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Serie

Bilanz 2025
In Nümbrecht ist ruhigeres Fahrwasser in Sicht

4 min
Das Bild gewährt einen Blick in die neu gemachte „Gemeinsame Mitte“ auf dem Nümbrechter Schulcampus – ein Beispiel für die Modernisierung der ganzen Schullandschaft.

Blick in die neu gemachte „Gemeinsame Mitte“ auf dem Nümbrechter Schulcampus – ein Beispiel für die Modernisierung der ganzen Schullandschaft.

In Nümbrecht könnte Altschulden-Entlastung durch das Land NRW zur nachhaltig positiven Entwicklung beitragen.

Was war? Was kommt? Wir blicken zurück auf das Jahr 2025 und voraus auf 2026. Welche Projekte sind gelungen, welche gescheitert, wo stockt es noch? Zum Serienauftakt im Blick: Nümbrecht.

Das Ergebnis der Nümbrechter Kommunalwahlen im September ähnelte stark dem von 2020: Die CDU holte erneut sämtliche Direktmandate, und auch die Bürgermeisterwahl entschied der CDU-Kandidat für sich. Obwohl er gleich drei Mitbewerber hatte, holte Thomas Hellbusch im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit und ist seither Hilko Redenius Nachfolger.

Politik und Verwaltung scheinen also nach Ansicht der meisten Wählerinnen und Wähler einiges richtig gemacht zu haben in den vergangenen Jahren – und das unter den verschärften Bedingungen einer überschuldeten Kommune mit permanent knapper Kasse.

Mammutprojekt Windkraft

Dank der geschickten Einwerbung externer Fördermittel konnte die Schlossgemeinde dennoch wieder eine Vielzahl von Projekten anschieben, fortsetzen oder abschließen. Die umfangreiche Sanierung des Schulcampus ging und geht weiter, die von Grund auf modernisierte und um ein modernes Sportlerheim mit Tribünen erweiterte Sportanlage ist inzwischen fertig. Gleich gegenüber hat die Feuerwehr ihren Neubau bezogen. Die Grundschulen bekommen ihre benötigten zusätzlichen Räumlichkeiten. Spenden und ehrenamtlicher Einsatz machten zudem die Grundsanierung des Minigolfplatzes im Kurpark möglich.

Nächstes Großprojekt: Der geplante Bau von drei Windenergieanlagen durch die Gemeindewerke Nümbrecht. Das schwergewichtige Projekt wird Schritt für Schritt vorangetrieben, auch wenn es (nicht unerwartet) Proteste von unmittelbar betroffenen Anwohnern gibt, die sich angesichts der geplanten 250-Meter-Anlagen in nur wenigen Hundert Metern Abstand von ihrem Zuhause ihre Gedanken machen.

Polit-Thriller oder Lokal-Krimi?

Ein anderes großes Projekt ist vergangenes Jahr allerdings gescheitert, zumindest fürs Erste: Der Kraftakt, als kleine Kommune ein eigenes Medizinisches Versorgungszentrum mit Strahlkraft in die Umgebung auf die Beine zu stellen, endete vorerst im Nichts. Obwohl im Medi-Center am Kurpark perfekte Räumlichkeiten winken, fanden sich einfach keine Ärzte – ein Problem, das bekanntlich auch andernorts vergleichbare Pläne ausbremst.

Und dann sorgte das Thema Park-Hotel noch mal für politischen Wellengang, diesmal eingebettet in einen – ja, in was eigentlich?   In einen Polit-Thriller? Das wäre wohl doch etwas hochgegriffen. Sagen wir: Eingebettet in einen Lokalkrimi, in dem es um eine geheimnisvoll-anonyme „Bürgerinitiative in Gründung“ geht, die auf eigene Kosten den Nümbrechter Haushaltsplan von einem externen Gutachter – nämlich dem ehemaligen Grünen-Landtagsabgeordneten und Bochumer Stadtkämmerer a.D. Manfred Busch – prüfen ließ, der ihn als „in Teilen unvollständig, fehlerhaft, widersprüchlich und irreführend“ bezeichnete (wir berichteten).

Dann spielte der vormalige Bürgermeisterkandidat Markus Schauf (parteilos) eine Rolle, der das Gutachten öffentlich machte – und schließlich trat noch ein Notar a.D. aus Solingen auf den Plan, der Strafanzeige gegen den damaligen Nümbrechter Bürgermeister Hilko Redenius stellen ließ – „Gegenstand sind mehrere Darlehen und Abschreibungen zu Gunsten der Tochtergesellschaft der Gemeinde Anton-Frese GmbH (AFE GmbH), die über den Haushalt der Gemeinde Nümbrecht gewährt wurden“.

Das alte Lied eben, zuletzt in der Politik nur noch vorgetragen von Ex-Ratsmitglied Iris Kunadt. Die Anzeige liegt noch bei der Bonner Staatsanwaltschaft. Pikantes Detail: Der besagte Solinger Notar – Hartmut Beckmann – ist der Vater von Iris Kunadt. Kurzum: Mit sehr wenig Personal wurde eine ganze Menge Staub aufgewirbelt. Kunadts Kernthema war jahrelang der Vorwurf, das Parkhotel sei unrechtmäßig durch zweckentfremdete Gemeindegelder von Redenius gerettet worden – um die Geschichte hier nur in aller Kürze zu skizzieren.

Darstellung von Eigenkapital scheint wieder möglich

Eine breite politische Mehrheit aus CDU, SPD, GUD und FDP wandte sich erst gegen Kunadt, später gegen die juristischen Vorwürfe ihres Vaters und behielt sich sogar eine Anzeige „aufgrund der wissentlich falschen Darstellung“ vor.

An diese Auseinandersetzung sei hier deshalb erinnert, weil es diese harten Bandagen in der Nümbrecht Politik ungefähr seit Sommer nicht mehr gibt. Es geht wieder deutlich geschmeidiger zu – ein Umstand, auf den auch die Politik selbst zuletzt mehrmals hingewiesen hat.

Ruhigere Fahrwasser sind in der Nümbrechter Politik in Sicht – die Hoffnung darauf basiert allerdings vor allem auf der Übertragung von fast 20 Millionen Euro Alt-Schulden auf das Land NRW – das Altschulden-Gesetz macht's möglich. Selbst die Darstellung von Eigenkapital scheint für die einzige überschuldete Gemeinde in Oberberg in greifbare Nähe zu rücken. All das ausgerechnet in einer Zeit, in der im Gemeinderat gleich sieben verschiedene Parteien und Wählervereinigungen   – von der Linken bis zur AfD – zusammenarbeiten müssen.

Weitere Stolpersteine verlegt

Das Parkhotel soll jetzt auf Vordermann gebracht werden. Schon Ende März hatte der Gemeinderat die Verwaltung damit beauftragt, eine mehrere Millionen Euro schwere Investitionsoffensive zu prüfen.

Auch das gehört in den Rückblick: Der Künstler Gunter Demnig verlegte im Sommer sechs weitere Stolpersteine im Andenken an ehemalige jüdische Mitbürger, Angehörige der Familien Herz und Goldbach.