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Fixer und ObdachloseGummersbacher Stadtteil Dieringhausen kämpft gegen illegalen Müll

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Das Bild zeigt den Gummersbacher Bürgermeister an einem Glascontainer.

Rund um die Glascontainer an der Aggerhalle und denen auf dem Parkplatz von Kaufland landet immer wieder illegaler Müll, den der Bauhof dann wieder wegschaffen muss. Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit machte mit dieser Zeitung am Montag einen Rundgang.

Fixer und Obdachlose sind ein weiteres Thema, das Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit beim Rundgang mit dieser Zeitung offen anspricht.

„Die Container kommen weg.“ Gummersbachs Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit sieht für den Standort an der Dieringhauser Aggerhalle keine andere Möglichkeit mehr. Denn dort, wo eigentlich nur leere Flaschen und nicht mehr benötigte Kleidung entsorgt werden sollen, sieht es immer wieder aus wie auf einer wilden Müllkippe. Für seine klaren Worte bekommt Halding-Hoppenheit beim Bürgerforum „Bürgermeister vor Ort“ am Montagabend viel Applaus. Allerdings werden auch Zweifel geäußert und es wird die Frage gestellt, ob man das Problem nicht nur verlagert. Klar ist aber auch, dass das Areal um die Aggerhalle nicht der einzige Ort ist, wo die Bürger ihren Unrat arglos entsorgen.

Das Bild zeigt das Lager eines Obdachlosen vor der Aggerhalle.

Vor der Aggerhalle in Dieringhausen hat ein Obdachloser sein Lager aufgeschlagen.

Übel sieht es im Grunde auch auf dem Parkplatz von Kaufland aus, auch dort stehen Glascontainer – und gleich daneben türmt sich der wilde Müll. Das Phänomen, das der Bürgermeister nicht versteht: Kaum ist der illegale Dreck vom Bauhof abgeholt worden, ist binnen kürzester Zeit wieder neuer Müll dort. Darunter auch Badewannen oder Matratzen. Bei seiner Wortwahl wird deutlich, wie ihn das wurmt. Er spricht sehr unverhohlen von „Knotten“, die die Verursacher seien.

Doch der Müll ist nicht das einzige, was Halding-Hoppenheit unter den Nägeln brennt. Unmittelbar an der Aggerhalle hat ein Obdachloser offenbar sein Quartier. Ein Dachüberstand schützt ihn vor Regen. Bei einem Rundgang mit dieser Zeitung in Begleitung von drei Dieringhauser CDU-Stadtverordneten spricht Halding-Hoppenheit den Mann an, sagt, dass er in einer städtischen Unterkunft Obdach bekommen könne. Doch er lehnt freundlich ab. Gefallen tut das dem Bürgermeister nicht wirklich. Er berichtet, dass aktuell 40 Menschen in den städtischen Unterkünften lebten.

Das Bild zeigt Unrat neben einem Glascontainer.

Auch auf dem Parkplatz von Kaufland stößt der Bürgermeister bei seinem Rundgang auf wilden Müll.

Doch Dieringhausen scheint ein weiteres Problem zu haben, wie der Stadtverordnete Joachim Tump deutlich macht: Fixer gehören offenbar auch zur Wahrheit und zum Ortsbild – ob im Hinterhof der Sparkasse oder im hinteren Bereich des Areals der katholischen Kirche. Vor einem Beet bleibt Tump stehen und sagt, dass man den Gärtnern verboten habe, dort mit ihren Händen zu arbeiten. Der Grund: „Dort liegen hunderte Spritzen“, sagt Tump.

In der Aggerhalle dann das Eingeständnis des Bürgermeisters, dass die Stadt „dem Missstand leider nicht Herr“ werde. Er vergleicht die Situation mit dem Wettlauf von Hase und Igel: Kaum sei der illegale Müll weg, würde auch schon wieder neuer angekarrt. Und das, was da komme, schleppe man ja nicht mal eben unterm Arm an die Aggerhalle, sagt der Bürgermeister. Seine ursprüngliche Idee, Belohnungen für die Ergreifung von Umweltsündern auszuloben, scheint er inzwischen über den Haufen geworfen zu haben. Denn zur Realität in Dieringhausen gehört auch, dass die Leute zwar sehen, wer was herankarrt. Doch Ross und Reiter will niemand nennen. Aus Sorge, dass auch mal Steine fliegen könnten, wie der Bürgermeister berichtet.

Das Bild zeigt den CDU-Stadtverordneten Joachim Tump.

Der CDU-Stadtverordnete Joachim Tump zeigte dem Bürgermeister die Stellen in Dieringhausen, an denen nach seinem Kenntnisstand Drogen konsumiert werden.

Und obwohl die Stadt erst kürzlich die Bußgelder für Umweltdelikte erhöht hat, glaubt Halding-Hoppenheit nicht, dass die Summen Eindruck hinterlassen. So ist das Ablegen von Müll auf öffentlichen Flächen von bislang 50 bis 100 Euro auf 100 bis 200 Euro gestiegen. Urinieren in der Öffentlichkeit stieg von 50 bis 100 Euro auf jetzt 100 bis 150. Und warum geht die Stadt nicht noch höher? Der Bürgermeister sagt, dass die Ordnungsgelder verhältnismäßig sein müssten.

Und wo kommen die Container hin? Gut möglich, dass einige Glascontainer noch zu Kaufland wandern. Die Altkleiderbehältnisse will der Bürgermeister komplett verbannen. Denkbar ist wohl auch, dass die Zahl der Container in Erbland am Abzweig Brunohler Straße/Erblandstraße erhöht wird. Während der Bürgermeister von einem „unauffälligen Standort“ sprach, kam vom Stadtverordneten Axel Blüm (SPD) Widerspruch. Und eine Dorfbewohnerin äußerte auch die Sorge, dass sich die Probleme von der Aggerhalle nach Erbland nur verlagern würden. Dort sei es abends dunkel, und der Ort gut anzufahren.