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Interview

Oberliga
Dennis Hermann trainiert die erfolgreichen Handballerinnen der HBD Löwen

6 min
Handball-Trainer Dennis Hermann in Aktion in einer Sporthalle.

Dennis Hermann trainiert die Handball-Damen der HBD Löwen Oberberg, die noch Chancen auf dem Aufstieg in die Regionalliga haben.

Als Aufsteigerinnen mischen die Handballerinnen der HBD Löwen die Oberliga auf und spielen um den Aufstieg mit. Wir haben mit ihrem Trainer gesprochen.

Die Handballerinnen der HBD Löwen mischen als Aufsteigerinnen die Oberliga auf und spielen um den Aufstieg mit. Trotz junger Mannschaft und Doppelbelastung durch die A-Jugend steht das Team auf Rang zwei – punktgleich mit Tabellenführer ATV Biesel. Im Kreispokal zogen die Löweninnen ins Finale ein. Über die Entwicklung der Mannschaft, die Chancen im Meisterrennen und die Perspektiven sprach Desiree Horn mit Dennis Hermann, Trainer der Damen der HBD Löwen.

Haben Sie damit gerechnet, dass Ihre Mannschaft nach dem Aufstieg in die Oberliga oben mitspielt und um den Aufstieg in die Regionalliga kämpfen kann?

Damit habe ich nicht gerechnet. Ich dachte, dass wir uns erstmal ein bisschen an die Liga gewöhnen müssen. Vor allem war bei uns die Vorbereitung nicht so super. Wir hatten immer viele Verletzte und Kranke. Deshalb dachte ich, dass wir ein paar Punkte mehr liegen lassen im Laufe der Saison.

Viele Handballerinnen spielen zusätzlich in der A-Jugend Regionalliga. Ist da die Belastung zu hoch für manche?

Das kam halt auch noch dazu. Deshalb dachten wir auch, dass es schwierig wird, die Saison ganz oben anzugreifen. Die Mädchen haben in der A-Jugend 20 Spiele und das mit einem kleinen Kader von nur zehn, elf Leuten. Das heißt, da müssen die Leistungsträgerinnen von uns eigentlich auch immer durchspielen oder zumindest viel spielen. Pause haben die Mädels kaum.

Trotzdem steht die Mannschaft in der Oberliga ganz oben mit drin. Hatten Sie das Ziel Aufstieg vor der Saison überhaupt ausgegeben?

Wir haben uns eigentlich vor der Saison als Ziel gesetzt, in der Liga anzukommen. Wir haben uns gesagt, unter die Top fünf wäre ganz schön. Und wir haben eher auf uns geguckt und haben gesagt, wir würden gerne innerhalb von zwei Jahren Regionalliga-Niveau erreichen. Das heißt nicht verpflichtend, dass wir direkt aufsteigen.

Jetzt ist die Situation aber eine andere. Der direkte Vergleich mit ATV Biesel ist verloren, Wuppertal scheint nach zuletzt zwei Niederlagen aus dem Meisterrennen raus zu sein. Wie bewerten Sie die Aufstiegschance?

Klar, jetzt stehst du da oben und hast eigentlich eine Mannschaft von der Qualität, wenn alle dabei sind, mit der kannst du bestimmt auch in der Regionalliga zumindest mithalten. Es wäre natürlich schön, auch für die Entwicklung der Mannschaft, wenn man den Schritt dann gehen könnte. Aber es war keine Pflicht und ist auch noch keine Pflicht aufzusteigen. Aber klar, wenn man da oben steht, dann will man das auch gerne mitnehmen.

Ab wann wäre ein Aufstieg denn für Sie Pflicht?

In dieser Saison überhaupt nicht. Nächste Saison sieht das anders aus. Wir halten die Mannschaft zusammen und verstärken uns auch noch. Wenn wir am Ende dieser Saison vielleicht Zweiter werden, kann man im kommenden Jahr nicht noch einmal sagen, dass ein Platz unter den ersten fünf das Ziel ist. Dann wäre es schon angebracht, oben anzugreifen. Wir wollen zumindest wieder ein Wörtchen mitreden. Aber für eine Meisterschaft über 26 Spiele müsste auch wirklich alles passen.

Zumal in der kommenden Saison die Doppelbelastung durch die A-Jugend wegfällt.

Genau. Der 2007er-Jahrgang ist bei uns besonders stark, und dieser Jahrgang rückt dann komplett in den Seniorenbereich auf. Wir haben zwar noch einige 2008er-Spielerinnen, aber viele Leistungsträgerinnen sind dann aus der A-Jugend raus Ob die Verletzungsanfälligkeit wirklich sinken wird, weiß ich nicht genau. Aber was ich sagen kann ist, dass wir zumindest vor unseren Spielen keine Vorbelastung mehr haben werden. Außerdem können wir dann strukturierter trainieren und beispielsweise im athletischen Bereich noch gezielter arbeiten.

Gab es in dieser Saison eine Niederlage, die Sie im Nachhinein besonders geärgert hat?

Ja, vor allem das Spiel in Haan. Auch wenn man sagen kann, dass es vielleicht ein wichtiger Lernprozess war, war diese Niederlage schon sehr ärgerlich. Wir waren spielerisch überlegen, hatten die Chancen und führten fünf Minuten vor Schluss noch mit drei Toren. Dazu bekam der Gegner noch eine Zwei-Minuten-Strafe. Aber vielleicht war genau das auch eine wichtige Erfahrung, aus der die Mannschaft gelernt hat. Ein Spiel wie in Haan ist uns danach in dieser Form jedenfalls nicht mehr passiert.

Merkt man dem Team in solchen Momenten das junge Alter an?

Ich würde es gar nicht nur auf das Alter schieben, aber es ist schon ein Lernprozess. Viele Spielerinnen in dieser Mannschaft sind es schlicht nicht gewohnt zu verlieren oder längere Zeit zurückzuliegen. Wenn es läuft, dann tragen sich alle gegenseitig, dann läuft es auch richtig gut. Wenn es aber einmal nicht läuft, ist es schwieriger, da wieder herauszukommen. Die Mannschaft hat in den vergangenen Jahren im Ligabetrieb kaum Spiele verloren. Da muss man erst lernen, mit solchen Situationen umzugehen. Die A-Jugendspiele waren aber für die Psyche einiger Spielerinnen ein guter Ausgleich. Sie konnten dort ohne großen Druck aufspielen und lernen. Es wird sicherlich für viele eine Umgewöhnung sein, nur noch die Damenspiele zu haben. Zumal im Jugendbereich auch wirklich gut gearbeitet wurde.

Kann es für die Entwicklung dieser jungen Mannschaft vielleicht sogar hilfreich sein, falls es mit dem Aufstieg in diesem Jahr noch nicht klappt?

Das kann durchaus sein. Es hätte sicher Vorteile, wenn man noch etwas mehr Zeit hätte, Dinge in Ruhe aufzubauen und die Mannschaft weiterzuentwickeln. Auf der anderen Seite ist es für junge Spielerinnen natürlich auch immer gut, auf einem möglichst hohen Niveau gefordert zu werden. Wir haben in dieser Saison schon gemerkt, wie sehr die Oberliga die Mannschaft noch einmal weitergebracht hat im Vergleich zur Verbandsliga. Es ist gut möglich, dass die Entwicklung in der Regionalliga noch einmal einen zusätzlichen Schub bekommen würde

Wo liegen für Sie die größten Stärken Ihrer Mannschaft?

Das Tempo ist schon wichtig für uns. Viele Tore fallen bei uns über das Umschaltspiel, und das brauchen wir auch. Aber wir kommen nicht nur darüber. Die Spielerinnen sind insgesamt gut ausgebildet, athletisch gut unterwegs und auch im Positionsspiel stark. Besonders bemerkenswert finde ich, dass wir die beste Defensive der Liga haben, obwohl wir offensiv ebenfalls sehr viele Tore erzielen. Das hätte ich vor der Saison so nicht erwartet. In der Verbandsliga hatten wir zwar auch schon die beste Abwehr, damals aber mit einer offensiveren Deckung. Jetzt spielen wir eher eine 6:0-Abwehr, und das war ein Prozess, den die Mannschaft wirklich sehr gut bewältigt hat.

Neben der sportlichen Belastung kommen in Ihrer Oberligastaffel noch die langen Auswärtsfahrten hinzu. Wie sehr zehrt das an der Mannschaft?

Das ist auf jeden Fall ein Thema. Die weitesten Auswärtsfahrten kommen jetzt sogar noch. Wir haben in dieser Staffel einige Spiele weit hinter Mönchengladbach, fahren teilweise über zwei Stunden und sind damit zum Teil sogar länger unterwegs als manche Regionalligamannschaften. Für eine Oberliga ist das schon ordentlich. Wir haben uns daran gewöhnt, aber man muss diese Zeit natürlich immer einplanen. Wenn wir in die Regionalliga aufsteigen, dann sind die Fahrten für uns kein Problem mehr. Mit Gelpe/Strombach und Nümbrecht hätten wir dann auch zwei Derbys.

Im Kreispokal stehen Sie mit ihrer Mannschaft nach dem 31:24 gegen Regionalligist SSV Nümbrecht im Finale. Wie sehr freuen Sie sich auf dieses Spiel gegen den HC Gelpe/Strombach?

Solche Finals sind immer etwas Besonderes. Dazu kommt, dass wir in unserer Liga gar kein richtiges Derby haben. Deshalb waren schon gegen Nümbrecht alle extrem motiviert, und das wird im Finale genauso sein. Für uns ist das eine schöne Gelegenheit, uns noch einmal auf hohem Niveau zu messen. Im Finale vergangene Saison sind wir hinten raus deutlich unterlegen gewesen. Diesmal wollen wir uns spielerisch besser präsentieren. Natürlich ist HCGS eine gute Regionalliga-Mannschaft, deshalb fahren wir nicht mit der Erwartung dorthin, dass wir dieses Spiel unbedingt gewinnen müssen. Aber wir wollen uns besser verkaufen und sehen, wie weit wir sind.

Was wünschen Sie sich für den restlichen Saisonverlauf in der Oberliga?

Vor allem, dass wir die Entwicklung der vergangenen Wochen fortsetzen. Die letzten drei Wochen waren wirklich sehr erfreulich. Wenn wir von Verletzungen verschont bleiben, sollte unser Ziel sein, alle restlichen Spiele zu gewinnen. Ob das am Ende für die Meisterschaft reicht, haben wir leider nicht mehr komplett in der eigenen Hand. Aber wir wollen diese Herausforderung annehmen. Es kommen noch schwere Aufgaben auf uns zu, etwa in Wegberg, Rheydt oder beim BHC. Grundsätzlich hängt aber vieles von uns selbst ab. Wenn wir unsere Entwicklung so fortsetzen, können wir diese Spiele auch positiv gestalten.