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Eigene FachkräfteKlinikum Oberberg gründet Schule zur Ausbildung von Anästhesieassistenten

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Das Team des Klinikums um Geschäftsführer Sascha Klein (2.v.l.) am Arbeitsplatz der künftigen Anästhesieassistenten.

Das Team des Klinikums um Geschäftsführer Sascha Klein (2.v.l.) am Arbeitsplatz der künftigen Anästhesieassistenten.

Das Klinikum Oberberg reagiert auf den Fackkräftemangel und bildet ab August auch Anästhesieassistenten selbst aus. 

Eigene Fachkräfte für OP und Notaufnahme Andreas ArnoldOberberg Die Situation ist bekannt. Das Angebot an spezialisierten Fachkräften ist überschaubar. Und mit dem Ausscheiden der so genannten Boomer-Jahrgänge aus dem Arbeitsmarkt werden die Spezialisten weniger. Vor dieser Situation steht auch das Klinikum Oberberg und reagiert mit einem Ausbau seiner Ausbildungsangebote. So investiert das Haus in die Fachkräftesicherung in der Region und vor allem in die eigenen Kräfte, die nachwachsen müssen, denn auch außerhalb des Arztberufes und der Pflege gebe es immer mehr medizinische Spezialisten, wie der Geschäftsführer des Klinikums Oberberg, Sascha Klein, bei einem Pressegespräch erläutert.

Im August startet der erste Ausbildungsgang zur Anästhesietechnischen Assistentin bzw. zum Anästhesietechnischen Assistenten (Ata). Bewerbungen sind ab sofort möglich. Für den ersten Jahrgang hat die Schule 20 Ausbildungsplätze. Fünf Stellen besetzen die Azubis des Klinikums, die übrigen 15 sind für Kooperationspartner des Klinikums vorgesehen, die in Gummersbach ihren Nachwuchs ausbilden lassen. Die Bewerbungsgespräche für die neue Schule laufen aktuell. Die Ausbildung von Fachkräften für den OP und die Notaufnahme ist im Klinikum nicht neu.

Das Klinikum verfügt bereits über langjährige Erfahrung bei der Ausbildung

Das Haus verfügt bereits über langjährige Erfahrung in der Ausbildung von Operationstechnischen Assistentinnen und Assistenten (Ota). Diese Expertise bildet die nun Grundlage für den neuen medizinischen Ausbildungszweig. Die praktische und theoretische Ausbildung der „Atas“ wird von einem interdisziplinären Team begleitet. Matthias Paul und Jörg Niehüser-Saran, Chefärzte der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie der Kreiskrankenhäuser Gummersbach und Waldbröl, unterstützen mit Pflegedirektor Raphael Lüdenbach die Ausbildung. „Wir werden die neuen Auszubildenden in Theorie und Praxis – zum Beispiel im Aufwachraum und in der OP-Einleitung – unterrichten“, erklären die Chefärzte.

„In einem technisch anspruchsvollen Umfeld brauchen wir diese hoch spezialisierten Fachkräfte, die die Ärzte bei ihrer Tätigkeit unterstützen“, betont Niehüser-Saran. Die theoretische Ausbildung findet im Gesundheits- und Bildungszentrum des Klinikum Oberberg (GBZ) statt, die praktische Ausbildung erfolgt in den Kreiskrankenhäusern Gummersbach und Waldbröl. Schaut man auf den Lehrplan, so kann man schon erkennen, dass die Azubis auf einen anspruchsvollen Beruf vorbereitet werden: So stehen in Theorie und Praxis Anästhesiologie und OP-Organisation, Anatomie, Physiologie, Arzneimittellehre, Hygiene und Infektionsschutz, Kommunikation und Betreuung aber auch Recht und Wirtschaft auf der Agenda.

Einsätze in OP und Aufwachraum

Hinzu kommen im praktischen Teil Einsätze in OP und Aufwachraum oder der Kreißsaal. Anke Denninghaus, Leiterin der Ota-Schule, entwickelt aktuell den Lehrplan sowie die Praxiseinsatzpläne für den ersten Jahrgang. Sie informiert zudem die umliegenden Krankenhäuser über das neue Angebot des Klinikum. Maria Andreacchi, Institutsleiterin des GBZ, begrüßt die Erweiterung des Bildungsangebots: „Mit der Erweiterung des Ausbildungsportfolios bietet das GBZ Ausbildungsinteressierten und kooperationsinteressierten Einrichtungen nun ein noch breiteres Spektrum an beruflichen Perspektiven: Von der Pflegeausbildung, über die Ota/Ata, bis hin zur Physio- und Ergotherapie.

Eines wurde bei dem Pressegespräch aber auch deutlich: Die Ausbildung zur ästhesietechnische Assistenz kann auch Sprungbrett sein, im Anschluss mit einem Medizinstudium weiter zu machen. Oder die Wartezeit auf einen Medizin-Studienplatz überbrücken in einem Umfeld, das Einblicke in den angestrebten Beruf gibt. Die beiden Chefärzte sehen darin durchaus Vorteile. Selbst vor dem Hintergrund, dass man gut ausgebildete Fachkräfte dann erst einmal verliere. Am Ende würden sie ja vielleicht als ausgebildete Mediziner wieder zurückkehren.


Anästhesietechnische Assistenz

Der Ausbildungsberuf Anästhesietechnische Assistenz (ATA) ist seit dem Jahr 2022 staatlich anerkannt. Die Atas unterstützen die Anästhesisten im OP, sind mit zuständig für Vorbereitung, Überwachung und Nachsorge von Narkosen, die Bedienung medizinisch-technischer Geräte und die Dokumentation. Auch in der Notaufnahme sind sie im Einsatz, übernehmen Schmerzdienst, betreuen Patienten nach der OP im Aufwachraum.

Zu den Kernaufgaben der Atas gehört die Durchführung von Anästhesieverfahren, die Betreuung und Überwachung der Patienten (Vitalparameter etc.), die Gerätevorbereitung und Hygiene. Zum Berufsbild gehört die Zusammenarbeit im interdisziplinären OP-Team. Die Ausbildung zur Anästhesietechnische Assistenz dauert in Vollzeit drei Jahre. Dazu gehören 2100 Theoriestunden und 2500 Praxisstunden. Die Azubis müssen 17 Jahre alt sein und die Fachoberschulreife haben.