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Odenthaler Lehrer wechselt nach Belgrad„Ich möchte den Menschen die Augen öffnen“

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Viele Umweltprojekte entstanden im „grünen Klassenzimmer“ von Christoph Biesemann. Jetzt wechselt er nach Belgrad.

Odenthal – Das Klassenzimmer war für den promovierten Naturwissenschaftler Christoph Biesemann immer ein bisschen zu eng. Seine Unterrichtsaktivitäten am Gymnasium Odenthal begrenzte er daher nicht auf Schulgebäude und Schulgelände. In zahlreichen Naturschutz- und Umweltprojekten brachte der Biologe und Chemiker den Schülerinnen und Schülern die Natur vor der Haustür näher. Jetzt wechselt der 39 Jahre alte Pädagoge an die Deutsche Schule in Belgrad.Sie haben am Gymnasium Odenthal viele Projekte angestoßen. Welche waren die wichtigsten? Und warum?Christoph Biesemann: Dazu zählen die Etablierung von direkten Naturbeobachtungen in AGs und Unterricht. Auch der Aufbau eines interaktiven Naturlehrpfads. Viele meiner Aktivitäten hängen mit meinen Bemühungen zusammen, den Schülern und Schülerinnen die Möglichkeit zu geben, die Natur im Schulumfeld zu untersuchen und sich aktiv für den Naturschutz einzusetzen.

Beispiele sind hier der Aufbau der Schülerarbeitsgemeinschaft Natur&Garten und die systematische Untersuchung der biologischen Gewässergüte der Dhünn im Biologieunterricht. Beim interaktiven Naturlehrpfad ist die Hauptidee, dass man an einem Standort auf dem Schulgelände über einen QR-Code auf die Lehrpfadinformationen zugreifen kann. Außerdem kann man sehen, welche schützenswerten Lebewesen zwischen den Steinen im Flussbett der Dhünn leben, ohne dass man selbst dort keschert.

Viele Aktivitäten wären zum großen Teil nicht ohne Fördergelder und außerschulische Partner möglich gewesen.

Was wollten Sie erreichen?

Man kann nur schützen, was man kennt! Ich möchte den Menschen die Augen öffnen für die Vielfalt der Natur vor der Haus- und Schultüre und Wege zeigen, mit einfachen Mitteln etwas für die Natur zu tun. Wir haben bei Fledermausexkursionen herausgefunden, welche Fledermausarten im Schulumfeld vorkommen und dann geeignete Fledermauskästen als weitere Unterschlupfmöglichkeiten platziert.

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Die Dhünn in Odenthal war beliebtes Forschungsobjekt in den Arbeitsgruppen.

Ich möchte, dass die Schüler und Schülerinnen direkt erleben, dass ihr eigenes Handeln einen positiven Einfluss haben kann. Hierbei ist besonders die aktuelle Kooperation mit Frau Bornhütter vom Naturgartenverein e.V. sehr wertvoll.

Die Bedeutung von Natur, Klima und Umwelt nimmt einen breiteren Raum ein als früher. Welchen Einfluss hat das auf Schule und Unterricht?

Bildung für nachhaltige Entwicklung wird in den Lehrplänen stärker berücksichtigt. Im Unterricht und darüber hinaus versuchen wir das Bewusstsein dafür zu stärken, so dass sie auch ihre Alltagsentscheidungen bewusst reflektieren.

Haben Jugendliche heute ein größeres Umweltbewusstsein als die Generation ihrer Eltern?

Viele junge Menschen, die ich in der Schule kennenlerne, wünschen sich mehr Natur-, Umwelt- und oder Klimaschutz. Das gilt für ihr direktes Umfeld, wird aber auch als Wunsch an die politischen Entscheidungsträger formuliert. Ob dieses Umweltbewusstsein über das meiner Elterngeneration hinausgeht kann ich nur schwer beurteilen.

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In den letzten 50 Jahren sind viele Umweltthemen aktiv in der Gesellschaft diskutiert worden und seitdem hat sich schon vieles zum Positiven verändert. Luft- und Wasserverschmutzung fallen mir spontan ein. Da hat sich viel verbessert. Gleichzeitig geht die Zerstörung der Natur in anderen Bereichen weiter voran – in Deutschland wird das sichtbar am Insektensterben.

Was hat Sie an Ihren Schülern am stärksten beeindruckt?

Am Freitagnachmittag, wenn die Schulwoche für die meisten schon vorbei ist, haben meine AG-Schüler und -Schülerinnen mit Begeisterung die Natur erforscht und unser Schulgelände durch Umgraben, Aussähen und Bepflanzen verschönert. Ich bin beeindruckt von ihrem kontinuierlichen freiwilligen Engagement und Interesse an der Natur.

Sie wechseln an eine deutsche Schule in Serbien. Warum?

Die Bewerbung für den Auslandschuldienst kam auch aus dem Wunsch heraus, Neues zu entdecken. Die sprachliche Heterogenität der Lernenden an Deutschen Auslandsschulen ist deutlich größer als an meiner bisherigen Schule. Es ist für mich und meine Familie ein besonderer Glücksfall, dass genau jetzt ein Biologielehrer an der Deutschen Schule Belgrad gebraucht wurde. Meine Frau ist Serbin und ist in Belgrad geboren, aufgewachsen und hat dort studiert. Wir haben zwei Kinder die zweisprachig aufwachsen.

Welche Aufgaben werden Sie dort übernehmen?

Ich werde von der Klasse 5 bis 12 in Biologie unterrichten und den Oberstufenunterricht der Chemie mit meiner Chemiekollegin vor Ort neu aufbauen. Darüber hinaus hoffe ich auch dort für den Natur- und Umweltschutz begeistern zu können.

Kehren Sie anschließend nach Odenthal zum Gymnasium zurück?

Der Auslandsschuldienst ist zeitlich begrenzt. Spätestens nach acht Jahren muss ich als Landesbeamter in den Schuldienst in NRW zurückkehren – es ist aber nicht so, dass meine alte Stelle für mich reserviert wäre. Vielleicht habe ich Glück und werde genau zu dieser Zeit in Odenthal gebraucht.