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Unsichere ZukunftBildungsprojekt „Start“ hofft auf frisches Geld

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Das Foto zeigt Teilnehmer und Mitarbeitende des Start-Projekts.

Teilnehmer und Mitarbeitende des Start-Projekts.

Jugendliche und junge Erwachsene können bei "Start" ihren Schulabschluss nachholen. Doch das Projekt steht finanziell auf wacklingen Füßen.

Zu große Klassen, Mobbing, Suchtprobleme, Nachwirkungen der Corona-Pandemie: Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene kommen im Regelschulbetrieb nicht zurecht, manche brechen ihre Schule ganz ab, stehen dann ohne Abschluss da.

So ging es auch Benjamin, 19 Jahre, aus Hückeswagen. Doch dann hätten ihn Mitbewohner seiner Wohngruppe auf das „Start“-Projekt in Hückeswagen aufmerksam gemacht, erzählt er. Jugendliche und junge Erwachsene können hier ihren Schulabschluss nachholen und werden, wenn möglich, in eine Ausbildung vermittelt. Die Teilnehmer können hier in kleinen Gruppen lernen, Lerndefizite lassen sich gezielt angehen, auf individuelle Probleme wird Rücksicht genommen.

90 Prozent Erfolgsquote

Der Erfolg gibt dem Projekt recht. Seit 2010 hat Start schon mehr als 350 jungen Frauen und Männern geholfen, wieder in die Spur zu kommen. Rund 90 Prozent von ihnen konnten den Hauptschulabschluss absolvieren, etliche haben noch den Realschulabschluss obendrauf gepackt. Ohne die Start-Hilfe wären manche von ihnen wohl in der Sozialhilfe gelandet.

Aktuell betreut das Projekt, das von der Ökumenischen Initiative in Wipperfürth getragen wird, rund 25 junge Leute, dazu kommen noch fünf weitere in der Vor- und Nachbereitung. 14 Jahre alt ist die jüngste Teilnehmerin, sie ist vom regulären Schulunterricht befreit. Der Andrang ist groß, es gibt eine Warteliste.

Ohne Zuschüsse drohen Kündigungen

Doch finanziell steht „Start“ auf wackligen Füßen, zum wiederholten Mal. Vor einem Jahr drohte das Aus des erfolgreichen Projekts, nachdem sich das Jobcenter Oberberg aufgrund von Kürzungen des Bundes aus der Förderung zurückzog.

Der Oberbergische Kreis, die drei Nordkreiskommunen Wipperfürth, Hückeswagen und Radevormwald und die Hans-Hermann-Voss-Stiftung sprangen ein und stellten als Zwischenfinanzierung für ein Jahr gemeinsam eine Summe von 150.000 Euro zur Verfügung. Alexander Besgen ist Projektleiter von „Start“, Anika Buchheim ist Geschäftsführerin der Öku-Ini.

Gut vernetzt

Aktuell laufen Gespräche über eine mögliche Verlängerung, berichten beide. Doch entschieden ist noch nichts. „Falls es mit der Verlängerung nicht klappt, müssen wir spätestens am 1. Mai Mitarbeitern kündigen“, sagt Besgen. Aktuell sind vier Vollzeitkräfte angestellt, Ehrenamtler unterstützen sie.

In den vergangenen Monaten haben Besgen, Buchheim und andere Verantwortliche ihr Netzwerk immer weiter ausgebaut. Mit der Sporthochschule Köln besteht seit kurzem eine Kooperation zum Thema „Tanz, Theater und Demokratie“. „Wir bauen dazu ein Videogame mit den Teilnehmern“, erzählt Besgen.

Zusammenarbeit mit den Berufskollegs

Dank Unterstützung der Bergischen Agentur für Kulturlandschaft können die „Startler“ ab April an Workshops teilnehmen, etwa zum Thema Upcycling und Naturschutz. Die Teilnehmer erhalten dafür ein Zertifikat, dass bei der Suche nach einem Praktikumsplatz oder einer Ausbildungsstelle nützlich sein kann.

Besgen und Buchheim versprechen sich auch viel von der Kooperation mit dem Remscheider Unternehmensberater und Netzwerker Holger Häde, der einen „Zukunfts-Campus“ (ZuCa) ins Leben gerufen hat. Das soll ebenfalls helfen, Start-Teilnehmer in eine Ausbildung oder ein Praktikum zu vermitteln.

Auch die Berufskollegs in Oberberg greifen gerne auf „Start“ zurück, wenn Schülerinnen oder Schüler im normalen Betrieb nicht zurecht kommen. „Immer wieder hören wir von den Berufsschulen ‚zum Glück gibt es Euch‘,“ sagt Olivia Schwarz, Mitarbeiterin von Start. Die Ressourcen an den staatlichen Schulen seien schlicht nicht ausreichend, es gebe viel zu wenig Schulsozialarbeiter, ergänzt Buchheim.

Sie hofft, dass Start wenigstens weiterhin eine Basisförderung von 150.000 Euro im Jahr erhält. Damit könne man 15 Jugendliche und junge Erwachsene weiter betreuen. Um das Projekt in der ursprünglichen Größe zu halten, benötige Start einen jährlichen Zuschuss von 280.000 Euro. Gespräche gibt es auch mit den Inhabern des Wipperfürther Edeka-Supermarktes, Jochen und Georg Offermann. Sie wollen das Projekt für eine längerfristige Förderung bei der Edeka-Stiftung vorschlagen. Das könnte zumindest einer von vielen Bausteinen der Finanzierung sein.

Hoffen auf eine Zukunft

Auch Benjamin hofft, dass es für Start eine Zukunft gibt – und damit auch für ihn. Der 19-Jährige ist hoch motiviert: „Ich will jetzt unbedingt meinen Hauptschulabschluss machen und dann eine Ausbildung beginnen.“