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Kritik am LandratWie die Bergisch Gladbacher Karnevalisten die Session erlebt haben

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Das Bergisch Gladbacher Dreigestirn sitzt am Tisch bei der Karnevalsnachlese.

In die Freude über die gelungene Session mischte sich bei (v.l.) Bauer Andreas (Rossa), Prinz Frank III. (Haag) und Jungfrau Melanie (Pfister) später manches Abschiedstränchen.

Die Karnevalisten in Bergisch Gladbach trafen sich im Ballsaal von Schloss Bensberg zur Nachlese der Session 2022/2023.

Noch zu Beginn der zurückliegenden Session hätte es mancher nicht für möglich gehalten, dass der Karneval so kraftvoll zurückkehren würde. Bei der Nachlese der Karnevalisten in der Kreisstadt waren sich die Redner gestern auf Schloss Bensberg darin einig: Einen erheblichen Anteil an der „karnevalistischen Wiederauferstehung“, wie sie Martin Gerstlauer von der Brauchtumsvereinigung nannte, hatte das Dreigestirn. „Ihr habt die Rolle der drei Symbolfiguren im Bergisch Gladbacher Karneval noch einmal auf ein neues Level gehoben“, lobte Gerstlauer. „Ihr seid unsere Helden des Karnevals.“

„Karneval zwischen Euphorie und Nachdenklichkeit – das habt ihr gelebt“, würdigte Bürgermeister Frank Stein das scheidende Trifolium, das zu jeder Gelegenheit den richtigen Ton gefunden habe. Neben dem Dank an Polizei, Feuerwehr und Hilfsorganisationen hob Martin Gerstlauer vor den zahlreichen geladenen Gästen auch den Einsatz von Große-Gladbacher-Präsident Alexander Pfister (Mr. Braveheart) hervor: Trotz schwerer Verletzung habe er alles für den Karneval, das Dreigestirn aus der eigenen KG und das Brauchtum gegeben.

Dann der erste Zug nach ganzen vier Jahren (der im Jahr 2020 war wegen einer Sturmwarnung kurzfristig ausgefallen): „Gefühlt war es jetzt der schönste, größte, bunteste und emotionalste Zug, den wir je hatten“, befand Gerstlauer. „Noch nie hat das Motto so gepasst wie in diesem Jahr“, so Gerstlauer: „Su wie fröher – nu noch schöner!“

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Neben einem großen Lob für   Zugleiter Helmut Kraus und seinen Stellvertreter Heribert Häuser, der „irgendwann“ die Leitung übernehmen werde, vergaß Gerstlauer nicht, auch auf die Karnevalsveranstaltungen hinzuweisen, die weniger gut besucht waren als in der Zeit vor der Pandemie. Das könne „vielfältige Gründe“ haben, vermutete Gerstlauer. „Vielleicht sind auch noch nicht wieder alle Jecke so jeck, wie wir es sind.“

Dass einige kleinere Veranstaltungen nicht mehr stattgefunden hatten, bedauerte der Brauchtumschef. Dass der Tollitätenempfang im Kreishaus nicht wieder stattgefunden habe, erwähnte Gerstlauer mit deutlicher Kritik in Richtung von Landrat Stephan Santelmann, der ebenso wie Bürgermeister Stein und Bundestagsabgeordneter Hermann-Josef Tebroke am Dreigestirnstisch saß. Er sei „irritiert“ gewesen, formulierte Gerstlauer, dass der Empfang im Kreishaus mit der „Begründung Corona“ abgesagt worden sei – „zumal ja im selben Hause am nächsten Tag die Karnevalsfeier des Personalrats stattgefunden hat“, so Gerstlauer.

Als „eins der besten Dreigestirne, die wir je hatten“ bezeichnete Große-Gladbacher-Präsident Alexander Pfister das Trifolium, in dem für seine Frau Melanie ein Traum in Erfüllung ging. Mit stockender Stimme entschuldigte er sich bei seiner Gesellschaft, dem Dreigestirn „und ganz besonder bei dir, Melanie“ für all das, was durch seinen Trümmerbruch seines Schienbeins „nicht geklappt“ habe. Auch Bürgermeister Frank Stein, Prinzengarde-Kommandant Marco Wasserberg und unter Tränen auch Jungfrau Melanie würdigten indes als außergewöhnlich, was Pfister alles – trotz der Einschränkung – teils aus dem Krankenhaus noch organisiert hatte. Ganz zu schweigen von den Moderationen, die er unter Schmerzen absolvierte.

Eine Überraschung und Premiere beim Prinzenessen hatte Pfister zudem noch in petto: einen vierminütigen Film von Timuçin Kniege und Henry Fiedler über die   vergangenen Jahre, in denen das lauernde Dreigestirn zweimal durch die Pandemie ausgebremst wurde, bevor es schließlich in eine großartige Session startete.

In emotionalen Worten dankten Prinz, Bauer und Jungfrau allen, die sie dabei begleitet hatten: von den Familien über die Prinzenführer, Adjutanten und die Prinzengarde bis hin zur Großen Gladbacher und zahlreichen Helfern und Unterstützern. Dabei habe die Pandemie-Zeit am Ende sogar noch etwas Gutes erkennen lassen, so Frank III. mit Blick auf den Karneval: „In zwei Jahren Pause haben wir alle festgestellt, was wir brauchen, was uns fehlt und was wir zurückholen wollen.“

„Unsere wundervolle Reise geht nun zu Ende“, begann Jungfrau Melanie ihren Dank und freute sich am Ende, dass auch die Säulen der Großen Gladbacher, Prinzengarde, Senat und Strunde-Pänz („meine Kinder“), näher zusammengerückt seien.

Bauer Andreas bekannte, dass sich mit der Anfrage von Frank Haag und Melanie Pfister, ob er Bauer werden wolle, sein „Leben verändert“ habe. „Es war eine tolle Reise mit euch und die geht weiter“, zeigte er sich überzeugt.

Als ersten Schritt nahm die drei denn auch Peter Hübsch (Prinz 1984) in die In die „Hall of Fame“ der Ehemaligen auf – ein verdientes Finale.

Auch Martin Hardenacke, so würdigte Gerstlauer, sei unterdessen eine zuverlässige Säule, da er seit Jahren Dreigestirnslieder schreibe, den Zug kommentiere und in diesem Jahr zudem ,mit Ralf Hahn ein Mitsingkonzert vor dem Zug am Rathaus auf die Beine gestellt habe.


Das neue Bergisch Gladbacher Sessionsmotto

„Jeck wie nie – mit vill Poesie!“ lautet das Bergisch Gladbacher Motto für die nächste Session, das Vertreter der Vereinigung zur Erhaltung und Pflege heimatlichen Brauchtums Bergisch Gladbach und des Festkomitees Bensberger Karneval (FBK) beim Prinzenessen präsentierten. Erste Jecke begannen sofort mit Schmieden von Kostümideen.

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