Ein neuer Schulcampus, die Regionale 2025 unddas InHK 2.0. Im Jahr 2025 wurden in Wipperfürth viele Projekte für die nächsten Jahrzehnte angestoßen.
Jahresrückblick2025 wurden in Wipperfürth viele Weichen gestellt

Der Siegerentwurf für den geplanten Schulcampus Mühlenberg.
Copyright: h4aArchitekten Düsseldorf
2025 war kein Jahr wie jedes andere in der Hansestadt Wipperfürth. Und das liegt nicht nur an den Ergebnissen der Kommunalwahl, bei der erstmals die AfD in den Stadtrat einzog. In den ersten Monaten nach der Wahl hielt sich die fünfköpfige AfD-Fraktion bislang eher zurück und stimmte auch dem Haushalt für 2026 zu. Neu im Rat ist auch das BSW.
Im vergangenen Jahr wurden viele Weichen für die Entwicklung der nächsten Jahrzehnte gestellt, die mit Investitionen in Rekordhöhe verbunden sind. Das größte und wohl auch wichtigste Projekt ist der neue Schulcampus Mühlenberg, der die Haupt- und Realschule – erbaut in den 1960er und 70er Jahren – ersetzen soll.
Die größte Investition in der Geschichte der Stadt
13 renommierte Architekturbüros und ebenso viele Landschaftsplaner hatten ihre Entwürfe eingereicht. Eine 40-köpfige Jury wählte die Gewinner des Wettbewerbs. Der Siegerentwurf aus Düsseldorf und Hannover besticht durch sein Campus-Prinzip mit verschiedenen Gebäudeteilen und nachhaltigen Materialien. Geht alles glatt, könnte hier 2030 der Unterricht beginnen. Auf 65 bis 90 Millionen Euro werden die Baukosten veranschlagt, die größte Investition in der Geschichte der Stadt Wipperfürth.
Auch in andere Schulen wird die Stadt viele Millionen Euro stecken. Schadstoffprobleme gibt es am EvB-Gymnasium (PCB) und an der Grundschule Wipperfeld (Asbest). Erweiterungen stehen an den Grundschulen in Kreuzberg, der Mühlenberg-Schule und der Antoniusschule an.
Diskussion um die Zukunft der Dorfgrundschulen
Die FDP hatte 2025 für Schlagzeilen gesorgt mit ihrer Forderung, die drei Dorfgrundschulen bis 2030 zu schließen und sich auf die drei Standorte in der Stadt zu konzentrieren. Die anderen Fraktionen lehnten eine solche Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt ab. Die Frage, wie die Grundschullandschaft der Zukunft aussehen soll, muss aber weiter diskutiert werden.
Mit dem Regionale-Projekt „Auf zu neuen Ufern“, das unter anderem ein neues Quartier auf dem Radium-Parkplatz an der Wupper vorsieht, und dem Integrierten Handlungskonzept 2.0 für die nördliche Innenstadt hat Wipperfürth zwei weitere Mammutprojekte vor der Brust. Zwar kann die Stadt mit Fördermitteln rechnen, sie muss aber einen Eigenanteil stemmen.
Musikschule sorgte für Schlagzeilen
Für Diskussionsstoff sorgte 2025 die Zukunft der Musikschule und die Umsetzung des Herrenberg-Urteils. Bislang waren die Dozenten freiberuflich angestellt, doch ein Urteil des Bundessozialgerichts setzt dem enge Grenzen. Die Folge: Nach viel hin und her sind die meisten Lehrkräfte nun bei der Stadt fest angestellt und haben Anspruch auf Sozialleistungen.
Um die Mehrkosten von rund 400.000 Euro zumindest ein wenig zu kompensieren, wurden zum 1. Januar 2026 die Gebühren um 15 Prozent erhöht. Die Politik – allen voran die CDU – hat deutlich gemacht, dass sie seitens der Musikschulleitung weitere Vorschläge für Einsparmöglichkeiten erwartet.
Kontroverse beim Thema Grundsteuer
Eine Kontroverse gab es beim Thema Grundsteuer. Zunächst hatte der Rat, entgegen der Empfehlung des Kämmerers, Ende 2024 für geteilte Hebesätze gestimmt – aufgeteilt nach Wohn- und Nichtwohngrundstücken. Das Land NRW hatte den Kommunen diese Möglichkeit ausdrücklich eingeräumt.
Doch Ende 2025 kam die Kehrtwende. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hatte entschieden, dass die von vier Ruhrstädten festgelegten höhren Steuersätze für Nichtwohngrundstücke verfassungswidrig seien. Mit Ausnahme der CDU, die für ein Festhalten an den geteilten Hebesätzen votierte, stimmten alle Fraktionen nun für eine einheitlichen Hebesatz, weil ihnen das Risiko von Steuerausfällen als zu groß erschien.
Ein Dauerthema in Wipperfürth war und bleibt der Autoverkehr in der Innenstadt. Die Sperrung der Hochstraße stieß zunächst auf viel Widerstand. Mittlerweile ist die neue barrierefreie Bushaltestelle auf der Hochstraße in Betrieb gegangen, zwei versenkbare Poller sorgen dafür, dass nur Busse und Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst die Straße passieren können. Eine Verkehrszählung soll zeigen, wie sich der Autoverkehr in der Innenstadt verteilt und Aufschluss geben über die Verkehrsbelastung, vor allem der Ringstraße und der Dr.-Eugen-Kersting-Straße.
Zum Thema Verkehr gehört auch der Busbahnhof, der alles andere als ein schönes Entree bietet. Dass ein neuer Busbahnhof nötig ist, darin sind sich alle Beteiligten einig. Aber die Planung kommt nur sehr schleppend voran. Im Mai 2022 wurde ein neuer Entwurf öffentlich vorgestellt, der Bus-, Auto- und Fahrradverkehr miteinander verknüpfen soll. Das einzig Sichtbare, was seitdem umgesetzt wurde, sind ein paar Boxen, in denen sich Fahrräder abschließen lassen.
Ein Denkmal für die Opfer des NS-Terrors
Im Umgang mit der NS-Geschichte gab es 2025 zwei bewegende Ereignisse. Im Juni wurde auf dem Hausmannsplatz ein Denkmal für die Opfer des NS-Terrors eingeweiht – ein Entwurf des Wipperfürther Künstlers Michael Wittschied. Und unter großer Anteilnahme verlegte der Kölner Gunter Demnig im Dezember einen Stolperstein für Klara Raffelsieper aus Erlen, die im Sommer 1941 im Namen des nationalsozialistischen Rassenwahns in Hadamar ermordet worden war.

