Zwischen Bensberg und Kürten sollen mehrere Personen Wölfe gesehen haben – für die Jahreszeit nicht untypisch. Ein Wolfsberater gibt Tipps.
Mehrere WolfssichtungenAuf leisen Pfoten schleicht der Wolf durch Rhein-Berg

Auf einer Wiese bei Kürten-Spitze hat Hans-Josef Hungenbach diese mutmaßliche Wolfssichtung mit seiner Kamera im Bild festgehalten.
Copyright: Hans-Josef Hungenbach
Hans-Josef Hungenberg sitzt bei seinem Bruder am Fenster, als auf der Wiese draußen plötzlich etwas merkwürdig vorkommt: „Zuerst dachte ich, es sei ein Hund, der da vorbeilief, als er sich dann jedoch umgedreht hat, fiel mir auf: Oh, ein Wolf.“ Der 70-jährige gelernte Elektromeister holte seine Kamera, hielt den unerwarteten Besucher auf einem Foto fest und meldete seine Beobachtung dem Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (siehe „Was tun bei der Begegnung mit einem Wolf?“).
Beobachtungen wie Hans-Josef Hungenberg machten in den vergangenen Tagen auch andere Bewohner rund um die Orte Herkenrath, Bärbroich und Spitze. Mittlerweile ist auch der Wolfberater des Kreises, Winfried Knickmeier, involviert.
Wolfssichtungen sind in den letzten Jahren verstärkt aufgetreten
„Herr Knickmeier hat Fotos gesehen und verifiziert und diese, ebenso wie eine Kotprobe, an das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima, kurz Lanuk, zur weiteren Untersuchung und Feststellung gesendet“, bestätigt Kreissprecherin Nina Eckhardt. „Wenn wir Genmaterial haben, können wir feststellen, ob das Tier schon mal irgendwo aufgefallen ist“, erklärt Knickmeier.
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Wolfssichtungen sind unterdessen gerade in der aktuellen Jahreszeit nicht ungewöhnlich und auch in den vergangenen Jahren wie berichtet verstärkt aufgetreten. „Wir werden immer wieder damit leben müssen, dass ein Wolf hier bei uns durchgeht“, sagt Knickmeier. Wenn sich die Elterntiere zwischen Januar und März paarten, verließen die zweijährigen Tiere in der Regel das Rudel und machten sich auf Wanderschaft, so der Wolfsexperte. Bei Eitorf an der Sieg gebe es seit Längerem ein Rudel, ein weiteres im Märkischen, so der Wolfsberater.
Durchziehende Wölfe sollten nicht gefüttert werden
Umso wichtiger sei es, durchziehende Wölfe nicht zu füttern. „Das gilt für alle größeren Raubtiere: Wenn sie gefüttert werden, wird's gefährlich“, so Knickmeier. Genauso wichtig sei es daher, auch kleinere Haltungen von Schafen, Ziegen oder Gehegewild wie Damwild mit Elektroschutzzäunen gegen den Wolf zu sichern. „Jedes Mal wenn ein Wolf ein Schaf gerissen hat, wird er daraus lernen, dass das eine angenehme Beute ist – und es wieder tun“, weiß der Wolfsexperte. Schließlich seien eine Ziege oder ein Schaf wesentlich leichter zu bekommen als ein schnelles Reh.
Der mutmaßliche Wolf, der aktuell durch Rhein-Berg zieht, ist diesbezüglich unterdessen bislang nicht auffällig geworden. „Nutztierrisse sind nicht bekannt, wohl aber Risse von Wildtieren wie Rehen oder Muffelwild“, so Knickmeier. Schutzmaßnahmen für Schafe, Ziegen oder Gehegewild fördert das Land (siehe „Was tun bei der Begegnung mit einem Wolf?“).
Aktuell gibt es keine Hinweise auf mehrere Wölfe im Kreis
Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei den Wolfssichtungen zwischen Bergisch Gladbach und Kürten um dasselbe Tier gehandelt hat, ist laut dem Wolfsberater groß, da einzelne Wölfe nach etwa zwei Jahren ihre Rudel verließen und eigene Reviere suchten. „Dabei durchstreifen sie größere Gebiete“, sagt Knickmeier. Zudem gebe es aktuell keine weiteren Hinweise auf mehrere Tiere im Kreis.
Im Januar des vergangenen Jahres war ein Wolf in Herrenstrunden gesichtet worden, im März hatte ein Wolf, der aus einem Rudel in Sachsen stammte, Schafe bei Bärbroich gerissen. 2016 war zum ersten Mal seit Ausrottung der Wölfe in NRW 180 Jahre zuvor in Rhein-Berg wieder ein Wolf bei Rösrath nachgewiesen worden.

