Die Odenthaler Autorin Ela Krug geht auf Spurensuche in Sarajevo. 30 Jahre nach Kriegsende sind viele Wunden immer noch nicht verheilt.
Debütroman„Spinnennetze im Asphalt“ und die Liebe in kriegerischen Zeiten

Der Stadionfriedhof in Sarajevo: 1984 wurden hier die Olympischen Winterspiele gefeiert. Während des Bosnienkrieges entstand auf dem Gelände ein riesiger Friedhof. Im Hintergrund der Turm mit den olympischen Ringen.
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Für Fran Vogel liegt Bosnien weit, weit weg. Nur nebulöse Erinnerungen an Jahre zurückliegende, fast vergessene Nachrichten vom Balkankrieg steigen in der Journalistin auf, als sie in einer Kölner Kneipe den charismatischen Isi Vujović kennenlernt. Zwischen ihr und dem attraktiven Bosnier entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebesgeschichte, auch wenn Fran immer deutlicher merkt, dass Isi ihr etwas verschweigt. Ihr Liebeskummer, die Suche nach Antworten, die Isi ihr verweigert, führen Fran in die bosnische Hauptstadt Sarajevo, wo sie sich endlich auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen kann.
Mit „Spinnennetze im Asphalt“ legt Ela Krug ihren Debütroman vor und hat sich mit ihrer Geschichte nicht nur auf eine fiktive, sondern selbst auch auf eine sehr reale Spurensuche durch Sarajevo begeben. So wie Fran, eine der Protagonistinnen des Romans, mit der die Autorin die journalistische Ausbildung teilt, hat auch Ela Krug aus einer ganz persönlichen Erfahrung heraus Antworten in Bosnien gesucht und sich dabei in Sarajevo und seine Bewohner verliebt.
Sarajevo - ein europäischer Schmelztiegel
„Es ist eine irre Mischung dort aus Geschichte, Kultur und Religion, Hass, Herzlichkeit und Liebenswertem“, sagt die 54-Jährige, die heute in Odenthal lebt, als Lehrerin tätig ist und unter Pseudonym schreibt. Alles liege sehr nah beieinander, in einer Stadt, die Anfang der 1990er Jahre Kriegsschauplatz war. „Die Geschichte hat die Menschen dort gezeichnet“ sagt Ela Krug. „Sie ist immer noch hochpräsent.“

Die Einschläge der Granaten haben auf dem Asphalt Spuren hinterlassen. Mit rotem Harz markiert, erinnern sie an Todesopfer. "Rosen von Sarajevo" werden die Gedenkstätten genannt.
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So wie die „Spinnennetze“ im Asphalt, die ihrem Roman den Titel gaben. Sie sind in den Straßen Sarajevos zu finden, wo Einschlaglöcher heute noch verraten, dass dort im Krieg Granaten explodiert sind und Menschen getötet haben. Später mit rotem Harz gefüllt, legen die Spuren als „Rosen von Sarajevo“ bis heute Zeugnis von den Kriegsgräueln von damals ab. Ihnen sind Selma und Alex unmittelbar ausgesetzt, die zweite Liebesgeschichte des Romans, die zeitlich versetzt und mit dokumentarischen Anteilen erzählt wird und deren Linien dennoch mit Fran und Isi verflochten sind.
Der Versuch, Brücken zu schlagen
„Ich wollte zeigen, was Krieg für Einzelschicksale bedeutet“, erläutert Ela Krug. Was es bedeute, wenn Menschen erzählten: „Man kann Krieg riechen“ – die Mischung aus Sprengstoff, Angst und Tränen. Zugleich sei es ihr wichtig gewesen, Brücken zu schlagen - zwischen damals und heute, Bosnien und Deutschland, Orient und Okzident, Fiktion und Dokumentation.
Dabei immer das Bemühen, den Abstand zu wahren: „Es gibt die Gefahr, dass man die Distanz verliert, zu pro-bosnisch wird“, meint sie über den Konflikt, der ihrer Geschichte zugrunde liegt. „Es gab auf allen Seiten Täter und Opfer.“ Stil- und faktensicher webt Ela Krug aus einem bedrückenden Kapitel europäischer Geschichte einen einfühlsamen, aber nicht traurigen Roman, der gekonnt die Balance zwischen Fiktion und Realität, zwischen Ernsthaftigkeit und Unterhaltung hält, der Wissen vermittelt und die Fantasie anregt.
„Durchgeknallte Zeitungsredaktion“ mit skurrilem Team
„Die Orte, die Gefühle sind echt, auch einige historische Personen“, sagt die Odenthaler Autorin, die zum besseren Verständnis ein Personenregister und eine Chronologie des Krieges angefügt hat. „Aber die Akteure und ihre Geschichte sind frei erfunden.“
Und so gibt es auch die „total durchgeknallte Zeitungsredaktion“ im Bergischen nicht wirklich, die die ehemalige Journalistin Ela Krug ihrer Romanheldin Fran als Arbeitsstätte zuweist und in der sie mit den eher witzigen Widrigkeiten des Alltags zu kämpfen hat. Mit skurrilen Typen, arrogantem Chef und einem Fotografen, dessen Markenzeichen Bilder inklusive abgelichtetem Autospiegel sind, da er sein Fahrzeug nur in Ausnahmefällen verlässt.
Ela Krug: „Spinnennetze im Asphalt. Eine fiktive Spurensuche in Sarajevo“, 328 Seiten, 14 Euro, ISBN: 978-3-384-66324-5. E-Book: 9,99 Euro, ISBN: 978-3-384-66325-2 im Buchhandel.
