Die Kindertageseinrichtung „Farbenpracht“ in Engelskirchen reduziert die Zahl der Kinder, die betreut werden können. In einem Brief hat der Träger, das Deutsche Rote Kreuz, die Eltern über den bevorstehenden Schritt informiert.
Gebühren trotz fehlender Betreuung?Engelskirchener Kita reduziert die Zahl der Kinder

Der Personal- und Fachkräftemangel treibt viele Kindertagesstätten um – und das nicht nur im Oberbergischen.
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Der „schmerzhafte Eingriff“ in die gewählte Betreuungssituation sei unvermeidbar, eine kontinuierliche Betreuung aller Kinder sei in der Kita „mit der vorhandenen Kinderzahl nicht möglich“, heißt es darin. Zeitnah müsse eine Reduzierung auf zwei Gruppen – also 40 Kinder – stattfinden. DRK und Kreisjugendamt versuchen derweil, Ersatzplätze für die betroffenen Kinder zu finden – und sind teilweise auch bereits fündig geworden.
Diskussion zu den Kita-Gebühren im Engelskirchener Ausschuss
Im Engelskirchener Haupt- und Finanzausschuss sprach Heike Waßer (Grüne) das Thema an – sie hatte nämlich gehört, dass die Eltern in der Zeit, in der Kinder nicht betreut werden können, trotzdem Kita-Gebühren zahlen müssten. Die Gemeinde Engelskirchen sei nicht Träger, sondern ziehe lediglich im Auftrag des Oberbergischen Kreises die monatlichen Elternbeiträge ein, erklärte Fachleiter Norbert Hamm.
Eltern hätten sich in dieser Angelegenheit aber auch bereits ans Rathaus gewandt. „Das ist natürlich eine sehr unbefriedigende Situation“, so Hamm, „und wir sagen: So geht das überhaupt nicht.“
Der Kreis habe gegenüber der Gemeinde tatsächlich zunächst signalisiert, es bleibe dabei, dass die Kinder zwar nicht betreut werden, die Eltern aber trotzdem weiter zahlen müssten. „Das sehe die Gebührensatzung so vor“, so Hamm, der hinzufügte: „Wenn das so ist, dann würden wir den Kreis dringend bitten, die Satzung zu ändern.“ Inzwischen habe er aber erfahren, dass sich beim Kreis entsprechend etwas bewege. Das bestätigte Kreissozialdezernent Ralf Schmallenbach auf Anfrage.
Oberbergischer Kreis arbeitet bereits an einer Lösung
Er geht davon aus, dass niemand Gebühren zahlen müsse, wenn wie im vorliegenden Beispiel über längere Zeit keine Betreuung stattfindet. Es werde bereits an Lösungen gearbeitet, nach der bei längeren Gruppenschließungen in Kindertagesstätten keine Gebühren mehr erhoben werden. „Analog planen wir auch bei längerer Reduzierung des Angebotes geringere Gebühren vorzusehen.“ Eine grundsätzliche Änderung der Gebührensatzung bedürfe aber einer Entscheidung der Politik, „die wir dann im Frühjahr herbeiführen könnten“.
Für Fälle wie den in der Kita Farbenpracht gebe es in der gültigen Satzung tatsächlich keine Regelung. „Bisher konnten wir immer eine Lösung finden. Eine Gruppenschließung aufgrund fehlender Fachkräfte ist bislang einmalig.“ Angesichts einer drohenden Verstetigung des Fachkräfte- und Personalmangels in der Kinderbetreuung befürworte er eine entsprechende Änderung. Mit Lukas Miebach (CDU) gehört auch der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses des Kreises dem Engelskirchener Haupt- und Finanzausschuss an. Er wandte sich am Donnerstag in dieser Angelegenheit ans Kreisjugendamt, mit der Bitte um Klärung.


