Die Spiele des VfL Gummersbach sind dauernd ausverkauft. Rufe nach einer Hallenerweiterung werden laut.
VfL GummersbachKann die Schwalbe-Arena vergrößert werden? - VIP-Tickets 39 Prozent teurer

Heiner Brand und der damalige Bürgermeister Frank Helmenstein am 10. August 2013 bei der Einweihung der Schwalbe-Arena.
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Kann die Gummersbacher Schwalbe-Arena so vergrößert werden, dass mehr als die aktuell 4132 Zuschauer die Spiele des VfL Gummersbach verfolgen können? Mitte des Monats, so viel steht fest, wird es vor Ort einen Termin geben mit dem Architektenbüro, das die im August 2013 eingeweihte Halle seinerzeit erbaut hat. Hintergrund für den Termin ist, dass sich VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler an die Arena Gummerbach GmbH als Halleneigentümerin gewandt hat, mit der Bitte, zu prüfen, ob die Halle erweitert werden kann. Das berichtet Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit auf Nachfrage. Die Stadt ist über die Stadtwerke größter Anteilseigner und Halding-Hoppenheit Aufsichtsratsvorsitzender.

Christoph Schindler (M.) war 2013 noch Kapitän des VfL Gummersbach.
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Der VfL habe aktuell einen richtig guten Lauf, sagt der Bürgermeister. Es vergehe nicht ein Bundesligaspiel, das nicht ausverkauft sei. Tickets sind entsprechend heiß begehrt. Und der VfL würde liebend gerne mehr davon verkaufen. Das geht aus einem Schreiben an die VIP-Partner hervor, in dem der Verein ankündigt, die Preise für deren Tickets ab der kommenden Saison zu erhöhen. Die Reaktion blieb nicht aus. Nach Informationen dieser Zeitung soll es bereits mehrere Kündigungen gegeben haben.
Was die Hallenkapazität in der „Schwalbe“ angeht, wie die Halle im Volksmund auch heißt, so liest man in dem Schreiben, dass die Arena (Stand vor Weihnachten) seit 35 Spielen ausverkauft sei, die Nachfrage nach Dauerkarten steige laut VfL weiter. 15 von 18 Clubs der Handballbundesliga verfügten über größere Arenen als der VfL. Nur GWD Minden und der ThSV Eisenach spielten in kleineren Hallen.
Mit Besucherzahlen der drittschlechteste Verein in der Liga
„Vereine vor uns in der Tabelle erzielen durch größere Arenen bis zu vier Millionen mehr Ticketeinnahmen pro Saison“, rechnet der VfL den Fans vor und sieht darin einen strukturellen Nachteil, sodass Einnahmen im Vergleich zur Konkurrenz fehlten. VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler sagte am Montag, dass eine Erweiterung „wünschenswert“ wäre. Bei Planung und Bau der Halle hätte niemand daran geglaubt, dass der VfL fortwährend vor ausverkauftem Haus spielt. Der Standort der Halle habe viel Charme und Vorteile, zugleich aber auch das Problem, dass man dort nicht mal eben erweitern könne. Dass die Halle dauernd ausverkauft sei, freue ihn unglaublich, dennoch müsse man sehen, dass der VfL mit diesen Besucherzahlen der drittschlechteste Verein in der Liga sei. Die fehlenden Kapazitäten kosteten den Verein Millionen. Ein weiteres Problem seien die fehlenden Hallenzeiten in der Arena für die Vorbereitung des Bundesligateams. Auch hier hofft Schindler, mit der Stadt eine Lösung zu finden, die einem Aushängeschild der Stadt würdig sei.
Derweil berichtet Halding-Hoppenheit, dass es bereits ein erstes Vorgespräch des Ersten und Technischen Beigeordneten Jürgen Hefner mit dem Düsseldorfer Architekturbüro HPP gegeben habe. Bei dem Termin in diesem Monat wolle man sich nun anhören, was technisch möglich sei. Die Halle sei seinerzeit in Metallbauweise errichtet worden. Ein Umbau funktioniere nur dann, wenn man die ganze Halle „anfasse“. Hinzu kämen Themen wie Treppenhäuser und Fluchtwege. „Das ist ein großes Rad.“
Nach dem Termin gelte es dann zu klären, was wirtschaftlich vertretbar sei und wer am Ende einen etwaigen Erweiterungsbau der Halle bezahle. Die Zweckbindung für die Arena, die als Schulsporthalle gebaut wurde und daher Fördermittel bekommen habe, laufe in diesem Sommer aus, sagt der Gummersbacher Bürgermeister. Neben rein technischen Fragen werde es bei den Überlegungen aber auch um rechtliche Fragen gehen. So auch darum, ob Abstandsflächen zur Nachbarbebauung eingehalten werden und ob öffentlicher Raum gegebenenfalls überbaut werde.
Der Bürgermeister wirft aber auch die Frage in den Raum, ob der VfL dauerhaft eine 6000 Zuschauer fassende Arena gefüllt bekommt. „Was, wenn es sportlich mal nicht so läuft wie aktuell?“ Sind Lücken in den Zuschauerreihen schön?“
Darum werden VIP-Tickets 39 Prozent teurer
In seinem Flyer an die VIP-Partner berichtet der VfL, dass der Ligadurchschnitt in der Saison 2024/25 pro VIP-Dauerkarte 3250 Euro netto betragen habe. „Bei uns hingegen bei 2805 Euro netto“, rechnet der Verein seinen Fans vor. Und weiter heißt es, „dass nahezu alle Konkurrenzclubs bereits zur aktuellen Saison ihre Preise erhöht“ hätten. Während der VfL in den letzten sieben Jahren nur einmal die Preise angepasst habe, hätten die Spitzenvereine regelmäßig Preiserhöhungen gehabt und dadurch ihre „wirtschaftliche Stärke konsequent gestärkt“. Schließlich nennt der VfL noch einige Vergleichszahlen: Eine VIP-Dauerkarte in Kiel liegt demnach bei 4600 Euro netto, in Magdeburg seien es 5300 Euro netto. Dieser Preisunterschied bedeute ein Millionenplus für Konkurrenz. In Gummersbach sind es aktuell besagte 2805 Euro pro Karte – und die wird in der kommenden Saison dann 3900 Euro kosten. Ein Plus von 39 Prozent pro Ticket. Wer, wie vielfach üblich, mehr als eine Karte hat, ist schnell einige tausend Euro los.

