und für Eigentumswohnungen aus den Jahren 1950 bis 1974 sogar um sieben Prozent. Für einen Quadratmeter Wohnfläche aus der letztgenannten Gruppe wurden in den ersten sechs Monaten im Durchschnitt 1460 fällig.
Heitz erklärt die gegensätzliche Dynamik bei Bauland und Häusern auf der einen und den Eigentumswohnungen auf der anderen Seite mit der ungebrochen hohen Nachfrage nach Wohnungen. Sie sei zu erklären durch die, die auf der Suche nach altersgerechtem Wohnen sind, und diejenigen, die eigentlich ein Haus favorisierten, den Bau oder Kauf aber inzwischen durch die hohen Kosten für Baumaterial und die schwierige Suche nach Handwerkern scheuten.
Die Gutachter widmen sich in ihrem Bericht auch der Nachfrage nach Flächen für die Land- und Forstwirtschaft. In beiden Bereichen wurden zwölf Prozent weniger Flächen erworben als im ersten Halbjahr 2022. Landwirtschaftlich nutzbarer Grund kostete im oberbergischen Durchschnitt 1,50 Euro pro Quadratmeter, also drei Prozent weniger als im Vorjahr. Laubwald (1,15 Euro) wurde acht Prozent billiger, der Wert von Nadelwald (0,95 Euro) erholte sich nach der Borkenkäferplage etwas und stieg um zwölf Prozent.
Die Daten des GA basieren auf Fragebögen, die nach dem Notartermin verschickt werden. Sven Heitz appelliert an die Adressaten, sie auch zu beantworten. Mit einem hohen Rücklauf könne man Oberbergs Markt noch genauer beurteilen.

