Nach 66 JahrenBergisch Gladbachs wohl älteste Friseurmeisterin schließt ihren Salon

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Ingrid Wilms steht mit ihren Mitarbeiterinnen und ihrer Familie im Laden. Sie hält einen Blumenstrauß in den Händen.

Nach 66 Jahren schließt Ingrid Wilhelm ihren Friseursalon.

Ingrid Wilhelm hat Ende er 50er-Jahre  ihre Meisterprüfung abgelegt und in Bergisch Gladbach ihren Salon eröffnet.

Ingrid Wilhelm war schon im Friseur-Geschäft, „als die Wartezeit noch mit Stricken, Häkeln und Klönen verbracht wurde“, erzählt sie. Die Warteschlange habe sich nicht selten bis in den Verkaufsbereich erstreckt, „aber niemand hat gemeckert“, erinnert sie sich. Wilhelm habe Klappstühle für die Wartenden aufgestellt und die Damen tauschten die neuesten Geschichten aus. „Einige haben im Hochbetrieb selber mit Hand angelegt und zum Besen gegriffen oder die Wickler aus den Haaren herausgenommen“, erzählt sie.

1949, mit gerade einmal 13 Jahren, begann die Gladbacherin ihre Friseurlehre. Sieben Jahre später folgte die Meisterprüfung, die sie als jüngste Absolventin in der Region ablegte.

In einem Friseursalon stehen alte Stühle und Hauben.

Ingrid Wilhelm eröffnete Ende der 50er-Jahre ihren Friseursalon, in dem sich ihre Kundinnen wöchentlich zum „Legen und Föhnen“ trafen. Nun schließt sie nach 66 Jahren aus finanziellen Gründen. Ihre Stammkundschaft kam bis zum Schluss regelmäßig.

Damit stand der Weg offen für einen eigenen Salon. Einen Monat nach der Meisterprüfung eröffnete die damals 21-Jährige den „Salon Ingrid“, einen reinen Damensalon im Haus ihrer Mutter. Heute kann man sich kaum vorstellen, dass Wilhelm am Anfang mit ihrem Beruf haderte. „Es war nie mein Traum, Friseurin zu werden oder einen eigenen Laden zu eröffnen“, gesteht sie.

Dass der Salon 66 Jahre später immer noch geöffnet ist, hätte sie sich nicht vorstellen können, „aber ich hatte einfach Spaß an dem Beruf. Deswegen habe ich den Salon nicht geschlossen“, erklärt sie und fügt an: „Andere Leute haben das Tanzen im Blut und ich eben die Haare.“ Vor fünf Jahren hat sie im Interview mit dieser Zeitung noch angekündigt, dass sie niemals aufhören werde. Doch jetzt lohne sich das Geschäft nicht mehr. Nach fast sieben Jahrzehnten im Friseurhandwerk verabschiedet sich die mittlerweile 87-Jährige nun doch in den Ruhestand. Dazu haben sich ihre Familie und Mitarbeiterinnen im „Salon Ingrid“ versammelt.

In einem Friseursalon stehen alte Friseurutensilien.

Ingrid Wilhelm eröffnete Ende der 50er-Jahre ihren Friseursalon, in dem sich ihre Kundinnen wöchentlich zum „Legen und Föhnen“ trafen. Nun schließt sie nach 66 Jahren aus finanziellen Gründen. Ihre Stammkundschaft kam bis zum Schluss regelmäßig.

Der Obermeister der Friseurinnung Bergisches Land Rüdiger Stroh ist zu diesem Anlass extra gekommen und spricht ihr im Namen der Kreishandwerkerschaft großen Respekt für ihr jahrzehntelanges Engagement im Friseurhandwerk aus.

Da Wilhelms Mann auch Friseur war, erweiterten die beiden das Geschäft um einen Herrensalon. Auch nach seinem Tod vor elf Jahren führte die Gladbacherin den Laden weiter. So habe sie den Kontakt zu den Kundinnen und Kunden halten können. „Die sind auch sehr traurig und wissen noch nicht, wo sie jetzt hingehen sollen. Wir kennen uns ja schon seit Jahrzehnten und haben viel geteilt. Ich kenne die Enkel und Kinder von den meisten“, erzählt sie.   Die Trennung von ihnen schmerze Ingrid Wilhelm am meisten.

„Die netten Gespräche und die Abwechslung werden mir fehlen“ befürchtet sie. Auch für ihre beiden Mitarbeiterinnen tue es ihr von Herzen leid. „Wir waren ein eingeschworenes Team“, erzählt sie. Angelika Felder arbeite 35 Jahre und Monika Kirch seit über 30 Jahren im Salon Ingrid. „Auch wir werden die Zeit vermissen, aber wir behalten den persönlichen Kontakt. Es war nicht nur ein Job, sondern eher schon ein familiäres Miteinander“ sagen beide.

Große Pläne für den Ruhestand hat Ingrid Wilhelm noch nicht. Nach den bewegenden Jahrzehnten möchte sie es jetzt erst einmal ruhig angehen lassen.

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