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FDP-Chef macht WahlkampfChristian Lindner startet Sommertour durch Rhein-Berg

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Vor 200 Gästen spricht FDP-Bundesparteichef Christian Lindner zum Auftakt seiner Sommertour durch Rhein-Berg.

Rhein-Berg – Ein junges Paar reiht sich in die Schlange ein, die sich vor dem abgesperrten Teil des Konrad-Adenauer-Platzes gebildet hat: Registrierung für die Corona-Kontaktverfolgung beim Wahlkampfauftritt von FDP-Bundesparteichef Christian Lindner. Der reiht sich fast unbemerkt selbst ein: „Ich muss mich ja auch registrieren“, sagt er lächelnd. Gleich ist er umlagert von Jung und Alt, die alle erstmal eins wollen: ein Selfie mit dem aus Wermelskirchen stammenden Politiker.

Der startet mit dem Auftritt in Gladbach seine jährliche Sommertour durch den Wahlkreis, in dem er aktuell erneut für das Bundestagsdirektmandat antritt. Auch wenn ihm über die Liste seiner Partei der Einzug in den Bundestag als sicher gilt, weist Gladbachs FDP-Vorsitzende Anita Rick-Blunck doch darauf hin, dass Lindner laut einiger Prognosen gute Chancen habe, das Direktmandat im Wahlkreis 100/Rheinisch-Bergischer Kreis zu holen.

Lindner: FDP habe Pandemie nie verharmlost

Lindner steigt nicht auf die Bühne, sondern spricht vom Platz aus zu den 200 Gästen, die es in den gemäß Corona-Regeln abgesperrten Bereich des Platzes geschafft haben. „Wie schön, in Bergisch Gladbach zu sein, wie schön unter und mit Ihnen zu sein. Distanz hatten wir in den vergangenen 18 Monaten genug“, sagt er.

Der Politiker bekennt, dass er sich Freiheitseinschränkungen wie in der Pandemie nie hätte vorstellen können. Dabei hätten die Freien Demokraten die Pandemie nie verharmlost, betont der FDP-Parteichef, um gleich darauf doch auch auf die Risiken und Folgeschäden der Bekämpfung der Pandemie hinzuweisen: Kinder und Jugendliche, die nicht in die Schulen gehen konnten, Vereinsamung von Menschen und die Gefährdung von wirtschaftlichen Existenzen.

„Wir sind die Partei der Selbstbestimmung“

„Jetzt muss die Politik im Bund wie in den Ländern alles dafür unternehmen, dass es in unserem Land keinen neuen Lockdown gibt“, fordert Lindner und appelliert an den eigenen Beitrag, den „jede und jeder von uns leisten“ kann: „Bitte lassen Sie sich impfen“, ruft der 42-Jährige den Menschen auf dem Platz zu, schlägt mobile Impfteams vor, die es in Rhein-Berg seit Wochen dank Kooperation von Gladbacher Feuerwehr, Kreis und Impfzentrum gibt.

Gleich im nächsten Satz konstatiert Lindner allerdings auch, dass er gegen jeden Impfzwang sei: „Wir sind die Partei der Selbstbestimmung“, sagt der Parteichef, während Helfer Kurzwahlprogramme verteilen. Titel: „Nie gab es mehr zu tun.“

Bund soll mehr Verantwortung bei Bildung übernehmen

„Ich bleibe dran“, verspricht Lindner beim Breitband-Internetausbau und lächelt die Zwischenrufer-Frage „Bis 2050?“ weg: „Nein, früher. Bis 2050 wollen wir klimaneutral sein. Die Digitalisierung wollen wir vorher schaffen.“

Auch wenn eigentlich die Länder dafür verantwortlich sind – in der Bildungspolitik müsse der Bund mehr Verantwortung übernehmen, fordert Lindner und führt plakativ aus, dass man bei Schule nicht nur über Tabletts, sondern auch über die Toiletten sprechen müsse.

Gegen Steuererhöhungen und Umverteilungspläne, aber für mehr Freiheit für die Wirtschaft auch und gerade bei der Bekämpfung des Klimawandels spricht sich der Bundesparteichef der Liberalen aus, spitzt den Ausgang der Bundestagswahl auf die Frage zu, wer danach Finanzminister ist: „Harbeck oder Lindner?“

Lindner nie um eine Antwort verlegen

Warum er nicht schon 2017 mit in die Regierungskoalition eingestiegen ist und stattdessen die Verhandlungen nach wochenlangem Tauziehen verließ? „Weil sich Merkel und die Grünen damals schon einig waren“, erklärt er auf die Zuschauerfrage. „Die wollten nicht unsere Ideen, sondern nur unsere Stimmen.“

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Diesmal sei das anders, gibt sich Lindner überzeugt, diesmal sei die Basis eine „funktionierende schwarz-gelbe Koalition in Düsseldorf“, die Laschet und er ausgehandelt hatten. Ob werdende Eltern nach Hilfe für Hebammen fragen oder er einem jungen Mann erklärt, dass die FDP für die Legalisierung von Cannabis in Apotheken sei – der FDP-Chef ist offenbar um keine Antwort verlegen. Und seine Tour durch den Kreis will er fortsetzen.

Weitere Stationen der Sommertour von FDP-Bundesparteichef Christian Lindner sind am Donnerstag, 26. August, 14 Uhr, im Innenhof von Schloss Eulenbroich in Rösrath sowie am Freitag, 3. September, um 15 Uhr im Bürgerzentrum an der Telegrafenstraße in Wermelskirchen.