Bergisch Gladbachs Karnevalverantwortliche blicken beim Prinzenessen vor allem dankbar zurück – und würdigen ein besonderes Dreigestirn.
Was gut war und was nichtBergisch Gladbachs Karnevalisten ziehen Bilanz der Session

Ein strahlendes Dreigestirn – trotz Amtsende: Prinz Thomas III. Bauer Maurice und Jungfrau Lea.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Nicht nur Dank, sondern auch ein kritischer Rückblick auf die Session nehmen Bergisch Gladbachs oberste Karnevalisten traditionell beim Prinzenessen von Dreigestirn und Brauchtumsvereinigung vor. Allerdings: Diesmal gab's kaum etwas zu kritisieren an der zurückliegenden „schönen und sehr harmonischen Session“, wie Vereinigungsvorsitzender Alexander Pfister sie bezeichnete.
Keiner hat einen anderen hängengelassen.
Gerade angesichts der erheblichen vorherigen Probleme mit den Räumlichkeiten (nach Sperrung von Schulaulen und Hallen für Veranstaltungen), seien die Veranstaltungen doch eigentlich alle sehr gut besucht gewesen, so Pfister. Selbst die Zentralwerkstatt auf Zanders, bei der er selbst vorher „ziemliche Bauchschmerzen“ gehabt habe, wie Pfister einräumte, habe mit Beleuchtung, Heizung und gutem Ton wirklich ihren Charme gehabt.

Sprach als neuer Vorsitzender der Vereinigung zur Erhaltung und Pflege heimatlichen Brauchtums: Alexander Pfister, zugleich Präsident der Großen Gladbacher KG.
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Dabei mahnte Pfister auch, bereits an nächstes Jahr zu denken, wenn die Zentralwerkstatt wegen des geplanten Umbaus nicht zur Verfügung stehe. Zugleich rief Pfister dazu auf, auch in „schwierigen Zeiten zusammenzustehen“. Eine Eigenschaft, die Bergisch Gladbachs Karnevalsvereine und Gesellschaften auch in dieser Session etwa durch starke gegenseitige Besuche von Veranstaltungen bewiesen hätten: „Keiner hat einen anderen hängengelassen.“
Räume kriegen wir organisiert. Die Stärke dieser Session war der Geist des Zusammenhaltens. Lasst uns das in der nächsten Session auch so machen.
Dafür dankte auch Bürgermeister Marcel Kreutz den Karnevalisten und versprach: „Räume kriegen wir organisiert. Die Stärke dieser Session war der Geist des Zusammenhaltens. Lasst uns das in der nächsten Session auch so machen“, wünschte sich der neue Rathauschef. Was den Karneval in Gladbach ausmache, habe er auch bei seinem ersten Auftritt bei der Proklamation („Man hat mir vorher gesagt, das ist die wichtigste Rede im ganzen Jahr“) gespürt, bekannte Kreutz. Als das Mikro ausgesetzt habe und er einen Brummton angestimmt habe, habe die Prinzengarde diesen zum Lied „Tränen lügen nicht“ fortgeführt. „Was ich daraus gelernt habe, lernt man in keinem Aktenstudium: Dass man hier wirklich Verantwortung füreinander übernimmt und zusammensteht.“

Lobte den Zusammenhalt: Bürgermeister Marcel Kreutz.
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Verkörpert wie niemand anderes habe dies das Dreigestirn, Prinz Thomas III., Bauer Maurice und Jungfrau Lea, griff Kreutz das große Lob von Alexander Pfister auf („Ihr seid ein ganz hervorragendes Dreigestirn gewesen und habt euch mit eurer eigenen Handschrift ins karnevalistische Geschichtsbuch dieser Stadt eingetragen“). Kreutz erinnerte daran, wie die drei gerade bei Veranstaltungen in Seniorenheimen oder im Hospiz auf die Menschen zugegangen seien und diese sich gefreut hätten: „Diese Momente sind so wertvoll“, lobte der Bürgermeister.
Provisorische neue Veranstaltungsorte gut angenommen
Die Menschen in der Stadt hätten die provisorischen neuen Veranstaltungsorte hervorragend angenommen, dankte Kreutz und erzählte davon, wie zur Sitzung der Närrischen Sander der halbe Sander Stadtteil aufs Zanders-Gelände gekommen sei.

Dankten allen, die ihre Amtszeit und den Karneval überhaupt erst möglich machten: Die scheidenden Tollitäten Prinz Thomas III., Bauer Maurice und Jungfrau Lea.
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Auch für die Karnevalszüge gab's Bestnoten und für Gladbachs Zugleiter René Karla und seinen Vize Heribert Häuser großes Lob von Vereinigung und Bürgermeister. Der Zoch durch die Stadtmitte hatte sogar die erst zwei Tage zuvor fertiggestellte Laurentiusstraße eingeweiht. „Wir hatten am Samstag in Bensberg und am Sonntag in der Stadtmitte auch so ein Glück mit dem Wetter“, freute sich Alexander Pfister: „Viel besser als angesagt.“ Und der Schnee sei erst gekommen, als der letzte Zugteilnehmer am Sonntag vom Wagen gestiegen sei.
Zwei Rettungseinsätze stoppten den Bergisch Gladbacher Karnevalszug
Die zwei Rettungseinsätze, die den Zug zum Stehen brachten, hätten nichts mit dem Geschehen am Zoch zu tun gehabt, erläuterte er. Auch die Unterstützung von Privatpersonen sei großartig gewesen, beispielsweise von Bauunternehmer Ludwig Krämer, der sieben große Lastwagen als Sicherheitsmaßnahmen zur Sperrung von Straßen zur Verfügung gestellt habe, lobte Pfister. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Hilfsorganisationen, Kreissparkasse, Banken, Zochjury, unzählige Ehrenamtliche – wie die Brauchtumsvereinigung dankte auch Prinz Thomas III. in seiner emotionalen Abschiedsrede allen, die den Karneval überhaupt erst möglich machten.

Wurden für langjähriges Engagement in der Brauchtumsvereinigung geehrt: Martin Gerstlauer (3.v.l.) und Robert Röder (2.v.r.).
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Das gemeinsam Dreigestirnsmotto „Hück oder nie“ habe er selbst schon bei der Proklamation mit dem Heiratsantrag an seine Freundin Ramona umgesetzt, warf Thomas III. einen Blick zurück, dankte für das „Ja“ seiner Freundin ebenso wie für die vielen emotionalen Auftritte in Senioreneinrichtungen, Kitas, Grundschulen und Co. Ob alle Prinzengardisten samt Dreigestirn, Prinzenführer Frank Mehren und Vize Roland Theißen, Tanztrainerin oder „Flöckchen“-Musiker, Strunde-Pänz oder Busfahrer und die eigenen Partner, Heimatgesellschaft und ganz viele weitere Unterstützer – mit viel Herz und Aufmerksamkeiten bedankten sich die Tollitäten. „Wir hatten eine ganz, ganz tolle Zeit“, sagte Thomas III. und rief dazu auf, den Veilchendienstag noch einmal richtig zu feiern.
Wir geben heute nochmal richtig Gas – und streichen die Leber von der Spenderliste.
„Wir geben heute nochmal richtig Gas – und streichen die Leber von der Spenderliste“, so Thomas III. augenzwinkernd, bevor er und seine Dreigestirnskollegen von Peter Hübsch noch vor der Auskleidung in die Reihen der Ehemaligen aufgenommen wurden. Krönender Abschluss einer außergewöhnlichen Session. In der saßen auch beim Prinzenessen eine Reihe neuer Gesichter am Tisch: von Bürgermeister Kreutz bis Landrat Arne von Boetticher. Neu im Amt als Brauchtumsvorsitzender war auch Alexander Pfister.
Zwei verdiente langjährige Führungskräfte der Vereinigung wurden vom Regionalverband Rhein-Berg (RRB) mit dem BDK-Verdienstorden in Gold ausgezeichnet: der vormalige Vorsitzende der Vereinigung, Martin Gerstlauer, der das Amt von 2004 bis 2025 innehatte, und Robert Röder für sein nun 37-jähriges Engagement als Schatzmeister. „Danke, Danke, Danke – im Namen des gesamte Brauchtums“, so RRB-Präsident Philipp Schäfer.

