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FacharztterminAuch Oberbergs Hausärzte kennen das Problem mit dem Dringlichkeitscode

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Porträt eines Arztes

Ralph Krolewski ist Vorsitzender de Hausärzteverbandes Oberberg. 

Vor allem sind Oberbergs Mediziner der Meinung, dass der Fachärztemangel das Problem weiter verschärft.

Viele Patienten, die einen Termin bei einem Kardiologen oder anderen Facharzt brauchen, kennen das Problem: Den nächsten freien Termin gibt es erst in ein paar Monaten. Es sei denn, der Patient erhält von seinem Hausarzt eine Überweisung mitsamt einem sogenannten „Dringlichkeitscode“. Die sind eigentlich – wie der Name verrät – nur für medizinisch dringend notwendige Fälle gedacht, die keinen Aufschub dulden.

Code bedeutet deutliche Zuschläge

Doch laut einer Recherche des WDR haben manche Fachärzte diese Codes als zusätzliche Einnahmequelle entdeckt – denn für Fälle mit einem Dringlichkeitscode kann der Facharzt teils deutliche Zuschläge verlangen. Das wiederum stößt den Hausärzten sauer auf. Laut einer Umfrage des WDR berichten viele Hausärzte von einem Druck, dringende Facharztüberweisungen auch ohne medizinischen Grund auszustellen.

Kritik kommt auch vom Bundesrechnungshof. Trotz hoher Mehrkosten seien die durchschnittlichen Wartezeiten für einen Facharzttermin gestiegen, so die obersten Rechnungsprüfer. Auch Ralph Krolewski, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Oberberg, kennt das Problem. Er ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Psychotherapie in Gummersbach. „Was wir erleben: Patienten kommen mit ausgefüllter Überweisung und fragen nach dem Dringlichkeitscode, da dann in der Facharztpraxis ein zeitnaher Termin angeboten wurde, ansonsten in drei bis sechs Monaten, unabhängig von Diagnosen und Zusatzangaben auf dem Überweisungsschein“, sagt Krolewski.

Gummersbacher Arzt bemängelt zu wenige Fachärzte

Die Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung, so Krolewski, wollten die Terminvergabe für dringende Facharzttermine über die Telefonnummer 116117 lenken, aber das funktioniere nicht, weil es im Umkreis von 50 Kilometern zu wenig Fachärzte mit freien Terminen gebe. Krolewski beklagt außerdem einen enormen Zeitaufwand. „Früher hatten viele Kollegen die Durchwahlen der Fachärzte, und man konnte sich von Kollege zu Kollege in dringenden Fällen schnell absprechen. Heute hängen unsere Beschäftigten Ewigkeiten am Telefon.“

Früher hatten viele Kollegen die Durchwahlen der Fachärzte, und man konnte sich von Kollege zu Kollege in dringenden Fällen schnell absprechen. Heute hängen unsere Beschäftigten Ewigkeiten am Telefon.
Ralph Krolewski, Hausärzteverband Oberberg

Dr. Carsten Bernemann ist Facharzt für Orthopädie mit zwei Praxen in Gummersbach und Wipperfürth. „Die Wartezeiten für einen Termin bei uns betragen in der Regel vier bis sechs Wochen, damit liegen wir im Durchschnitt. Wenn der Hausarzt eine Dringlichkeit sieht, kann er den Code verwenden. In unserer Praxis üben wir aber keinen Druck aus, von uns aus verlangen wir keine Codes.“ Gleichwohl, so Bernemann, könne er sich vorstellen, dass es „schwarze Schafe“ unter den Fachärzten gebe, die das System ausnutzen würden. „Aus Oberberg sind mir allerdings persönlich keine solchen Fälle bekannt.“

Dass es – gerade bei Kardiologen und Radiologen – sehr schwierig ist, zeitnah einen Termin zu bekommen, treibt auch den Orthopäden auf die Palme. „Ein Jahr Wartezeit, das geht gar nicht.“ Gerade im ländlichen Raum gebe es nicht nur einen Hausarztmangel, sondern auch zu wenig Fachärzte. Von der Politik wünscht sich der Orthopäde weniger Vorgaben, sondern mehr Dialogbereitschaft mit den Ärzten vor Ort. „Wir wissen schließlich, wie es an der Basis aussieht.“