AquarelleDetailgetreu und historisch wertvoll

Die Originalaquarelle werden von Archivarin Ute Ströbel-Dettmer in Spezialkartons aufbewahrt.
Copyright: Roland U. Neumann Lizenz
Kürten – Der untere Teil des Hauses besteht aus Bruchsteinen. Darauf aufgesetzt ist Fachwerk mit einem Giebeldach. Bei dem Gebäude handelt es sich um eine Mühle, deutlich zu erkennen an dem Mühlrad, das an der Hauswand zu sehen ist. Bis 1957 war die Broichhausener Mühle in Kürten-Dürscheid im Betrieb, danach wurde sie von Bulldozern niedergewalzt. Dass heute noch nachvollziehbar ist, wie die Mühle und andere historischen Gebäude aussahen, ist dem Kunstmaler Fritz Sauer zu verdanken, der sich oft im Bergischen Land aufhielt und zahlreiche Aquarelle anfertigte. Eine Schenkung an das Gemeindearchiv rückte den Maler und dessen Werk in den Fokus.
Anfang 2012 fragte der Bonner Karl Kirchhof, Jahrgang 1936, bei der Gemeinde nach, ob sie Interesse an einem Bild hätten, das die Broichhausener Mühle darstellt. Zu dem Gebäude hatte Kirchhof eine ganz besondere Beziehung. Dort lebte er in den 1930er Jahren mit seinen Eltern, die vor den Nazis aus Köln dorthin geflüchtet waren. Aus dieser Zeit besaß er noch das Aquarell, das die Mühle zeigt. „Er wollte das Bild von dem Gebäude dorthin geben, wo es gut aufgehoben ist“, erinnert sich Gemeindearchivarin Ströbel-Dettmer. Für sie hat das Werk auch deshalb einen ganz besonderen Wert, weil viele Dokumente aus den 1930er und 1940er Jahren verloren gegangen oder zerstört worden sind. Von der Schenkung war sie begeistert. „Man bekommt einen guten Eindruck davon, wie das Gebäude einmal ausgesehen hat, weil das Bild so detailgetreu, fast fotografisch genau gemalt ist“, so Ströbel-Dettmer.
Die Verwaltungsmitarbeiterin machte sich auf die Suche nach weiteren Werken von Fritz Sauer und wurde im eigenen Haus fündig. So hingen weitere Bilder des Kunstmalers im Besprechungsraum. „Die Gemeinde hatte elf Originale und eine Farbkopie, bei der wir nicht wissen, woher sie stammt“, erzählt Ströbel-Dettmer. Sie leitet das Verwaltungsarchiv und hat mit Kunst dabei eigentlich nichts zu tun. „Aber ich habe auch eine Museumsausbildung und habe mich gleich erkundigt, wie man solche Bilder am besten konserviert.“ Dunkel sollen die Aquarelle gelagert werden, bekam sie zuhören, damit der Lichteinfall die Farben nicht verändert. Deshalb organisierte die Archivarin einen passenden Karton, in dem die Kunstwerke nun übereinander liegen, durch säurefreies Papier säuberlich voneinander getrennt.
„Die Originale lagern hier im Archiv“, sagt Ströbel-Dettmer, die die Bilder nicht so oft anfassen möchte. Doch für die Öffentlichkeit verloren sind die Werke des Kunstmalers deshalb noch lange nicht. Ströbel-Dettmer ließ Farbkopien anfertigen, die in einer Dauerausstellung im Erdgeschoss des Kürtener Rathauses zu sehen sind. „Auf einem Bild, das die Holzverarbeitung der Firma Nordhaus in den 1930er Jahren zeigt, hat jemand in einem der dargestellten Arbeiter seinen Onkel erkannt“, erzählt die Archivarin.Ströbel-Dettmer vermutet, dass es sich bei den Bildern um eine Art von Massenproduktion gehandelt habe und die Aquarelle zu Geburtstagen oder Jubiläen verschenkt wurden. Darauf weist ein Aufkleber hin, den sie auf der Rückseite eines Bildes gefunden hat. Dort ist zu lesen, dass das Gemälde 1943 dem Gemeindebürgermeister Johann Schmitz und seiner Frau Gertrud von der Gemeinde zur Silberhochzeit überreicht worden ist. „Wahrscheinlich gibt es hunderte solcher Bilder in der Bevölkerung“, vermutet Ströbel-Dettmer. Diese Werke kennenzulernen, daran ist die Archivarin sehr interessiert. „Sie haben einen hohen dokumentarischen Wert. Das ist es, was die Darstellungen für das Archiv und die Ortshistorie so interessant macht.“
Die Gemeindemitarbeiterin hat natürlich auch versucht, mehr über den Künstler zu erfahren. „Er hat in der Zeitspanne zwischen 1920 und 1950 gearbeitet und in Köln und Umgebung bis hin nach Koblenz gearbeitet“, sagt Ströbel-Dettmer. Sie nimmt an, dass es sich dabei hauptsächlich um Auftragsarbeiten handelte. „Zunächst habe ich geglaubt, dass Fritz Sauer aus Hemer kam, aber da war ich auf der falschen Fährte“, erzählt die Archivarin. Inzwischen weiß sie, dass der Kunstmaler, von dem die Kürtener Bilder stammen, ein Atelier am Kölner Buttermarkt hatte. An den Bildern ist zudem auffällig, dass die Signatur nicht immer gleich ist. „Auf einigen Bildern neigt sie sich nach links, auf anderen nach rechts“, so Ströbel-Dettmer. Daher geht sie davon aus, dass es sich trotz des gleichen Namens um zwei unterschiedliche Künstler, um Vater und Sohn, handelt.Inzwischen meldeten sich bei er Archivarin schon einige Kürtener, die ein Bild von Fritz Sauer besitzen oder etwas über den Kunstmaler erzählen konnten. Nun überlegt Ströbel-Dettmer gemeinsam mit dem Heimatforscher Rainer Stahlke, eine Ausstellung über Fritz Sauer und seine Kürtener Bilder zu organisieren. Bis dahin will sie noch mehr über den Kunstmaler und seinen Sohn herausfinden. „Ich habe Blut geleckt“, sagt Ströbel-Dettmer lachend. „Es ist einfach spannend und es sind noch viele Fragen offen.“Die Gemeindearchivarin freut sich über jede Information über Fritz Sauer und sein Schaffen. Hinweise nimmt Ute Ströbel-Dettmer unter 02268/939 162 oder per Mail entgegen.
ute.stroebel-dettmer@kuerten.de
