Abo

LandschaftstagWas kann man gegen die Effekte des Klimawandels in Oberberg unternehmen?

3 min
Ein Traktor zieht eine Egge über einen staubigen Acker.

Staubiger Ackerbau nahe Waldbröl-Happach: Die Landwirtschaft kämpft mit der zunehmenden Trockenheit.  

Der Bergische Landschaftstag richtete den Blick auf die Auswirkungen des Klimawandels. Bauern und Naturschützer haben Lösungsvorschläge.

Das Problem ist dramatisch, aber Jammern hilft ja nicht. Auf einem Parcours aus Strohballen konnten Kinder die globalen Ziele der Agenda 2030 spielerisch erfahren. Das unterhaltsame Lernangebot legten die Hauptorganisatoren Manuela Thomas und Jan Spiegelberg den Besuchern als besonderes Highlight des Bergischen Landschaftstags ans Herz.

Kreisdirektor Klaus Grootens sagte bei der Eröffnung am Sonntagvormittag vor dem Roten Haus: „Der Bergische Landschaftstag ist ein Tag, an dem man etwas über das Leben in den 1441 Dörfern des Kreises lernen kann.“ Nach dem Thema „Artenvielfalt“ im Vorjahr liege der Schwerpunkt diesmal aber auf der Frage „Grünland oder Steppe?“ Gemeint waren die Auswirkungen des Klimawandels im Oberbergischen.

Mehr als 3000 Besucher im Schatten von Schloss Homburg

Nach Schätzung des Organisationsteams nutzten rund drei- bis viertausend Besucher die Gelegenheit, mit den Ausstellern an den etwa 60 Ständen unterhalb von Schloss Homburg auf der gemeinsamen Veranstaltung der Biologischen Station und des Oberbergischen Kreises ins Gespräch zu kommen.

„Wir haben Anfang des Sommers gesehen, wie aus grünen Wiesen braune Flächen wurden“, führte Grootens aus. Vor zwei Jahren habe es Schäden in Millionenhöhe bei Überschwemmungen nach Starkregen gegeben, weswegen in Hückeswagen sogar Evakuierungen notwendig wurden: „Die Auswirkungen sind immens und daher ist es wichtig, sich damit zu beschäftigen.“ Der Kreis analysiere diese Vorfälle, um mit einem „Klimawandelanpassungskonzept“ auf künftige Ereignisse reagieren zu können.

Man sieht zwei Herren und eine Dame vor Stelen stehen, die Niederschlagsmengen anzeigen.

Beim Landschaftstag diskutierten (v.l.) Michael Gerhard (Nabu), Franz Bellinghausen (Kreisbauernschaft) und Heidi Waldner (Landfrauen).

Christine Meyer-Cords, Vorsitzende des Trägervereins der Biologischen Station Oberberg, sagte: „Wir möchten den Fokus in diesem Jahr auf die Gefahren für uns und die Tiere und Pflanzen in unserer Bergischen Kulturlandschaft legen.“ In einem Interview mit Franz Bellinghausen, dem Vorsitzenden der Kreisbauernschaft, und Michael Gerhard vom Vorstand des Nabu Oberberg fragte Meyer-Cords: „Steppe klingt nach Panik. Ist es wirklich so schlimm?“

In diesem Sommer reichte der Regen in Oberberg aus

Franz Bellinghausen machte deutlich: „Für uns Landwirte sind die Auswirkungen des Klimawandels längst spürbar – obwohl in diesem Jahr nach kurzer Dürre für das Grünland und den Mais ausreichend Regen gefallen ist.“ In den vergangenen Jahren sei es aber schwierig gewesen, die Tiere im Sommer satt und auch noch ausreichend Futter für den Winter zu bekommen. Meist hätte er zukaufen müssen. Wenn es im Sommer regne, steige mit zunehmender Temperatur die Verdunstung, erläuterte Bellinghausen. Er unterstrich die Notwendigkeit, ausreichend Flächen für die Landwirtschaft zu erhalten, um die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen: „Wenn wir so weitermachen, dann hilft es nicht, mit dem E-Auto zum Bäcker zu fahren – dann hat der nämlich keine Brötchen mehr.“

Nabu-Vorstand Michael Gerhard berichtete, dass sich im Oberbergischen schon neue Tierarten ansiedeln. So sei der am Mittelmeer beheimatete Trauer-Rosenkäfer in Deutschland früher gelegentlich in süddeutschen Weinanbaugebieten anzutreffen gewesen. Jetzt lebe er auch im Bergischen bis in Höhen von 400 Metern. Verlierer seien dagegen die Amphibien, denen immer weniger Feuchtbiotope zur Verfügung stünden.

Gerhard forderte den Rückbau früher notwendiger Entwässerungsanlagen: „Jeder Tropfen Regen muss im Wald und auf den Landwirtschaftsflächen bleiben – die trockenen Jahre haben uns das Fürchten gelehrt.“ In Neubaugebieten könne die Anlage von Zisternen die Brauchwasserversorgung im Sommer gewährleisten: „Es muss bald etwas passieren, sonst gibt es in 20 Jahren keinen Gartenbau mehr.“

Der nächste Landschaftstag am Schloss wird erst wieder in zwei Jahren stattfinden, für 2024 ist ein „Bergischer Nachhaltigkeitstag“ auf dem Lindlarer Metabolon-Gelände geplant.