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Made in Oberberg
Wo in Gummersbach der Königsvogel zum Leben erwacht

3 min

Andreas Knopp (l.) und Gunnar Zeitz mit dem Gummersbacher Königsvogel

Die Designtischlerei Knopp und Zeitz baut seit 25 Jahren den Adler für das Gummersbacher Vogelschießen.

Die Design Tischlerei von Andreas Knopp und Gunnar Zeitz in der Gummersbacher Rospe kann nicht nur hochwertige Möbel bauen. Sie ist seit 25 Jahren auch der Betrieb, der für das Gummersbacher Schützenfest den Königsvogel baut, was schon eine gewisse Verantwortung mit sich bringt, wie die beiden Holzspezialisten berichten. Denn zu einem gelungenen Vogelschießen gehört auch, dass der hölzerne Adler nicht zu früh die Segel streicht und daher eine gewisse Solidität haben sollte. Diese darf aber auch nicht so weit gehen, dass am Ende die Flinte glüht, ehe der Vogel den Boden fällt. Die goldene Mitte ist daher wie so oft gefragt. Und das geht schon bei der Wahl des Holzes beziehungsweise dessen Beschaffenheit los, wie Andreas Knopp berichtet. Tannenholz ist gesetzt. „Doch es sollte möglichst keine Astlöcher haben“, wie Gunnar Zeitz erläutert. Denn diese schwächen die Stabilität des Vogels.

Allerdings gebe es im Grunde kein astfreies Tannenholz. Bei der Herstellung des Vogels muss außerdem darauf geachtet werden, dass das Holz keine Risse hat, denn die würden auch zwangsläufig dazu führen, dass der Adler beim Vogelschießen zu schnell den Garaus gemacht bekommt. Spätestens wenn mit der großen Königspatrone geschossen wird, kann das ganz schnell passieren. Gekonnt sein will auch die Verleimung des Vogels. Dieser wird, wie die beiden Experten beim Besuch in deren Tischlerei zeigen, aus mehreren Teilen zusammengeleimt.

Der Königsvogel besteht aus acht Einzelteilen

Neben dem Rumpf mit Kopf und den Fängen sind das natürlich auch die beiden Flügel. In seinem rechten Fang hält der Adler das Zepter, das gesondert montiert werden muss. „Bei dem Holz kommt es darauf an, dass die insgesamt acht Bauteile mit entgegenlaufender Faser verleimt werden“, erläutert Knopp. Ist der Vogel erst einmal fertig, dann bekommt er noch seine Bemalung verpasst. Diese wird inzwischen auch in der Schreinerei erledigt. „Früher hat das jemand in Müllenbach erledigt“, erinnert sich Knopp. Und wie lange dauert es, ehe ein Vogel an die Gummersbacher Schützen übergeben werden kann? „Einen ganzen Tag sind wir da schon dran“, sagt Knopp.

In diesem Jahr werden zwei Vögel aufgelegt. Hintergrund ist, dass das Vorjahresmodell noch einmal etwas angepasst worden ist, so dass beim Vogelschießen am Schützenfestmontag zwei identische Vögel zur Verfügung stehen müssen. Der eine als Reserve für den Fall, dass es irgendwelche ungeahnten Entwicklungen geben sollte.

Für Andreas Knopp und Gunnar Zeitz sind es die letzten beiden Vögel, die ihren Betrieb verlassen werden. Im Sommer übergeben die beiden die Tischlerei an ihren Mitarbeiter Benjamin Wicher, der ebenfalls Tischlermeister ist und das Unternehmen unter „Design Tischlerei Benjamin Wicher“ weiterführen wird. Und auch die Königsvögel will er gerne weiter bauen. Die wurden schon Knopps Ausbilder Bruno Stiletto knappe zwei Jahrzehnte lang gefertigt, ehe dieser den Betrieb abgeben wollte. „Wir sind damals mit dem Zug nach Köln zur Meisterschule gefahren“, erinnert sich Knopp. Und im Bistrowagen sei bei dem ein oder anderen Glas Kölsch die Idee gereift, den Betrieb von Bruno Stiletto gemeinsam fortzuführen. Am 27. Juni ist die nächste Staffelübergabe, dann übernimmt Wicher.