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Gnadenkirche
Gemeinde mit Erhalt der historischen Grabstätten überfordert

Der kleine verwunschene Friedhof steht seit 1992 unter Denkmalschutz. Pflege und Unterhaltung des Geländes und der Grabstätten obliegen der Kirchengemeinde.

Der kleine verwunschene Friedhof steht seit 1992 unter Denkmalschutz. Pflege und Unterhaltung des Geländes und der Grabstätten obliegen der Kirchengemeinde.

Bergisch Gladbach – Friedhöfe sind Orte der Stille. Trotz seiner zentralen Lage gilt dies in besonderer Weise für den alten evangelischen Friedhof an der Gnadenkirche, auf dem schon seit 1869 nicht mehr bestattet wird. Bei der Präsentation des „Denkmal des Monats“ füllte sich die Begräbnisstätte für kurze Zeit mit Leben.

Seit vielen Jahren macht der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz mit dem „Denkmal des Monats“ auf „herausragende, unbeachtete und bedrohte Denkmäler“ in Köln und Umgebung aufmerksam.

Der kleine verwunschene Friedhof im Besitz der Kirchengemeinde, der seit 1992 unter Denkmalschutz steht, gehört nach Ansicht des Vereins in diese Kategorie. Denn der „Zahn der Zeit“ habe an diesem „Kleinod“ genagt, sagte dazu Stephan von Wahl, Leiter des Arbeitskreises „Denkmal des Monats“. Verwitterte und bröckelnde Grabsteine müssten vor dem Verfall gerettet und fachmännisch restauriert werden, die Anlage aus ihrem Schattendasein ins Licht geholt werden.

Einsatz stößt an Grenzen

Die Wahl des Objekts gefiel nicht allen. „Das ist eine recht zweifelhafte Ehre“, kommentierte Thomas Werner, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde und Vorsitzender des Presbyteriums, die Auszeichnung etwas grimmig. Denn mit Pflege und Unterhaltung des Friedhofs wird die Gemeinde als Eigentümerin weitgehend allein gelassen.

„Wir bemühen uns seit Jahren mit allen uns zur Verfügung stehenden haupt-, neben- und ehrenamtlichen Kräften, die Anlage in einem akzeptablen Zustand zu halten“, sagte der Pfarrer. Doch dem Einsatz, der mit kirchlichen Mitteln geleistet werden müsse, seien Grenzen gesetzt. Werner: „Kirche ist an erster Stelle für die Lebenden da.“

Aus historischer und denkmalpflegerischer Sicht hingegen ist die Wahl wohlbegründet: Zwischen 1777 und 1869 wurden hier auf dem nur 520 Quadratmeter großen Areal 612 Personen beerdigt, darunter namhafte Vertreter der örtlichen Papiermacher-Familien, erklärte Professor Michael Werling, Vorsitzender des Geschichtsvereins, in seinem Vortrag.

Gemeinsam mit Manfred-Walter Kautz hatte er schon 2004 die Dokumentation „Gegen das Vergessen – der alte Friedhof an der Gnadenkirche in Bergisch Gladbach“ verfasst. 34 der alten Grabsteine, -platten, Stelen und Denkmäler haben die Zeit überdauert, allerdings nicht unversehrt. Restauratorische Arbeiten seien dringend erforderlich, damit der zerstörerische Prozess nicht weitergehe, erläuterte der Restaurator Stefan Glossner am Beispiel einer vermoosten Grabplatte.

„Wir müssen überlegen, welche Botschaft wollen wir mit diesem Friedhof vermitteln?“, gab Pfarrer Werner zu bedenken. „Hier liegen namhafte Papiermacher aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die Gründungsväter unserer Gemeinde.“ Die Calvinisten seien an die Strunde gekommen, weil es hier gute Bedingungen zum Papierschöpfen gegeben habe, um den damaligen Bestseller, die Bibel, zu drucken. „Das hat Gladbach groß gemacht und wird mir in der Stadt heute zu wenig deutlich“, kritisierte er.

Es sei nötig, über den Friedhof und seine Zukunft nachzudenken, der bei jeder innerstädtischen Planung „wie ein Pfahl im Fleisch der Stadt“ stecke. Die Pflege und angemessene Präsentation der alten Grabsteine auf dem neuen Friedhof wäre seiner Ansicht nach leichter und sinnvoller. Doch einer Verlegung steht der Denkmalschutz entgegen.

Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz sucht stattdessen Paten für die Grabsteine. Mit solchen Patenschaften, vielleicht auch der Nachkommen der hier Bestatteten, könnten die Steine fachgerecht saniert und dauerhaft erhalten, die Kirchengemeinde finanziell entlastet werden. Im Ortsteil Sand hat man damit gute Erfahrungen gemacht. Dort hatte man am Ende mehr Paten als Grabsteine.

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