Vorliebe für EierlikörMarianne Mureck feiert in Ründeroth 100. Geburtstag

Marianne Mureck kam 1947 ins Oberbergische. Jetzt feierte sie ihren 100. Geburtstag.
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Feststimmung herrschte am Dienstag im Altenzentrum Otto Jeschkeit der Arbeiterwohlfahrt in Engelskirchen-Ründeroth: Dort feierte Marianne Mureck ihren 100. Geburtstag. Die Seniorin blickte auf ein ganzes Jahrhundert zurück und hat gute Erinnerungen an ihre Einschulung in dem Dresdener Vorort Bannewitz: In den Schultüten von Paten und Eltern seien keine Süßigkeiten, sondern Bekleidung, eine Mappe und eine Tafel gewesen: „Es gab damals ja nicht viel.“ Nach der Volksschule sei sie zum Arbeitsdienst ins Krankenhaus abkommandiert worden.
Ihren aus Breslau stammenden Ehemann Karl habe sie gegen Ende des Zweiten Weltkriegs nach einem tragischen Schicksal kennengelernt. Aus russischer Kriegsgefangenschaft in Sibirien zurückgekehrt, hatte der seiner Breslauer Familie geraten, nach Dresden zu gehen: „Dort fallen keine Bomben.“
Verhängnisvoller Rat
Dieser Rat sollte sich als verhängnisvoll erweisen: Am Tag der Ankunft in der sächsischen Stadt starben seine Frau und die beiden Kinder bei dem verheerenden Bombardement im Februar 1945. Dieselbe Nacht verbrachte die damals 22-Jährige mit ihren Eltern im Keller. Am Tag danach ging sie mit ihrem Vater zur Arbeit und wurde von ihm wieder nach Hause geschickt: „Es hat nach verbrannten Menschen gerochen.“
Kurz darauf wurde der nun alleinstehende Karl Mureck bei ihren Eltern einquartiert, dort lernte Marianne ihn kennen und lieben. Nach der Hochzeit und der Flucht über die grüne Grenze landete das junge Paar nach einem Stopp bei Verwandten in Passau 1947 in Hülsenbusch: „Wir hatten nur einen Koffer und kein Geld.“ Zwei Jahre später wurde ihre Tochter Gertraude geboren, heute lebt sie in Amerika. Kurz darauf zog die Familie nach Bielstein um und der gelernte Radiotechniker eröffnete einen Elektroladen, in dem er reparierte, während sie den Verkauf bis zum Alter von 67 Jahren managte. Nach dem Tod ihres Mannes zog sie in ein kleines Haus in Oberbantenberg und 2013, als ihr die Haushaltsführung zu beschwerlich geworden war, dann in das Seniorenzentrum. Dort genießt sie vor allem die Fürsorglichkeit.
Mureck erinnert sich an eine Reise ins Münsterland: „Wir haben gelacht und getanzt – und das Eis war sehr lecker.“ Nur Schadenfreude mag die Seniorin nicht: „Ich war immer geradeheraus und ehrlich.“ Ihr Geheimtipp für ein langes Leben ist, solide zu sein und sich nicht den Bauch zu voll zu schlagen: „Alles in Maßen.“ Sie gesteht jedoch ihre Vorliebe für eine gute Praline und ein Eierlikörchen: „Manchmal muss man sich etwas gönnen – das Leben ist kein Zuckerschlecken.“


