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Interview

Ausblick 2026
Bürgermeister möchte den Reichshofern die Verwaltung näher bringen

3 min
Das Foto zeigt Bürgermeister Jan Gutowski (48) in Reichshof-Denklingen.

Jan Gutowski (48) ist seit letztem Herbst Bürgermeister der Gemeinde Reichshof.

Jan Gutowski  (48) ist seit Herbst Bürgermeister. Im Interview spricht er über verschiedene Vorhaben, die 2026 erledigt werden sollen.

Herr Gutowski, welches Thema oder Projekt soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein?

In diesem Jahr möchte ich den Bürgerinnen und Bürgern vor allem unsere Verwaltung noch näherbringen. Dies soll in Teilbereichen durch Digitalisierung erfolgen, z. B. durch die Möglichkeit der Online-Antragstellung, in anderen Bereichen durch eine weiterhin freundliche und serviceorientierte „Verwaltung vor Ort“ sowie durch ein hohes Maß an Transparenz und gezielter Informationsvermittlung. Wenn die Menschen wissen, was ihre Verwaltung alles leistet und an welchen Stellen ihr rechtlich oder tatsächlich die Hände gebunden sind, führt das zu einem besseren Verständnis. Wir sind bereits eine bürgerfreundliche und serviceorientierte Verwaltung, wollen uns aber kontinuierlich weiter verbessern. Entscheidend ist doch, dass wir nur gemeinsam stark sind, unabhängig ob Verwaltung, Politik oder Bürgerschaft.

Was soll sonst noch fertig werden?

Wir könnten ein ganzes Buch über die Bereiche schreiben, in denen wir gerne investieren würden oder dringend investieren müssen. Vorrangig ist da der Zustand der Straßen zu betrachten, die teils in sehr schlechtem Zustand sind. Viele sind noch nie erstmalig ausgebaut worden. Die Reparaturkosten für die Beseitigung der immer häufiger auftretenden Schäden, die wir im Rahmen unserer Verkehrssicherungspflicht durchführen müssen, steigen kontinuierlich. Wir kommen daher nicht umhin, das Thema Straßenausbau prioritär anzugehen. Aber auch andere große Projekte, etwa der Ersatzneubau der Sporthalle in Denklingen, müssen in absehbarer Zeit final geplant werden.

Wie geht es weiter mit der ehemaligen Kaserne? Kehrt die Bundeswehr nach Reichshof zurück?

Hierzu liegen uns derzeit leider keine neuen Informationen vor.

Finanziell ist Reichshof nicht mehr so auf Rosen gebettet wie früher, doch beim Altschuldenentlastungsgesetz ist Reichshof leer ausgegangen. Wie beurteilen Sie das?

Es hinterlässt sicherlich einen bitteren Beigeschmack, wenn Kommunen wie Reichshof, die grundsätzlich verantwortungsvoll gewirtschaftet haben, bei der finanziellen Entlastung unberücksichtigt bleiben. Sollte das Altschuldenentlastungsgesetz in solchen Fällen nicht angepasst werden, wäre dies aus meiner Sicht ein falsches Signal an die Verantwortungsträger in Politik und Verwaltung. Daher appelliere ich dringlichst an die zuständigen Gremien, durch eine entsprechende Gesetzesänderung für eine gerechte Gleichbehandlung der Kommunen zu sorgen.

Immerhin gibt es für Reichshof Geld aus dem NRW-Infrastrukturgesetz. Wie viel erwarten Sie, und wofür soll es ausgegeben werden?

Es wurden 9,35 Millionen Euro bewilligt. Das Geld wird im Investitionsplan des Haushalts 2026 und der Folgejahre mit jeweils 780.000 Euro pro Jahr eingeplant, wobei auch der Anteil für das Jahr 2025 noch abgerufen werden kann. Eine Zuordnung von Maßnahmen ist noch nicht erfolgt. Aber gemäß des Verwendungszwecks sollen die Kommunen anstreben, den Förderbetrag wie folgt zu investieren: 50 Prozent in die Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur, 20 Prozent in die Sanierung von Liegenschaften (z.B. in energetischer Hinsicht oder Klimaschutz), 30 Prozent in Verkehrs- und Sportinfrastruktur, Digitalisierung und öffentliche Sicherheit. Zuerst muss die Haushaltssatzung 2026 mit Haushaltsplan und Investitionsprogramm beschlossen werden, denn bis dahin befinden wir uns noch in der „vorläufigen Haushaltswirtschaft“ und sind bei Investitionen nur sehr eingeschränkt handlungsfähig.

Viele Ihrer oberbergischen Kollegen sind wie Sie neu im Amt. Haben Sie schon alle kennengelernt?

Tatsächlich gab es bereits zahlreiche Veranstaltungen und Treffen, bei denen sich die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister kennenlernen und austauschen konnten. Der Austausch über gemeinsame Themenfelder funktioniert sehr gut. Wir haben nicht nur große Motivation für unsere anspruchsvolle Aufgabe, sondern auch schnell erkannt, dass wir in vielen Bereichen gemeinsam deutlich besser vorankommen. Ich freue mich daher sehr auf weitere Gespräche und eine konstruktive Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Was   ist Stand der Dinge beim Glasfaserausbau in Reichshof?

Der Glasfaserausbau im Bereich privater Haushalte wäre derzeit nur im eigenwirtschaftlichen Ausbau möglich. Hierfür fehlt aktuell jedoch die erforderliche Nachfrage. Unsere Gewerbegebiete wurden in der Vergangenheit bereits vorrangig mit Glasfasertechnologie ausgebaut, um der Wirtschaft eine zukunftsfähige Infrastruktur bereitzustellen. Die Nachfrage in diesem Bereich ist bislang jedoch noch zurückhaltend. Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung rechne ich jedoch künftig mit einer steigenden Nutzung des bestehenden Angebots.