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HochrisikogruppeDr. Albers über den Schutz älterer und vorerkrankten Patienten

4 min

Interview mit Abstand: Dr. Johannes Albers und seine Abteilung behandeln Patienten aus der Hochrisikogruppe.

  1. In unseren Sommergesprächen beschäftigen wir uns mit dem Effekt der Pandemie auf Ärzte und Selbsthilfegruppen.
  2. Dr. Johannes Albers, Chefarzt der Allgemein- und Gerontopsychiatrie Gummersbach am Klinikum Oberberg, spricht über eine Hochrisikogruppe.
  3. Im Interview mit Frank Klemmer beantwortet der Chefarzt über die Konsequenzen und Entwicklungen, denen er bei der Arbeit begegnet.

Wie lang ist der Schatten, den Corona auf die Arbeit von Ärzten und Selbsthilfegruppen wirft, wirklich? Damit beschäftigen wir uns in unseren Sommergesprächen. Heute spricht Frank Klemmer mit  Dr. Johannes Albers, Chefarzt der Allgemein- und Gerontopsychiatrie Gummersbach am Klinikum Oberberg, über eine Hochrisikogruppe.

Von Beginn an haben Sie in Ihrer Abteilung besonders schnell und besonders sorgfältig darauf geachtet, dass sich niemand mit dem Coronavirus ansteckt. Warum?

Dr. Johannes Albers: Weil unsere älteren Patienten das sind, was man eine Hochrisikogruppe nennen kann. Da geht es nicht nur um ihr Alter, sondern vor allem die sogenannten Vorerkrankungen. Bei uns sind das multiple Erkrankungen, die alle geeignet sind, einen schwereren Verlauf von Covid-19 zu begünstigen.

Wie haben Sie in der Praxis darauf reagiert?

Wir waren sehr sensibel für jede Nachricht über die Verbreitung des Virus und haben ganz früh, noch bevor diese Vorgaben überall zur Pflicht wurden, die Regeln zur Hygiene und zum Abstand umgesetzt. Außerdem haben wir sehr früh auch Abstriche bei der Aufnahme von Patienten eingeführt, die auf das Virus untersucht wurden.

Und? Gab es Corona-Fälle bei Ihnen?

Tatsächlich gab es einen Fall, in dem jemand bei der Aufnahme auf unserer Station positiv auf das Virus getestet wurde. Daraufhin wurde der Patient auf eine Isolationsstation verlegt. Darüber hinaus hatten wir keinen Fall auf der Station. Das zeigt, dass unsere Screenings sehr wirksam waren.

Welche Konsequenzen hatte die Situation denn für die tägliche Arbeit auf der Station?

Anfangs, als wir noch sehr viel weniger als heute über die Verbreitungswege wussten, waren die Einschränkungen erheblich. Therapiesitzungen konnten nur noch sehr eingeschränkt durchgeführt werden. Vor allem die Gruppensitzungen, die für unsere Patienten und ihre Behandlung wichtig sind, mussten sehr reduziert werden.

Hat sich das mit den Lockerungen auch bei Ihnen geändert?

Es ist zumindest mehr Normalität in die Arbeit eingekehrt. Das liegt nicht nur am Rückgang der Fallzahlen. Wir haben auch mehr ein Gefühl für das Virus bekommen und dafür, wie wir uns und die Patienten davor schützen können. Normalerweise haben wir Platz für bis zu 80 Patienten. Das können wir jetzt durch Hygiene- und Abstandsregeln natürlich nicht so gewährleisten.

Wie haben Ihre Patienten auf all das reagiert?

Man darf nicht vergessen: In der Gerontopsychiatrie haben wir es mit Menschen zu tun, die in ihrem Leben schon sehr viel erlebt haben, die auch schon andere Krisen durchleben mussten. Viele ältere Menschen gingen dadurch auch entspannter mit der Situation um als mancher von uns. Außerdem konnten sie sich bei uns in der Klinik durch die genannten Maßnahmen immer sicher fühlen.

Schließlich haben sie sogar ein bisschen profitiert. Denn weil wir wegen Corona weniger Patienten aufnehmen konnten, hatten wir für die, die da waren, mehr Zeit für eine enge therapeutische Zuwendung. Aber trotzdem war es nicht einfach für sie, insbesondere die Isolation und die mangelnden Kontakte zur Familie sind auch jetzt noch eine enorme Herausforderung.

Was glauben Sie, was bleibt von den strengen Regeln, unter denen Sie jetzt gearbeitet haben?

Es ist ja nicht so, als ob der Kampf gegen die Verbreitung von Viren für uns Neuland wäre. Wir haben ja eigentlich jedes Jahr eine Grippewelle oder ein Norovirus macht die Runde, vor dem wir unsere Patienten schützen müssen. Weil es für sie auch da das Risiko eines schweren Verlaufes gibt. Das kennen wir also.

Dennoch haben sich die Strukturen jetzt verändert. Und wir alle wissen, welches Risiko mit den Lockerungen jetzt verbunden ist. Deshalb denke ich schon, dass einiges von dem, was wir an Strukturen verändert haben und sich jetzt eingespielt hat, auch bleiben wird. Große Sorgen mache ich mir gerade allerdings um die Familien unserer Patienten ...

Wieso das?

Wir machen regelmäßig Fortbildungen für Angehörige, vor allem in Bezug auf den Umgang mit Demenzkranken. Das fällt gerade alles flach, auch nach den Lockerungen noch. Die sind jetzt damit völlig allein gelassen. Es wäre wichtig, wenn die Lage es zulassen würde, dass wir damit so schnell wie möglich wieder beginnen können.