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„Mann über Bord“Lindlars Steinhauer rüsten sich für die Theater-Premiere am Samstag

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Die Theatergruppe 2026 der Reinoldus-Steinhauergilde Lindlar.

Seit der vergangenen Woche probt das Ensemble 2026 für die bevorstehenden fünf Aufführungen im Lindlarer Kulturzentrum. 

Auf der„ MS Rhein-Fall“ unternimmt die Lindlarer Reinoldusgilde eine turbulente Kreuzfahrt. Einige wenige Karten sind noch zu haben. 

Na, das hat auch gerade noch gefehlt. Als wären die Macken der Charaktere im Lindlarer Steinhauertheater nicht meist per se schon zu groß für eine einzige Bühne, verlagert die Theatergruppe der Gilde ihr neuestes Stück auch noch auf ein Schiff. In seinem zweiten Jahr als Regisseur lenkt Alexander Besgen die MS Rhein-Fall, den praktisch maximal komprimierten Wahnsinn inklusive Wellengang, aber eben ohne Fluchtmöglichkeit. Andererseits macht gerade das den Reiz des Dreiakters aus, der am kommenden Samstag seine Premiere im Lindlarer Kulturzentrum feiert.

Drei Ehepaare stechen heraus

Fest steht schnell: Unter all den Dollen, die in die Vier-Sterne-Kabinen einchecken, stechen die Müllers, die Hubers und die Schneiders noch einmal heraus. Bei Erwin Müller (gespielt von Carsten Mennebröcker) ist die Liste der eingebildeten Krankheiten länger als der Amazonas – was seine Frau Luise (Monika Kuhn) regelmäßig an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringt. Dass Erwin an der Reling ausgerechnet auf den Versicherungsvertreter Kai-Uwe Knapp (Robin Kuhn) trifft, der die Eintrittswahrscheinlichkeit für alle denkbaren Hiobsbotschaften parat hält, macht die Situation natürlich nicht besser.

Wiederholungstäter beim Lindlarer Reinoldusfest

Bei den Hubers wiederum nervt Mona (Meike Breinig) mit einer schon krankhaften Jagd nach dem neuesten Schnäppchen und bei den Schneiders wittert Gatte Willibald (Luca Ullrich) in jedem weiblichen Passagier den großen Fang, unbekümmert vom Ehering an seiner Hand. Ihre notgedrungen ziemlich toleranten Partner werden von Daniel Ditger (30) und Leonie Liedtke (21) verkörpert, beide haben in diesem Jahr ihren zweiten Auftritt beim Reinoldusfest.

Es gibt diesmal nicht die klassische Hauptrolle. Dafür haben viele Charaktere ähnlich viel Spielzeit und kommen auf etwa 70 bis 80 Einsätze
Alexander Besgen, Regisseur

Dabei ist Ditger, den Monas Geiz rasend macht, dem Publikum aber schon von Mundartauftritten im Lindlarer Freilichtmuseum bekannt. Liedtke kommt aus dem Jugendtheater der Gilde. Schnäppchen- und Schürzenjäger „Damals haben wir immer gedacht: Wow, das sind die Großen. Jetzt bin ich selbst dabei. Man geht schon etwas angespannter an die Auftritte“, verrät Leonie Liedtke, die als verpeilte Nicole die ständigen Flirtaktionen ihres Willibalds schon kaum mehr beachtet.

120 Minuten Spielzeit im Lindlarer Kulturzentrum

Während Stewart Lothar (Ben Quabach) nicht nur von der arbeitsscheuen Reinigungskraft Erna (Elisa Ullrich) in Beschlag genommen wird, komplettieren die horoskop-hörige Ernestine Knapp (Mechthild Neuenhaus) und ihre Mutter Hannelore Schreck (Sabine Bülow-Quabach) die exzentrische Flussfahrtgesellschaft. In der Kiste für die Souffleuse steckt Hannelore Gerlach. Insgesamt 120 Minuten reine Spielzeit, die es allesamt in sich haben, hat die Laientruppe seit dem Herbst für das Stück „Mann über Bord“ einstudiert.

In dieser Woche laufen nun die Proben vor sehenswerter Kulisse im Kulturzentrum. „Es gibt diesmal nicht die klassische Hauptrolle. Dafür haben viele Charaktere ähnlich viel Spielzeit und kommen auf etwa 70 bis 80 Einsätze“, berichtet Regisseur Alexander Besgen. Der Schwank aus der Feder von Regina Harlander gehörte 2025 jedenfalls zu den beliebtesten Theaterstücken auf den deutschen Bühnen.

An Bord wird ziemlich schnell klar, dass es für die drei Ehefrauen nichts Schöneres gäbe, wenn der Ehemann übers Geländer plumpsen und in den Fluten des Rheins verschwinden würde. Ob ihnen das gelingt, warum die Piano-Bar ihren Namen völlig zu Recht trägt und welchen Einfluss Radio-Wahrsagerin Madame Ophelia (Laura Hödtke) und die Sterne auf das Geschehen nehmen können, wird aber erst ab Samstag verraten.


Wer Lust auf das Steinhauer-Theater 2026 bekommen hat: Restkarten für den 17. (19 Uhr), 18. (16 Uhr), 23. (19 Uhr) und 24. Januar (19 Uhr) sind bei Spielwaren Pfeifer, Hauptstraße 10, erhältlich. Einlass ins Kulturzentrum, Wilhelm-Breidenbach-Weg, ist immer eine Stunde früher.