Die Vorbereitungen für die fast dreimonatige Streckensperrung der S11 laufen in Bergisch Gladbach
StreckensperrungGrüne Täfelchen für die Pendler, die aufs Rad umsteigen

Die S-Bahn hat ab Freitag Pause für 84 Tage
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Keine Sorge, die S-Bahn kommt im Juli wieder: Die vorerst letzte Bahn von Bergisch Gladbach nach Köln fährt an diesem Freitag um 20.33 Uhr ab. Ankunft Köln Hauptbahnhof auf Gleis 11 B-C um 20.53 Uhr. Und dann ist Pause für 84 Tage. Es beginnen umfangreiche Bauarbeiten auf der gesamten Strecke, bis 3. Juli, 21 Uhr.
Unter anderem für das digitale Stellwerk am Bahnhof in Köln-Mülheim und als Vorbereitung für den zweigleisigen Ausbau in den kommenden Jahren. Millionen werden investiert. An besagtem Freitag um 20.50 Uhr rollt der erste Schienenersatzbus ab Bergisch Gladbach Busbahnhof, Linie S11A, in Richtung Bahnhof Mülheim.
Dort steigen Reisende in die neu geführte S11-Linie in Richtung Flughafen Düsseldorf ein, und um 21.43 Uhr kommt der Kölner Hauptbahnhof in Sicht. Längere FahrtzeitVon 20 Minuten verlängert sich die Fahrtzeit auf 53. Für die rund 15.000 Pendlerinnen und Pendler werden die nächsten Monate also eine harte Geduldsprobe, trotz aller Bemühungen der Planer.
Viele Möglichkeiten
Fahrvarianten mit der zweiten Ersatzbuslinie S11B zur KVB-Haltestelle „Dellbrück Mauspfad“ oder über Refrath (mit dem Linienbus) und der Stadtbahn (Linie 1) müssen die Pendler individuell ausprobieren. Ab Freitag werden die meisten wohl mit der Bahn-App auf dem Smartphone unterwegs sein.
Wer kann, steigt aufs Fahrrad. Ja, Gladbach ist dem „Radl da“. Es wird eine Deutschland-Premiere, denn der Nahverkehrsverbund go.Rheinland und die Anliegerkommunen setzen bei der Sperrung auf das Fahrrad. Einerseits kommen S11-Bikes, lila eingefärbt, zum Einsatz, die an allen Bahnhöfe von Bergisch Gladbach bis Köln-Mülheim kostengünstig fürs Radpendeln ausgeliehen werden können.
Mit dem S-Bike fahren
Morgens werden je zehn S11-Bikes an den fünf Bahnhöfen (Gladbach, Duckterath, Dellbrück, Holweide, Mülheim) stehen (50 insgesamt), die Ausleihe funktioniert mit der bekannten App „Nextbike“ (1 Euro je 15 Minuten, 30 Freiminuten je Ausleihe für Nutzer Deutschlandticket, Reservierung bis 15 Minuten vor Ausleihe) Anderseits sollen auch grüne Hinweistafeln Radfahrern den Weg weisen. „Route 2“ steht auf den Täfelchen, die ab dem Gladbacher Bahnhof zu finden sind, immer mit dem Hinweisgeber „Bergisch Gladbach“ oder „Köln“.
Vor ein paar Tagen waren Mitarbeitende der Stadt auch an der Ecke Gohrsmühle und Zanders-Einfahrt beschäftigt, um die Richtungsweiser zu befestigen. Die gab es nämlich bislang nicht, die Bahnsperrung macht es möglich. Wie während der Pressekonferenz vor ein paar Tagen zur Streckensperrung angekündigt, sind die grünen Täfelchen ein Zusatzangebot für die Pendler.
Durchs Zandersgelände
Schnellen Pedaltrittes soll es vom Bahnhof in Bergisch Gladbach Richtung Papierfabrik Zanders gehen, durchs Firmengelände und anschließend, nach Bekanntschaft mit den viel befahrenen Gladbacher Straßen, in Höhe Finanzamt Refrather Weg auf die seit fast sieben Jahrzehnten stillgelegte Straßenbahntrasse. Über die Gierather Straße geht es später auf Kölner Stadtgebiet, über Dellbrück und Holweide nach Köln.
Ganz fertig geplant ist diese Radpendlerroute 2 noch nicht, dennoch setzen die Akteure auf den Erfolg der provisorischen Beschilderung. Die Zusage von go.Rheinland steht jedenfalls: Ab dem 10. April, also pünktlich zum Baustellenstarte der S11, soll die Strecke vollständig markiert sein. Es kann also sein, dass am heutigen Mittwoch noch ein paar Schildchen fehlen. Es sind ja auch noch zwei Tage bis zum 10. April.
Hilfe vom ADFC
Eine genauen Blick werfen auch die Interessenverbände der Radfahrenden auf die bevorstehenden Ereignisse. Beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub, dem ADFC, wird hingewiesen, dass durchaus nicht alle Pendler einfach so aufs Rad umsteigen können. S11-Bike und Radpendlerroute 2 seien auf bestimmte Gruppen von Nutzern beschränkt, betont der ADFC.
Zudem sei die Zahl der Ausleihräder nur begrenzt und deren Route laufe nur bis zum Mülheimer Bahnhof. Aus Sicht des Radfahrvereins ist die Beschreibung der Radpendlerroute 2 auch nicht komplett fehlerfrei ausgefallen, und wenn man nicht direkt vom Gladbacher Zentrum nach Köln-Deutz wolle, helfe sie nur begrenzt.
Die App ist wichtig
Der ADFC verweist auf die App Komoot, ein beliebtes Programm zur Routenplanung. Wanderer, Läufer und auch Radfahrer nutzen Komoot oft. Hier setzt der ADFC an: Fünf weitere Routen vom Gladbacher Stadtgebiet nach Köln sind dort zu finden. „Sei dein eigener Schienenersatzverkehr“ steht auf den Plakaten, die der ADFC überall im Stadtgebiet verteilt hat. Mit dem Smartphone kann man durch das Scannen des QR-Codes die Kommot-App starten.
Versprochen werden vom Radfahrverein verkehrsarme und sichere Strecken, die ab Schildgen Paffrath, Bensberg und Refrath nach Köln verlaufen Auch eine umfangreiche Wegbeschreibung ist in der App hinterlegt.
Wer die Pendlerroute 2 testen möchte kann sich am kommenden Sonntag, 12. April, mit seinem Rad an der Radstation am Bahnhof Köln-Deutz einfinden, kündigt der ADFC an. Von dort geht es gemeinsam nach Bergisch Gladbach.

